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Moderatorinnen : Bitte nicht gleich beleidigt sein, Herr Minister

Wenn Blicke durchdringen: Ursula Heller Bild: F.A.Z.-Foto Jan Roeder

Politikerphrasen mit kleinen Überleitungssätzen sind für sie noch kein Gespräch. Ursula Heller zählt zu den erfrischenden Gestalten im deutschen Moderatorinnengewerbe. In der bayerischen Fernsehlandschaft sucht sie ihresgleichen.

          So einfach ist das beim Bayerischen Fernsehen nicht mit dem Dagegensein. Schon gar nicht, solche Widerstände laut zu artikulieren. Also muß man sich, wenn man sich als Moderatorin nicht mit der Rolle einer Ansagepuppe begnügen will, schon etwas einfallen lassen. Das gilt vor allem, wenn man sich wie im Falle Ursula Hellers vor lauter Elan, Neugier und Temperament nicht damit begnügen kann, Politikerphrasen mit kleinen Überleitungssätzen als Gespräch zu verkaufen.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Die natürliche Ausstrahlung kommt bei ihr im Wortsinn aus den Augen: Es ist die Kunst, mit strahlendem Blick dagegenzufragen, Politiker, Gewerkschafter und Experten zu entzaubern und zu vermenschlichen. Mit diesem hartnäckigen Charme zählt Ursula Heller zu den erfrischenden Gestalten im deutschen Moderatorinnengewerbe; in der bayerischen Fernsehlandschaft sucht sie ihresgleichen. Vielleicht liegt das Geheimnis dieses Erfolgs darin, daß Ursula Heller zur richtigen Zeit bereit war, aufzuhören, nein zu sagen. "Wurstegal" nennt sie solche Momente, in denen sie etwa beschloß, die Festanstellung beim Bayerischen Rundfunk aufzugeben und sich freiberuflich durchzuschlagen.

          Ein wilder Haufen, damals bei Bayern3

          1961 in Bergisch Gladbach geboren, war Ursula Heller früh entschlossen, ihr Heil im Süden zu suchen. Nach dem Studium der Germanistik, Geschichte und Philosophie in Freiburg, Cambridge und München hatte sie die Gelegenheit, zusammen mit neun anderen Studenten die Radiohelden Thomas Gottschalk und Günther Jauch redaktionell zu unterstützen. Ein wilder Haufen muß das gewesen sein, damals bei Bayern3, aber wegen Quotenerfolgs mit Narrenfreiheit ausgestattet. Die Truppe durfte experimentieren, und das tat sie auch nach Kräften.

          Von Günther Jauch schwärmt Ursula Heller noch heute: "Er war immer voller Respekt seinen Gesprächspartnern gegenüber, er hatte aber auch diese scheinbare Naivität." Dort habe sie gelernt, an ihre Grenzen zu gehen und diese auch regelmäßig zu überschreiten - Patzer, die ihr dann in der Manöverkritik um die Ohren gehauen wurden. "Ich war damals ein Sensibelchen, aber als ich anfing, war es für Frauen trotzdem wahnsinnig leicht." Es dauerte nicht lange, und in Freimann, beim Bayerischen Fernsehen, wurde man auf die quirlige Radiofrau vom Rundfunkplatz aufmerksam.

          Nicht in jedes redaktionelle Scharmützel verwickelt

          Das liegt jetzt fünfzehn Jahre zurück, daß sie beim "Rundschau Magazin" angefangen hat, aber Ursula Heller macht nicht den Eindruck, ihr Einsatzwille habe nachgelassen. Die Routine, die zum Beruf gehört, münzt sie um in Begeisterung. Jede dritte Woche ist Heller-Woche, zweimal im Monat moderiert sie im Wechsel mit Chefredakteur Sigmund Gottlieb die "Münchner Runde", die politische Talkshow des Bayerischen Rundfunks. Und dann gibt es noch das ARD-Magazin "W wie Wissen", das Ursula Heller in der ARD moderiert, über dessen Zukunft derzeit verhandelt wird.

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