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Michael Gwisdek wird siebzig : Vom Tangospieler zum Alleskönner

Eine Figur des kollektiven filmischen Unterbewussten: Michael Gwisdek Bild: dpa

Vom Prototypen des DDR-Dissidenten bis hin zum nationalsozialistischen Admiral: Michael Gwisdek ist einer der großen Alleskönner des deutschen Films der Nachwendezeit.

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          Sein großer Moment kam in den späten achtziger Jahren. Da drehte er, nach einer zwanzigjährigen erfolgreichen Karriere als Theaterschauspieler in Chemnitz und Ostberlin, seinen ersten eigenen Film, das „Treffen in Travers“ mit Corinna Harfouch und Susanne Bormann, und wurde gleich damit nach Cannes eingeladen. Zugleich stand er für Hark Bohm in „Yasemin“, Heiner Carow in „Coming out“ und Frank Beyer in „Der Verdacht“ vor der Kamera. Und als die Mauer gefallen war, spielte er in Roland Gräfs „Tangospieler“ den prototypischen DDR-Dissidenten, den kleinen Mann, der durch Zufall in die Fänge seines Staates gerät und dann nicht mehr in seine frühere Verblendung zurückfindet. Man hätte meinen können, das neue gesamtdeutsche Kino habe auf einen Mann wie Michael Gwisdek gewartet.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Stattdessen ließ es Gwisdek warten. Er verkürzte sich die Zeit, indem er alles annahm, was er bekam, selten Haupt-, meistens Nebenrollen. Er war im „Tatort“ zu sehen, in „Derrick“, in „Rosa Roth“ und „Bella Block“, in „Good-bye, Lenin!“ und „Elementarteilchen“, er war ein Admiral in „Speer und Er“ und ein Geschäftsmann in „Nachtgestalten“ (für den er auf der Berlinale einen Schauspielerpreis gewann), er spielte Väter, Großväter, Pfarrer, Botschafter und Kommissare und wurde so allmählich zu einer Figur des kollektiven filmischen Unterbewussten. Er ist eine Type, eine Marke, ein Alleskönner und ein Rätsel. An diesem Samstag wird Michael Gwisdek siebzig Jahre alt.

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