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Momente des deutschen Films (VIII): „Die Katze“ : Einsam sind die Tapferen

Dominik Grafs Bankraub-Thriller aus dem Jahr 1988 ist trotz seines großen kommerziellen Erfolgs ohne Nachfolger geblieben. Allerdings hat „Die Katze“ mit Götz George und Gudrun Landgrebe eine erstaunliche Frische bewahrt.

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          Gibt es eine deutsche Filmtradition der Nachkriegszeit? Die Kinoredaktion der F.A.Z. ist der Frage nachgegangen, wie zukunftsträchtig das deutsche Kino war und ist. (Siehe auch: F.A.Z.-Edition: Filme am Sonntag)

          Peter Körte

          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Kein Film steckt ja in einer Zeitkapsel, in der er dann, gut konserviert und luftdicht verschlossen, in einer späteren Gegenwart wieder auftauchte. Er hat seine Zeit in sich aufgenommen, oft in einer Weise, die entschlüsselt sein will, weil er eben nicht bloß ein Spiegel seiner Zeit ist. Zugleich konkurriert er von Beginn an mit anderen Filmen um die Aufmerksamkeit. Und deshalb kann es auch nichts schaden, wenn man sich an das Umfeld erinnert, aus dem „Die Katze“ stammt; auch und erst recht, weil Dominik Grafs Thriller - ein „heist movie“, wie das Untergenre gerne genannt wird, weil es von einem Raubüberfall handelt - damals ziemlich erfolgreich an der Kinokasse war und einen Bundesfilmpreis erhielt.

          „Die Katze“ landete in der Liste der erfolgreichsten Filme des Jahres 1988 auf Platz 13, nur vier deutsche Filme lagen vor ihr, immerhin mehr als 1,3 Millionen Zuschauer haben den Film damals im Kino gesehen. Was insofern ein wenig überrascht, als er sich neben „Ödipussi“, „Ich und Er“, „Man spricht Deutsh“ oder der Ballett-Romanze „Anna“ ausnimmt wie ein Außerirdischer; und ganz zu schweigen davon, dass zu den größeren Hits des Jahres auch Filme wie „Die Venusfalle“ gehörten oder die sogenannte Aufklärungsrolle „Als die Liebe laufen lernte“. „Die Katze“ war, wie letztlich auch ihr Protagonist, ein Einzelkämpfer: ein nahezu unwiederholt gebliebener Versuch, Anschluss an die internationalen Standards des Thrillergenres zu finden.

          Nicht gleich von „Werbeästhetik“ oder „Softporno“ sprechen

          Gegen die Übermacht der Komödien, gegen das Heitere und das Seichte, setzte Graf Härte, Klarheit und die Kraft des Genres. Und natürlich auch: ein Starkino, welches das Image der beiden Hauptdarsteller kapitalisierte - und zugleich auf den Kopf stellte. Götz George war als Schimanski, als Duisburger Anti-Kommissar im grauen Parka, der Fernsehheros der ausgehenden achtziger Jahre; und Gudrun Landgrebe kam als Luxus-Callgirl, als „Die flambierte Frau“.

          Doch die übergroße, getönte Brille, der Schnäuzer, der dunkle Anzug verwandelten den streunerhaften Kommissar in einen Strizzi, der ein gefährlicher Gangster ist. Und aus dem im Grunde seines Herzens biederen Callgirl mit der Sehnsucht nach einem bürgerlichen Leben wurde eine durchtriebene Frau, wie sie das Genre verlangt: eine Katze, die immer wieder auf die Füße fällt.

          George ist Probek, und dieser Probek plant ein großes Ding. Er hat ein Verhältnis mit Jutta (Gudrun Landgrebe), der Frau des Filialleiters, dessen Bank er überfallen will, und der Film führt das gleich in der Auftaktsequenz vor: zwei nackte Körper beim Sex, Gier, aggressive Leidenschaft, kurze Befriedigung, und bevor man sich darüber mokiert, wie damals geschehen, schaut man besser noch mal hin, statt reflexhaft von „Werbeästhetik“ oder „Softporno“ zu sprechen. Dieser Auftakt ist, was man im Englischen „setting the mood“ nennt.

          Stark und Schwach statt Gut und Böse

          Probek, im Hotel mit Blick auf die Bank stationiert und mit, für damalige Verhältnisse, sehr aufwendigem technischem Equipment ausgerüstet, überblickt das Areal wie ein Regisseur, dessen Inszenierung etwas anderes vorsieht, als er seinen Mitspielern gesagt hat. Wie Männer auf dem Weg zur Arbeit betreten die beiden Komplicen (Heinz Hoenig und Ralf Richter) morgens die Bank, mitten in der zerklüfteten Fußgängerzonen-Architektur Düsseldorfs. Doch Probek denkt weiter: Er hört den Polizeifunk ab, er benachrichtigt die Polizei, so dass der saubere, glatte Raub mit kurzfristiger Geiselnahme zum polizeilichen Großeinsatz und Belagerungszustand führt und sich der Preis, um den es geht, von den gerade mal 200.000 Mark im Tresor auf drei Millionen Lösegeld in kleinen Scheinen erhöht.

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