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Mika Kaurismäkis neuer Film : Essen für die Seele im Kino

  • -Aktualisiert am

Egal wo auf der Welt, Liebe geht durch den Magen: Cheng (Chu Pak Hong) und Sirrka (Anna-Maija Tuokko) kommen sich näher. Bild: Marianna Films

Lappland ist ein anderes China: Mit „Master Cheng in Pohjanjoki“ präsentiert der Finne Mika Kaurismäki ein unterhaltsames Arthouse-Vergnügen nach französischer Rezeptur.

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          In der Bar von Sirkka im höheren Norden von Finnland ist jeden Tag Wursttag. Die immer gleichen älteren Herren namens Romppainen oder Vilppula stehen dann vor dem Büfett und hieven Kartoffelstampf auf ihre Teller sowie Fleischmehl in Haut und trüber Soße. Dazu trinken sie Bier, und das alles mit der resignativen Miene von Menschen, denen die Sorge um die eigene Gesundheit gleichgültig geworden ist. Sie scheinen auch wenig zu bemerken von der prächtigen Landschaft, die sie umgibt. Immerhin fällt ihnen noch gelegentlich auf, dass die Wirtin Sirkka eine sehr schöne Frau ist. Aber so richtig als Kandidat für sie kann sich wohl keiner verstehen. Es könnte nun einfach so weitergehen in dieser Welt, bis der lange Polarwinter wieder vor der Tür steht. Aber noch ist der Sommer groß, und warum sollte nicht auch das Dörfchen Pohjanjoki einmal etwas Besonderes erleben?

          Es kommt in Gestalt zweier Besucher aus China. Herr Cheng und sein Sohn Niu Niu entsteigen einem Bus, betreten die Sirkkan Bar und erkundigen sich nach einem Herrn Fongtron. Niemand hat von einem Menschen dieses Namens gehört, aber das mag auch damit zu tun haben, dass das Finnische für jemand aus Schanghai eine beträchtliche phonetische Herausforderung ist. Es dauert ungefähr bis zur Hälfte des Films „Master Cheng in Pohjanjoki“ von Mika Kaurismäki, bis sich dieses Rätsel löst. Da wurden schon alle möglichen Hypothesen in Erwägung gezogen, bis zu einer Druckmaschinenfirma in Tampere, aber die wäre ohnehin viel zu weit südlich. Es ist auch genau genommen gar nicht so wichtig, denn eine Geschichte, in der es darum geht, China und Lappland in einer Unwahrscheinlichkeitslotterie zusammenzubringen, darf sich ein paar verwegene Ideen leisten.

          Ein bewährtes dramaturgisches Prinzip

          Wichtig ist, dass sich mit Master Cheng der Speiseplan in der Bar von Sirkka ändert. Eigentlich handelt es sich bei dem Etablissement ja eher um ein klassisches Roadside Diner, wie man es aus Amerika kennt, wo ähnliche Präriemengen zur Verfügung stehen, durch die man auf einsamen Straßen dem Horizont entgegenfahren kann. Bei Sirkka tauchen neben den Stammkunden ab und zu Bohrarbeiter auf, denen jeder Wursttag einerlei ist, und überraschenderweise schon einen Tag nach Herr Cheng und Niu Niu eine Ladung Bustouristen aus dem Fernen Osten. Sie blicken sehr skeptisch auf das Büfett, und damit schlägt die Stunde einer kulinarischen Revolution in Pohjanjoki.

          Herr Cheng, der sich nun als der Master erweist, als der er im Filmtitel ausgewiesen ist, improvisiert für die Reisegruppe etwas mit Nudeln und Hähnchen, was (die passenderweise für eine Provinzbar überraschend professionell ausgestattete) Küche und (der nicht vorhandene) Keller eben so hergeben. Es wird der Tag mit dem besten Einnahmen, die die Sirkka Bar jemals zu verzeichnen hatte. Und weil Cheng ja immer noch auf der Suche nach Fongtron ist, nimmt er mit dem kleinen Niu Niu erst mal einfaches Quartier in Pohjanjoki und kocht fortan chinesisch in Finnland.

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