https://www.faz.net/-gqz-7v58q

Im Kino „Maze Runner“ : Ein Ausbildungsplatz im Knast

Kinder, das ist ja fast so sinnlos wie im Internet hier: Junge Leute auf dem Weg zum Erfolg Bild: dpa

Was wird aus Kindern, wenn man Erwachsenen nichts mehr glauben kann? Wes Balls Film „Maze Runner“ malt ein Bild gejagter Jugend und setzt dabei auf unverbrauchte, britische Gesichter.

          4 Min.

          Ein Käfig aus Metall hebt einen Jungen ohne Erinnerungen aus dunkler Vorgeschichte in eine unverständliche, streng abgezirkelte Welt. Der Junge findet sich auf einer Lichtung wieder, wo andere Jungen in einer Art Landkommune leben – mit Arbeitsteilung, festen Riten und krudem Glauben an vage Mächte.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Lichtung ist umstellt von einem hohen und weitläufigen Irrgarten mit eingeschränktem Zugang: Er öffnet sich morgens und schließt sich abends. Die Sportlichsten unter den Lichtungsleuten erkunden das Labyrinth täglich im Geschwindschritt. Wer nicht zurückkehrt, bevor es Nacht wird, kehrt nie zurück.

          „Kannst du mir irgendwas über dich erzählen? Wer du bist? Woher du kommst?“ Der Held aus dem Dunkel weiß nichts von sich – nur, dass er Thomas heißt, fällt ihm nach einer Weile ein. Die anderen kennen das, bei ihnen war es genauso. Dylan O’Brien spielt diesen Thomas, einen Zweifler an sich, den anderen und überhaupt allem, zunächst verwirrt und bedrückt, dann forscher – bald stößt er an Grenzen und inspiriert damit andere, diese Grenzen mit ihm anzugreifen. Selbst der Anführer der Knabenschar, Alby (Aml Ameen), zeigt sich beeindruckt, und der gemütliche Knirps Chuck (Blake Cooper) beginnt bald sogar, den Neuankömmling als gottgesandten Störer des faulen Friedens zu verehren. Nur ein paar Instinktkonservative bleiben reserviert.

          Überzeugende Schauspielerei

          Dass man diese Geschichte, die auf einem fünf Jahre alten, sehr erfolgreichen spekulativen Jugendroman von James Dashner gründet, dem Regisseur Wes Ball anvertraut hat, damit er einen Film daraus macht, dem sich Spektakelversionen der Folgebände anschließen sollen, das hätte auch ins Auge gehen können – der Mann hat sich bislang in der digitalen Spezialeffektabteilung getummelt und jedenfalls kein Ensemble dirigiert, scheint aber schnell verstanden zu haben, dass der „Maze Runner“-Stoff als Kinodrama vor allem auf überzeugende Schauspielerei angewiesen ist, weil es hier um nichts anderes geht als um Dominanz und Unterordnung, Abweichung („Du bist anders, du bist neugierig“) und Anpassung („Wenn du diesen Ort respektierst...“). Zwar gibt es in „Maze Runner“ außerdem ein paar erzhässliche Ungeheuer, die den handlungsbestimmenden halbwüchsigen Identifikationsangeboten auf mechanischen Stelzenbeinen hinterherstaksen, sie stechen und würgen wollen, aber mehr als die erzieherische Funktion, die im wirklichen Leben der Angst zukommt, ohne Ausbildung oder nach Abschluss derselben ohne betriebliche Übernahme ins soziale Abseits zu geraten, erfüllen die Biester nicht.

          Die Schauspielerei in „Maze Runner“ überzeugt tatsächlich. Ob man ernste Themen wie Krieg, Genozid, Flüchtlingselend oder, wie hier, das zunehmende Sozialisationsversagen selbst der reichsten Gesellschaften gegenüber ihren Halbwüchsigen als Genre-Abenteuer von plakativer Künstlichkeit inszenieren darf, ist ja keine moralische oder politische Frage, sondern, wie immer in der Kunst, eine der Wahrheit des ästhetischen Erlebnisses – wer’s darstellen kann, darf’s auch darstellen. Die Truppe, die für Wes Ball spielt, kann es.

          Weitere Themen

          2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie Video-Seite öffnen

          Bei Auktion : 2,9 Millionen für Mona-Lisa-Kopie

          Auf einer Versteigerung wurden 2,9 Millionen Euro für eine Kopie des Meisterwerks von Leonardo da Vinci gezahlt. Nach Angaben des Auktionshauses Christie's handelt es sich dabei um einen Rekordpreis für eine derartige Replik.

          Topmeldungen

          Was das alles kostet: Energieversorgung und Verkehr sind wegen der CO2-Bepreisung zuletzt teurer geworden.

          CO2-Preis : Beim Spritpreis hört der Spaß auf

          Klimaschutz ist ein Wahlkampfschlager, aber nur dann, wenn er möglichst wenig kostet. Wie lässt sich der CO2-Preis sozialverträglich erhöhen?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.