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Nanni Morettis neuer Film : Das Leben ein Familientraum

Die Nachbarin als Verführerin: Denise Tantucci in einer Szene aus „Drei Etagen“ Bild: Alberto Novelli/Sacher Film

In „Drei Etagen“ zeichnet Nanni Moretti am Beispiel eines bürgerlichen Wohnhauses in Rom ein Gesellschaftsbild des heutigen Italien. Dabei macht der Film ein paar mehr Sprünge, als der Geschichte guttut.

          3 Min.

          Das Haus hat drei Stockwerke. Jedenfalls sagt das der Film. Man muss es glauben, se­hen kann man es nicht. Es gibt keinen Schwenk über die Fassade, keinen establi­shing shot, der den Ort und die Umgebung festhält. Auch die Gegend wird nicht näher bezeichnet. Ein bürgerliches Viertel in Rom, vielleicht am Ti­ber, nördlich vom Vatikan. Die Lage ist nicht entscheidend bei Nanni Moretti, nur die Stadt. Morettis Filme sind Rom-Filme, ganz selten nur ma­chen sie sich auf den Weg aus der Hauptstadt in die Provinz. Rom ist für sie Italien, und in „Drei Etagen“ ist Italien ein bürgerliches Wohnhaus, zen­tral gelegen, ruhig, mit Parkplätzen am Straßenrand und Bäumen auf dem Trottoir. Ein Idyll.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Film beginnt nachts. Eine schwangere Frau steht schmerzgebeugt auf der Straße und wartet auf ein Taxi. Ein Wagen kommt mit hohem Tempo um die Ecke, weicht der Schwangeren aus, überfährt ei­ne andere Passantin und kracht in die Vorgartenfront einer Parterrewohnung. Am Steuer sitzt Andrea, der Sohn des Richterehepaars Dora und Vittorio aus einem der Obergeschosse. Die Wohnung, die er be­schä­digt hat, gehört dem Architekten Lu­cio und seiner Frau Sara. Und die Schwangere auf der Straße ist Monica, deren Ehemann Giorgio im Ausland arbeitet.

          Drei Stockwerke und sehr viele Namen. Dazu kommen noch die beiden Alten Giovanna und Renato, die im Erdgeschoss gegenüber von Lucio und Sara wohnen und gelegentlich auf deren Tochter Francesca aufpassen. Man könnte den Film auch als Generationenskizze nachzeichnen: Anna Bonaiuto, die Darstellerin der Giovanna, hat in den Siebzigerjahren bei Lina Wertmüller angefangen, Paolo Graziosi, ihr Partner, wurde 1962 von Marco Bellocchio entdeckt und ist im Februar zweiundachtzigjährig gestorben. Ihre Enkelin Charlotte wiederum wird von Denise Tantucci verkörpert, die durch Auftritte in Schüler- und Arztserien zum Gesicht der jungen Schauspielergeneration geworden ist. Zwischen ihnen, im Zen­trum der Erzählung, stehen die erwachsenen Stars des italienischen Ki­nos, Riccardo Scamarcio, Margherita Buy, Alba Rohrwacher, Stefano Dionisi, Nanni Moretti. Das Haus ist Italien, der Cast ist der italienische Film. Das Gesellschafts­panorama ist auch eine Inventur.

          Dem ersten Drama, der tödlichen Autofahrt, folgt ein zweites. Nachdem der Ar­chi­tekt wie üblich seine Tochter wieder bei dem zu­nehmend dementen Renato abgegeben hat, sind die beiden am Abend verschwunden. Lucio findet Francesca mit dem Alten in ei­nem Park. Der Verdacht, der Greis könnte das Mädchen missbraucht haben, treibt ihn ins Krankenhaus, wo er den inzwischen bettlägerigen Nachbarn fast erwürgt. Als Renatos Enkelin aus Paris eintrifft, hofft er seine Mutmaßung mit ih­rer Hilfe bestätigen zu können. Aber Charlotte will ihn verführen. Er weist sie ab, sie weint, dann stürzt er sich auf sie.

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