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Mutanten für die Zukunft : Machen wir uns einfach zum Affen

  • -Aktualisiert am

Ob im Kino oder im Comic: Die Popkultur entdeckt den Mutanten neu. Als Hoffnungsträger, Erlöser oder Racheengel. Und in jedem Fall können wir von ihm lernen.

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          Wenn er am Ende stolz von den Wipfeln eines Mammutbaums herab in die Weite späht, ist er tatsächlich Cäsar, ein Kaiser, der eine Armee befehligt und neue Welten erobert. Darin aber, wie dieser Expansionsdrang sich vollzieht, liegt die Volte des neuen "Planet der Affen"-Films (F.A.Z. vom 10. August). Denn wir haben es hier nicht so sehr mit einem äußeren Umsturz, sondern mit innerer Umgestaltung zu tun. Das Affenmännchen Cäsar, Abkomme einer Mutter, die als Versuchstier für ein neues Alzheimermedikament herhalten musste, ist ein Mutant, der sich buchstäblich zur Intelligenzbestie auswächst, Schach spielt und komplizierteste Denkspiele bewältigt.

          Eine schöne Melancholie prägt den ersten Teil des Films: Cäsar wächst im Haus eines Forschers auf, der seinen Vater vor dem mentalen Erlöschen retten will, und während der kleine Affe akrobatisch durch den Dachstuhl turnt, verdämmert unten ein Bildungsbürger. Nur ab und zu, wenn ihm dessen Sohn einen neuen Schuss mit dem gefährlichen, weil noch unbewährten Heilmittel verpasst, taucht der alte Mann auf aus seiner Umwölkung. Dann spielt er Bach oder liest Cäsars Schilderungen des Gallischen Krieges. Der Alte ahnt, dass in seiner Nähe ein Welterneuerer heranwächst.

          Aber dessen Ziel wird keine Zertrümmerung des Bewährten sein, keine radikale Umkehrung des Herr-Knecht-Verhältnisses, wie man sie sonst von Revolutionären erwartet. Cäsar wird, nach der Gefangenschaft in einem schrecklichen Tierheim, seine Anhänger zurückführen in ihren angestammten Lebensraum, jenen Nationalpark, in dem die Mammutbäume als Monumente des Naturschönen in den Himmel ragen. Dieses aufgeklärte Subjekt erhebt sich gerade nicht über die natürliche Umgebung, fängt nicht an, sie auszubeuten. Der Mutant schreibt die Zivilisationsgeschichte nicht als Verfallsszenario fort, sondern als Selbstbescheidungsprojekt.

          Rückblick auf die Menschen

          Dass gerade die Abart einer Spezies zum höheren Kulturträger taugt, ist eine Idee, die Science-Fiction-Werke schon länger beherrscht. In Clifford Simaks wegweisendem Roman "Als es noch Menschen gab" (1952) wird die Welt von Robotern bevölkert; der Mensch ist nur noch eine blasse Erinnerung an die Frühformen der Zivilisation. An den Lagerfeuern erzählen sich die Maschinen die mythischen Fabeln ihrer Vorläufer, darunter die Mutanten, die als "ein Zeichen dafür" vorgestellt werden, "dass sich die Menschheit weiter entwickelt". In Simaks Buch leben die genetischen Abweichler unerkannt, als bedeutende Wissenschaftler, Geschäftsleute oder "große Verbrecher". Ihr Preis der Anpassung ist hoch, die "größeren Verstandeskräfte" müssen in das Gefüge akzeptierten Verhaltens gezwungen werden, ihre Fähigkeiten an eine Norm gefesselt, "die ausgetretenen Wege der Logik".

          "Das hatte schreckliche Auswirkungen", heißt es im Roman. Wobei der Konflikt zwischen Assimilation und Selbstbehauptung entweder wie bei Cäsar und seinem Gefolge ausgesetzt oder aber zugespitzt werden kann, bis hin zur Krise, ja zum Krieg.

          In dem vor kurzem angelaufenen Film "X-Men: Erste Entscheidung" stehen sich zwei Gruppen von Mutanten gegenüber: die Integrierten, angeführt vom Telepathen Charles Xavier, und die Apokalyptiker, an deren Spitze Magneto steht. Dieser hat die Barbarei der Zivilisation von ihrer schlimmsten Seite kennengelernt: Nazis ermordeten seine Mutter, um ihn zur Demonstration seiner Kräfte zu bewegen. Denn Magneto kann die metallische Welt seinem Willen unterordnen - eine Fähigkeit die ihm in den Stahlgewittern der kommenden Kriege schreckliche Vorteile verschaffen wird.

          Im Spiegelbild der Zwitterwesen

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