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Abschied von Helmut Dietl : A bisserl was geht bis zuletzt

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Deutsche Filmprominenz auf dem Weg zur Trauerfeier: Uwe Ochsenknecht, Veronica Ferres und Heiner Lauterbach
Deutsche Filmprominenz auf dem Weg zur Trauerfeier: Uwe Ochsenknecht, Veronica Ferres und Heiner Lauterbach : Bild: babiradpicture - abp

Über Patrick Süskind wurde schon vor Beginn der Feier spekuliert: Würde der Koautor fast aller Dietl-Drehbücher aus Anlass des Todes seines Freundes seine Scheu überwinden und in Erscheinung treten? Der Verfasser des Weltbestsellers „Das Parfüm“ hält sich derart perfekt von der Öffentlichkeit fern, dass nicht einmal die Fotografen mehr nach ihm fragen. In dem Film „Rossini“ haben sich Dietl und Süskind über die Suche nach dem untergetauchten Autor lustig gemacht. Das war nicht nur ein Gipfel der Selbstironie, sondern führte auch vor, dass diese Suche albern ist. Süskind ist nicht da, auch nicht als verkleideter Friedhofsangestellter.

Aber er hat einen achtzehnjährigen Sohn namens Jakob, und der ist gekommen. Er spielt zwischen den Reden zwei Stücke am Flügel, eines von Edvard Grieg, eines von Schubert. Es sind genau die richtigen Stücke, genau richtig gespielt. Ein schöner Gruß. Schade, dass Mario Adorf nicht da ist. Der kann so gut die Augen schließen und ein schmelzendes Gesicht machen.

Nachwuchs tröstet, wenn der Toten gedacht wird. Helmut Dietls Sohn David, mittlerweile selbst Filmregisseur, erzählt ein bisschen, wie es war mit dem Vater, auch am Schluss, als er noch im Sterben rigoros keine Klinikrequisiten sehen und im Haus haben wollte. Er würdigt die Leistung von Dietls Frau Tamara. Den Tag der Trauerfeier habe man bewusst auf diesen 11. April gelegt, weil das der Geburtstag von Bernd Eichinger sei. Zwischen Eichinger und Dietl hatte es Spannungen gegeben. Das Datum soll ein Zeichen der Versöhnung sein.

München nimmt Abschied von Dietl
München nimmt Abschied von Dietl : Bild: dpa

Als Letzte kommt die Tochter von Helmut und Tamara Dietl als Rednerpult, Serafina. Sie ist zehn, vielleicht zwölf Jahre alt.Sie will eine Botschaft an ihren Vater verlesen. Immer wieder bricht ihr die Stimme. Es geht nicht. Aber sie will nicht aufgeben. Sie will sich auch von dem neben ihr stehenden großen Bruder nicht helfen lassen. Sie macht kleine Sprünge, um sich zu sammeln. Sie ärgert sich über sich selbst und schüttelt die Fäuste. Dann wieder diese Sprünge. Sie setzt an zu lesen. Stilles Schluchzen. Es hat keinen Sinn. Es geht einfach nicht.

Das war alles andere als ein peinlicher Schluss. Es war eine großartig tapfere Niederlage. Und es war ein Lehrstück: Man will partout etwas, es will nicht gelingen – und das macht nichts.

Später ein Treffen der heiteren Trauergesellschaft im Seehaus im Englischen Garten. Schönste Frühlingssonne, Bilderbuch-München. Die Promis sind eigentlich alle ziemlich nett, zugänglich und entspannt, selbst ein bekannter Pomifriseur, den man unbesehen doch schon aufgrund seines beruflichen Sonderstatus für eine fragwürdige Figur halten müsste, entpuppt sich als freundlicher Mensch, souverän und bescheiden. Klatschreporter benehmen sich nicht wie die Irren, sondern erweisen sich als angenehme Gesprächspartner, und von der kreischenden Bussi-Geberei, die der Münchner Schickeria nicht ganz grundlos nachgesagt wird, auch keine Spur.

Das Weltbild wankt an diesem Nachmittag, und es stellt sich die zwar nicht mörderische, aber doch recht spannende Frage: Hat Dietl mit seinen Filmen aus Lust am Spaß und gutem Künstlerrecht maßlos übertrieben und womöglich erst das Bild einer Schickeria geschaffen, die es so gar nicht gibt? Oder, das wäre gar zu schön, aber zur Feier des Tages und zur Ehre des Verstorbenen wollen wir das heute einmal ausnahmsweise für möglich halten: Die Schickeria hat sich schaudernd in den Dietl-Filmen erkannt und benimmt sich nun besser.

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