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Medien : Eine beispielhafte Lösung

Der Chef der WAZ: Bodo Hombach Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Essener WAZ-Konzern und der Generaldirektor der rumänischen Zeitung „Romania Libera“ haben ihren zuletzt heftig geführten Streit beigelegt. Die Lösung sei „vorbildlich“, so WAZ-Chef Bodo Hombach.

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          Es ist Donnerstag, der 16. Dezember, kurz vor zwei Uhr nachmittags. Bodo Hombach sitzt am Konferenztisch seines Büros, da reicht ihm die Sekretärin einen Handzettel herein. Die Absprache mit Adamescu sei so gut wie unter Dach und Fach, steht dort, Kleinigkeiten seien noch zu regeln, Telefonkonferenz um 14.30 Uhr: „Es werden Entscheidungen benötigt.“

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Es wird entschieden, schnell und relativ reibungslos, mit für diese Angelegenheit geradezu sensationell wenig Konflikt: Der Geschäftsmann Dan Grigore Adamescu übernimmt den einundzwanzigprozentigen Anteil des bisherigen Verwaltungsratschefs und Generaldirektors der „Romania Libera“, Petre Mihai Bacanu. Dieser tritt von seinen Ämtern zurück und bleibt - im Impressum vermerkt - Gründungsherausgeber und Autor der Zeitung mit dem besonderen Recht, einmal pro Woche einen Essay zu veröffentlichen. Und - ganz wichtig - er verpflichtet sich, jetzt kein Konkurrenzprodukt zur „Romania Libera“ auf den Markt zu bringen.

          Neun Millionen oder zwei

          Für seine Aktien hat Bacanu dem Vernehmen nach umgerechnet rund drei Millionen Euro erhalten. In den Gesprächen, die er über einen Verkauf seiner Anteile zuvor mit der WAZ geführt hatte und die gescheitert waren, hatte Bacanu neun Millionen Euro gefordert, zahlen wollte die WAZ aber nur zwei Millionen.

          Die Essener Zeitungsgruppe und ihr neuer rumänischer Partner Adamescu haben für die „Romania Libera“ eine gemeinsame Holding-Gesellschaft gebildet, an der die Partner nicht nach ihrem Aktienanteil im Verhältnis von 71,7 zu 21 Prozent, sondern fifty-fifty beteiligt sind. Es ist daran gedacht, aus dieser Holding heraus die „Romania Libera“ zum Kopf eines Regionalzeitungskomplexes zu machen, wie ihn die WAZ mit ihrem Flaggschiff „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“ in Nordrhein-Westfalen exemplarisch führt.

          Das Kernobjekt

          Das heißt, es soll in verschiedenen rumänischen Städten regionale Ausgaben der „Romania Libera“ geben, sie wird zum Kern aller Bemühungen der WAZ in Rumänien. Die Redaktion soll in ein neues Gebäude ziehen und technisch aufgerüstet werden. Sie logiert zur Zeit in recht heruntergekommenen Verhältnissen, Computer am Arbeitsplatz sind eher die Ausnahme als die Regel. Der Chefredakteur und die leitenden Angestellten der „Romania Libera“ sollen offenbar ihre Jobs behalten.

          In solchen Fragen und für alle publizistischen Belange hat Dan Grigore Adamescu, der früher einmal bereits Kleinaktionär der „Romania Libera“ war, das Sagen und sogar im Falle von Umstimmigkeiten eine Stichstimme. So sieht es der Vertrag vor, den die WAZ mit ihm abgeschlossen hat, in wirtschaftlichen Fragen haben sich hingegen die Essener die Federführung vorbehalten. Der WAZ-Geschäftsführer in Bukarest, Klaus Overbeck, den Petre Mihai Bacanu in der Vergangenheit heftig kritisiert hatte, wird vom Konzern nach Deutschland beordert. „In gegenseitigem Einvernehmen und Anerkenntnis seiner Leistung“, wie Bodo Hombach sagt.

          Es ist viel passiert

          Es ist also viel passiert seit Donnerstag, vieles zum Gefallen des ehemaligen Kanzleramtsministers und WAZ-Geschäftsführers Hombach, einiges zu seinem Mißbehagen. Pünktlich zu den entscheidenden Verhandlungsrunden war nämlich ein Zeitungsartikel erschienen, der die Frage aufwarf, ob sich die WAZ einmal Stasi-Recherchen über österreichische Verleger zunutzegemacht habe. Das hatte sie nicht, wie Hombach versichert und die „Berliner Zeitung“ auch selbst hernach in ihrer Berichterstattung anklingen ließ.

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