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Michael Fassbender im Gespräch : Mein Deutsch ist am besten, wenn ich betrunken bin

  • Aktualisiert am

Großer Karrieresprung im Jahr 2011: Michael Fassbender Bild: dapd

Zwanzig Monate hat er ununterbrochen gedreht, jetzt ist Michael Fassbender der Schauspieler der Stunde. Ein Gespräch über Theater mit Tarantino, Faulheit und seine Rolle in „Jane Eyre“.

          Wenn die Mitglieder der Academy ernsthaft über einen Oscar für Michael Fassbender nachdenken sollten, dann müssen sie sich vor allem entscheiden, für welchen Film sie ihn denn nominieren wollen. Fassbender, 1977 in Heidelberg geboren und in Irland aufgewachsen, ist der Schauspieler des Jahres. Er war in den „X-Men“ dabei, erhielt in Venedig den Darstellerpreis (für die Rolle eines Sexsüchtigen in „Shame“), spielte für David Cronenberg C.G. Jung und jetzt in der erstaunlich frisch wirkenden Adaption von „Jane Eyre“ den Rochester. Seine erste große Kinorolle hatte Fassbender 2008 in „Hunger“, bekannt wurde er durch seinen Lieutenant Archie Hickox in Tarantinos „Inglourious Basterds“ (2009). Berühmt fühlt er sich noch nicht, nur etwas müde nach der Premierenparty vom Vorabend.

          * * *

          Sollen wir uns auf Deutsch oder Englisch unterhalten?

          Englisch wäre mir lieber.

          Aber Ihr Deutsch klingt doch gut. Man glaubt gar nicht, dass Sie es für die Rolle in „Inglourious Basterds“ aufpolieren mussten.

          Am besten spreche ich Deutsch, wenn ich etwas betrunken bin. Ich verstehe es sehr gut, aber trotz der Bemühungen meiner Großmutter ist es mit dem Sprechen nicht so toll. Meine Eltern haben versucht, mit mir Deutsch zu reden, nachdem wir nach Irland gezogen waren, aber ich war nicht sehr empfänglich. Wenn man woanders aufwächst, will man sich rasch anpassen, es wäre mir peinlich gewesen, Deutsch zu sprechen. Etwas mehr habe ich dann wieder gelernt, als wir über Satellitenfernsehen deutsche Filme gesehen haben.

          Im Filmgeschäft hilft einem Deutsch ja auch nicht weiter.

          Trotzdem bedauere ich es, nicht bilingual aufgewachsen zu sein. Ich mag den Klang und den Rhythmus anderer Sprachen. Insofern bin ich nicht gerade stolz darauf, so wenig Deutsch gelernt zu haben.

          Dafür können Sie stolz sein auf den Karrieresprung, den Sie in diesem Jahr gemacht haben. Sie waren C.G. Jung in „Eine dunkle Begierde“, ein Sexsüchtiger in „Shame“, Sie waren in „X-Men - Erste Entscheidung“ dabei und sind jetzt der Rochester in „Jane Eyre“. Was ist da passiert?

          Keine Ahnung, es passiert halt so. Ich hatte nach „Jonah Hex“ sechs Monate Pause, dann kamen auf einmal all die Angebote, Sie haben übrigens noch „Haywire“ von Soderbergh vergessen. So war ich auf einmal zwanzig Monate am Stück beschäftigt, und es waren alles Gelegenheiten, bei denen man nicht nein sagt.

          Und wie fühlt man sich mit dem neuen Starstatus?

          Es hat sich nicht wirklich etwas geändert. Mein Leben geht weiter wie bisher. Ich will so viel lernen wie möglich und mit den besten Regisseuren arbeiten. Alles andere ist nicht so wichtig.

          Aber es gibt doch mehr Freiheit bei der Wahl der Rollen - vor allem die Freiheit, nein zu sagen?

          Das stimmt! Es ist ein Privileg, nicht alles machen zu müssen. Nicht nur im Filmgeschäft ist das Klima momentan nicht gerade sehr angenehm, in der Rezession, die wir gerade durchleben. Es gibt weniger Jobs für weniger Schauspieler.

          Gibt es denn rückblickend so etwas wie ein Muster in Ihrer Entwicklung? Sie haben immer ziemlich regelmäßig gewechselt zwischen Mainstreamfilmen und eher unabhängigen Produktionen.

          Auch das hat sich eher so ergeben. Ich habe mir die Angebote angesehen, und als Zuschauer, als Fan, schätze ich eher Filme, die eine soziale Agenda haben, was aber nicht heißt, dass ich nicht gerne mal für neunzig Minuten einfach abtauche im Kino. Natürlich bringt es Macht und mehr Einfluss auf die eigene Karriere, wenn man einen Film wie „X-Men“ macht, der für Bekanntheit bei einem viel größeren Publikum sorgt als, sagen wir mal, „Hunger“.

          Sie haben ja früher auch Theater gespielt, unter anderem haben Sie eine Bühnenversion von Tarantinos „Reservoir Dogs“ produziert, Regie geführt und selber gespielt. Ist Tarantino dadurch auf Sie aufmerksam geworden?

          Er wusste es gar nicht vor meinem Casting-Termin, obwohl er ja sonst eigentlich alles weiß, was mit Film im weitesten Sinne zu tun hat. Er ist eine lebende Enzyklopädie. Ich habe ihm dann gesagt, den Erlös aus der Aufführung hätten wir für wohltätige Zwecke gespendet, woraufhin er entgegnete: „Das ist cool, wenn man aus meinem Scheiß nicht auch noch Geld machen will.“ Ihm hat, als Fan, der er ist, gefallen, dass selbst in einem kleinen irischen Ort Leute begeistert sind von dem, was er gemacht hat.

          Die Vielfalt Ihrer Rollen ist erstaunlich. Ist es das, warum man Sie verpflichtet, diese Wandelbarkeit?

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