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Michael Caine zum 80. : Offizier und Frauenmörder

Bild: dpa

Schon immer wollte Michael Caine Schauspieler werden. Als sich schließlich der Erfolg einstellte, musste er sich mit Whisky beruhigen - und mit vielen weiteren Rollen. Heute aber feiert er Geburtstag.

          Mit blonden Wimpern brauche man es beim Film gar nicht erst zu versuchen, denn die Augen seien das Wichtigste im Kino, und blond gerahmt sähe man sie nicht. Mit blonden Wimpern mache man besser Radio. Das sagte Michael Caine in einem Schauspielerworkshop als Erstes, und alle lachten, denn Michael Caine hat die blondesten Wimpern, die man sich vorstellen kann, und er hat es trotzdem geschafft, ein Weltstar zu werden. Zum Ritter geschlagen von Seiner Majestät, der Königin.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Er kam von ganz unten, sein Vater hat auf dem Fischmarkt Kisten geschleppt, und etwas Proletarisches hat der Sohn in seinen frühen Rollen durchaus an sich, ein fernes Echo älterer Haudegen wie Errol Flynn oder Burt Lancaster, bevor er unter Einsatz seines Cockney-Akzents verführerisch (als „Alfie“), später sehr gefährlich (bei Brian De Palma in „Dressed to Kill“) oder distinguiert, furchtlos und fürsorglich (in den „Batman“-Filmen von Christopher Nolan) wurde. Und dabei immer sehr britisch blieb, was ihn von den älteren Haudegen dann doch deutlich unterscheidet.

          Sir Michael Caine also, aus einem Arbeiterviertel im Süden Londons. Seit er sich erinnern kann, wollte er nie etwas anderes werden als Schauspieler, und wie das in England so geht, fing er damit beim Theater an. Erst als Mädchen für alles, dann in kleinsten Rollen in der Provinz, von denen niemand annehmen konnte, sie würden ihn irgendwann einmal auf die Filmsets von John Huston (“Der Mann, der König sein wollte“), Woody Allen (“Hannah und ihre Schwestern“) oder Oliver Stone (“The Hand“) führen. Aber so kam es, und in seiner Autobiographie hat Caine geschrieben, dass ihn das lange Zeit so nervös machte, dass er nach Drehschluss zwei Flaschen Whisky brauchte, um es auszuhalten.

          Mehr Humor, als die Rolle bereithält

          Nervös spielte er auch lange und oft in sehr schlechten Filmen, was ihn nie gekümmert hat. Dass er überhaupt die Chance hatte, eine solche Laufbahn hinzulegen, so hat er selbst mehr als einmal gesagt, dafür seien die swinging sixties verantwortlich gewesen, weil jetzt plötzlich Männer wie er auf der Bühne und im Film Figuren wurden, die nicht nur im Hintergrund standen. Aber seine erste große Filmrolle war dann gar kein Proletarier, sondern ein adeliger Offizier (“Zulu“ von Cyril Endfield, 1964), den Caine mit fast vollkommenem Desinteresse spielte. Ähnlich zurückgenommen, fast absurderweise, wirkt er in der grausamsten Rolle seiner Karriere, als er den Frauenmörder für Brian De Palma in „Dressed to Kill“ gab. Und damit umso unheimlicher wirkte.

          Zwei Oscars hat Michael Caine gewonnen, beide für die beste Nebenrolle: 1986 für „Hannah und ihre Schwestern“ und 1999 für „Gottes Werk und Teufels Beitrag“. Die Nebenrolle aber, für die ihn jetzt auch die Jüngsten erkennen, ist natürlich der Butler Alfred in Christopher Nolans „Batman“-Trilogie. Er ist wieder mal sehr britisch dort, wozu auch gehört, dass man ihm mehr Humor zutraut, als die Rolle bereithält, und ebenso viel Gefühl, wie er dort zeigen darf. Wahrscheinlich ist er ein Snob wie dieser Alfred - und wie bei jedem Schauspielstar sehen wir auch bei Caine in dieser späten Rolle andere Figuren vorbeihuschen, die er früher gespielt hat. Hier etwa den „Quiet American“ aus der Graham-Greene-Verfilmung von Phillip Noyce. Heute wird Michael Caine achtzig Jahre alt.

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