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Michael Moore : Mit der Wahrheit nimmt er es nicht so genau

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Sie war ein Fan, sie wurde stutzig: In ihrem Dokumentarfilm „Manufacturing Dissent“ weist Debbie Melnyk nach, wie ihr Kollege Michael Moore in seinen Filmen die Wahrheit manipuliert: Was nicht zu seiner These passt, schneidet er einfach heraus.

          Als Debbie Melnyk, eine Dokumentarfilmerin aus Toronto und erklärter Fan des amerikanischen Filmemachers Michael Moore, dessen Film „Bowling for Columbine“ über Amerikas paranoide Waffen-Kultur sah, ging ihr ein Licht auf. „An einer Stelle des Films heißt es, dass kein Mensch in Toronto seine Haustür verriegelt. Ich dachte mir: So ein Quatsch!“

          Dass sie ein paar Jahre später nicht nur ihre Zweifel bestätigt finden, sondern ihre Dokumentation über Moore zur Demontage eines gefeierten Idols geraten sollte, das ahnte sie damals nicht. Doch in Melnyks „Manufacturing Dissent“, der sich im Augenblick vom Geheimtipp kleiner Off-Filmfestivals zur dokumentarischen Sensation des Jahres mausert, wird ausgerechnet Hollywoods Lieblingsprovokateur und Vorreiter einer neuen, politischen Dokumentarfilmkultur der fehlenden Wahrheitsliebe überführt: Der Mann, der dem vermeintlich drögen Lehrfilm einen neuen Sexappeal verpasste, lügt.

          „Vielleicht hätten wir besser informiert sein sollen“

          Zwar haben in der Folge von Moores letztem Film „Fahrenheit 9/11“, einem vernichtenden Pamphlet über George W. Bush, Legionen von hastig produzierten Filmen und Büchern aus dem konservativen Lager den Dreiundfünfzigjährigen mit dem Vorwurf eklatanter Tatsachenverdrehung konfrontiert. Der Clou von „Manufacturing Dissent“ aber ist, dass sowohl Melnyk als auch ihr Koautor und Ehemann Rick Caine wie Moore selbst dem liberalen Spektrum entstammen und damit gegen den Verdacht politischer Blicktrübung immun sind. „Wir sind gute Linke“, sagt Rick Caine, „bisher sind wir mit einer Tüte Popcorn in den aktuellen Moore-Film gegangen, haben an den richtigen Stellen gelacht und sind an den richtigen Stellen sauer geworden. Denn wir wollten glauben, was Moore uns zeigt.“

          Der Star und seine Kritikerin: Michael Moore trifft Debbie Melnyk in „Manufacturing Dissent”

          Doch was als Biographie des erfolgreichsten Doku-Filmers Hollywoods geplant war, wurde dem Paar unversehens zur Enthüllungsstory. „Vielleicht hätten wir besser informiert sein sollen“, sagt Debbie Melnyk, „aber uns schockierte, wie viel wir entdeckten, wovon wir ebenso wenig wussten wie Moores Publikum.“

          Moore verschwieg ein Gespräch mit Roger Smith

          So baute Moore seinen Erstling „Roger and Me“ um seine angeblich erfolglosen Versuche herum auf, den General-Motors-Manager Roger Smith in einem Gespräch mit den sozial verheerenden Massenentlassungen des Konzerns in Moores Heimatstadt Flint zu konfrontieren. Wieder und wieder wird Moore von Sicherheitsleuten, Konzernsprechern und PR-Managern abgewiesen, eine Aktionärsversammlung, in die Moore sich schleicht, wird abgebrochen, als er ans Mikrofon tritt.

          Tatsächlich, so recherchierten Melnyk und Caine, stellte sich Smith nicht nur bei einer Aktionärsversammlung Moores Fragen, er gewährte ihm auch im New Yorker Waldorf Astoria Hotel ein fünfzehnminütiges Einzelgespräch. Doch dies verschweigt der Filmemacher. Es passt ja auch denkbar schlecht zum witzigen Filmplakat, das Moore mit einem Mikrofon vor einem leeren Chefsessel zeigt.

          Was nicht passt, wird passend gemacht

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