https://www.faz.net/-gqz-7v58q

Im Kino „Maze Runner“ : Ein Ausbildungsplatz im Knast

Seit Emma Watson und Daniel Radcliffe holt das Blockbuster-Kino bekanntlich seine frischesten und markantesten jüngeren Talente mit Vorliebe aus dem Vereinigten Königreich. „Maze Runner“ stellt uns drei besonders vielversprechende vor, die bislang eher im Fernsehen glänzen durften: Will Poulter stemmt sich mit beiden Schultern in die Rolle des körperlich starken, aber emotional unsicheren und deshalb autoritären Verhaltensmustern zugeneigten Gally. Kaya Scodelairio, die auch zum vorzüglichen Ensemble von „Skins“ gehörte, der besten Fernsehserie über Jugendliche, die das britische Fernsehen je ausgestrahlt hat, gibt das einzige Mädchen auf der Lichtung, Teresa – eine ebenso spröde wie impulsive, dabei kluge und empfindsame Figur, die auch dann nicht die Balance zwischen ihren einnehmenden Charakterzügen verliert, wenn sie vom Unbegreiflichen in die Enge getrieben wird.

Windungen und Wendungen

Das interessanteste Gesicht in „Maze Runner“ gehört dem vierundzwanzigjährigen Thomas Brodie-Sangster, der die Nebenrolle des Skeptikers Newt mit katzenhafter Intelligenz als dynamisch-unzuverlässiges Element im Gruppengeschehen anlegt, was seine kurzen Auftritte in „Maze Runner“, wie schon ähnliche zuvor bei „Game of Thrones“ oder „Doctor Who“, faszinierend mehrdeutig macht – alterslos kindlich, nüchtern unberechenbar: Derlei Schillern ist wichtig in einem Film, der zunächst ganz darauf aus zu sein scheint, durch eine Reihe von Windungen und Wendungen einen Durchbruch vorzubereiten, bei dem die jungen Gefangenen der wirklichen Beschaffenheit ihres Gefängnisses innewerden, auf dass diese Wahrheit sie befreie.

Das ist eine feste Erzählstruktur in der Science-Fiction: Die Menschen, die in Harlan Ellisons „Phoenix without Ashes“ (1973) lernen müssen, dass sie nicht auf einem Planeten, sondern in einem Generationenraumschiff leben, oder die waghalsigen Pilotinnen und Piloten, die in der großartigen japanischen Zeichentrickserie „Last Exile“ (2003) ihre Welt schließlich als gigantisches Stundenglas von außen sehen dürfen, sind nur die schönsten unter unzähligen Beispielen.

Wes Balls „Maze Runner“ aber will nur scheinbar Vergleichbares leisten und enthüllt im Finale zunächst eine eher konfuse, verschiedene apokalyptische Motive recht gewaltsam zusammenzwingende Auflösung, in der die erfahrene Patricia Clarkson, der ein erläuternder Monolog zufällt, ziemlich sinnlos herumsteht. Das schadet jedoch nicht – denn der Film hat, wie das Buch, eine andere, wichtigere Pointe, die den Schlussoffenbarungen der klassischen Perspektivwechsel-Science-Fiction zwar nah verwandt ist, sich von ihnen aber in einem grundlegenden Punkt unterscheidet: Sie sieht den Zugang zur Erklärung des Zwecks der Gefangenschaft einerseits und die Befreiung andererseits nicht als ein und dieselbe Sache. Wer hier raus will, muss tiefer rein. Der Blick des Publikums wird damit, wenn er gerade glaubt, alles durchschaut zu haben, abermals abgelenkt und getäuscht. So erkennt er sich als flüchtig in jedem Sinn des Wortes. Das Gehetzte ist nicht frei, auch dann nicht, wenn es ausbricht – sondern nur ein Gefangenes, dem die Wärter Beine gemacht haben.

Weitere Themen

Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet Video-Seite öffnen

Unesco-Welterbe : Drei deutsche Kurstädte ausgezeichnet

Die deutschen Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden – neben Kurstädten in weiteren Ländern Europas. Auch die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt schaffte es neu auf die Liste.

Topmeldungen

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.