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Momente des deutschen Films (VII): „Solo Sunny“ : Ein bisschen Aufbruch

Ihr filmisches Hauptwerk: Renate Krößner erhielt für die Titelrolle in „Solo Sunny” den Silbernen Bären der Berlinale 1982 Bild: ddp images

Ohne den Erfolg bei der Berlinale wäre Konrad Wolfs Film „Solo Sunny“ 1982 wohl ganz schnell wieder aus den Kinos der DDR verschwunden. Das eigentlich Erstaunliche aber war: Der im Politbüro bestgelittene Filmregisseur des Landes schien plötzlich subversiv.

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          Gibt es eine deutsche Filmtradition der Nachkriegszeit? Die Kinoredaktion der F.A.Z. ist der Frage nachgegangen, wie zukunftsträchtig das deutsche Kino war und ist. (Siehe auch: F.A.Z.-Edition: Filme am Sonntag)

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Was war da nur in Konrad Wolf gefahren? Zwei Jahre vor seinem frühen Tod am 7. März 1982 wurde der prominenteste und auch im Politbüro bestgelittene Filmregisseur der DDR mit einem Mal scheinbar subversiv. Auf der Berlinale, wo sein Film „Solo Sunny“ im Februar 1980, einen Monat nach dem ostdeutschen Kinostart, am Wettbewerb teilnahm, rieb man sich die Augen und vergab den Silbernen Bären für die beste Darstellerin an die unglaubliche Renate Krößner in der Titelrolle.

          So konnte das bereits vernehmbar grummelnde Kulturministerium in Ost-Berlin nichts mehr machen: „Solo Sunny“ blieb als Erfolgnachweis sozialistischer Kinopolitik auf den Leinwänden der DDR und wurde zu einem Kultfilm, wie es seit Heiner Carows „Legende von Paul und Paula“ (1973) keinen mehr gegeben hatte - und bis 1989 auch keinen mehr geben sollte.

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          War es die Co-Regie von Wolfgang Kohlhaase, die erste Regiearbeit des bekannten Drehbuchautors, die Konrad Wolf so befreit hatte von der Linientreue und dem Pathos früherer Filme wie „Sterne“, „Der geteilte Himmel“ oder dem gigantomanischen 70-Millimeter-Werk „Goya“, mit dem er die siebziger Jahre eröffnet hatte, die er dann mit „Solo Sunny“ so ganz anders beschloss? Nein, entscheidend war eher eine Mitte der siebziger Jahre vom neuen stellvertretenden Kulturminister Klaus Höpcke erteilte Weisung an die Filmschaffenden, in ihren Werken mehr den Alltag der Bürger zu berücksichtigen - auch in seinen schwierigen Aspekten. Das wiederum war die Folge von Walter Ulbrichts Ablösung an der SED-Parteispitze durch Erich Honecker - man versprach sich damals in der DDR einen politischen Frühling, und Höpcke ließ sofort ein erstes laues Lüftchen durch die Studios wehen.

          Der ewige Künstlertraum vom Erfolg

          Konrad Wolf war parteitreu genug, um die Sache ernst zu nehmen, und er suchte nach einem passenden Drehbuch. Dazu wandte er sich an Kohlhaase, der ihm 1968 schon „Ich war neunzehn“ geschrieben hatte. Und Kohlhaase tat, was er am besten kann: auf die Ränder der Gesellschaft blicken. Und zu den Rändern in der DDR gehörte das Künstlermilieu, sofern es sich nicht auf dem politisierten Niveau eines Wolf abspielte. Dort spürte Kohlhaase mit Hilfe der Journalistin Jutta Voigt die Nachtclubsängerin Sanije Torka auf, deren Leben zum Vorbild für Ingrid Sommer werden sollte - jene Frau, die im Film dann als versteckte Hommage an Sanije Torka den Künstlernamen „Sunny“ trägt.

          Sie träumt den ewigen Künstlertraum vom Erfolg, hat es aber zu Beginn der Films nur zum Mitglied eines stehenden Programms namens „Kunterbunt und immer rund“ gebracht, das von einem schmierigen Conférencier in den Kulturhäusern der DDR-Provinz präsentiert wird. In der Truppe gibt es Reibereien und Frustration; der Standardsatz hinter den Kulissen lautet: „Man müsste ganz andere Musik machen.“ Dabei wird immerhin Englisch gesungen, und die Begleitband „Die Tornados“ spielt eine Art Jazzrock, an dem man schon die Auflösung der Kulturnormen in der DDR erkennen kann. Doch noch immer bleibt die Organisation von Kunst Staatsaufgabe.

          Sunny aber ist wild, eine Frau, die sich nicht um Normen schert und dadurch aneckt: im Hinterhofhaus in Prenzlauer Berg, wo sie wohnt, oder in der Künstlertruppe. Die Avancen des Saxophonisten weist sie zurück, gegen die herablassenden Ansagen des Conférenciers protestiert sie. Sie ist nicht als junge Frau aus der Produktion ausgestiegen, um nun als Sängerin genau dieselbe Gängelung zu erleben, aber mit einer solchen Einstellung macht sie sich keine Freunde.

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