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„Max Beckmann - Departure“ im Kino : Bildfindungsschwierigkeit für Kinobesucher

  • -Aktualisiert am

Max Beckmann 1947 vor einem seiner Triptychen in New York. Bild: Piffl Medien

In Michael Trabitzschs Film über den deutschen Maler Max Beckmann lernt der Zuschauer einiges. Doch wirklich mitgerissen wird er nie.

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          Warum sollte man sich einen Dokumentarfilm über den deutschen Maler Max Beckmann ansehen? Weil ein Film, das ist das Versprechen, auf anschauliche und spannende Weise durch das Werk des Künstlers führen kann, zu den vielen Gemälden, die über deutsche und amerikanische Sammlungen verstreut sind.

          Wer weder die Zeit noch das Geld hat, um alle im Original aufzusuchen, der kann sie sich immerhin im Film ansehen, auf der Kinoleinwand in beeindruckender Größe. Und wer noch dazu keine Zeit hat, ein Buch über Beckmann zu lesen, der hofft in neunzig Minuten vielleicht trotzdem einen Eindruck davon zu erhalten, was Beckmann bedeutend macht, wie er lebte, wie er arbeitete, was ihn umtrieb.

          Reise zu den Hauptwerken

          Was macht der Regisseur Michael Trabitzsch daraus? „Max Beckmann - Departure“ ist zunächst eine Reise zu den Hauptwerken in den Museen von München bis Minneapolis. Der Film hält sich an die Chronologie der Bilder: Er beginnt mit Beckmanns frühem Werk „Junge Männer“, einer Strandszene aus dem Jahr 1905, für das der Zweiundzwanzigjährige bereits den Ersten Ausstellungspreis der Berliner Secession erhielt und ein Stipendium in der Villa Romana in Florenz. Der Film endet mit dem Triptychon „Argonauten“, das Beckmann am 26. Dezember 1950 in Amerika fertigstellte; am Tag darauf starb er an einem Herzinfarkt.

          Der Zuschauer reist also in zahlreiche Museen, eine Stimme aus dem Off liest aus Briefen und den Tagebüchern vor, dazwischen gibt es historisches Filmmaterial, aus Varietétheatern oder aus dem Krieg - und auch solches, auf dem Beckmann selbst zu sehen ist. Dieses Versprechen erfüllt der Film: Es ist eine Art Crashkurs in Sachen Beckmann. Man erfährt vom frühen Ehrgeiz des Künstlers, davon, dass er 1914 nicht in die Kriegsbegeisterung einfiel und stattdessen als Freiwilliger im Sanitätsdienst arbeitete; angesichts der Gewalt erlitt er einen vollständigen Zusammenbruch. Danach, so zeigt der Film, fand er zu seinem Stil, zu den knalligen Farben und rußigen Linien.

          Vorausahnungen im Rückblick

          Und so geht es weiter: Vom Expressionismus hielt Beckmann nichts, er entwickelte seine eigene Metaphorik, eine von Akrobaten, Seiltänzern, Schaustellern bevölkerte Bühne. Nach großen Erfolgen in der Weimarer Republik floh er 1937 vor den Nationalsozialisten ins Exil nach Amsterdam. Als der Krieg vorbei war, wanderte er nach Amerika aus, wo er begeistert aufgenommen wurde.

          Das ist die Geschichte - aber ist das auch ein Film? Dass auch ein Film eine Eigenlogik haben muss, scheint den Regisseur in diesem Fall nicht wirklich bekümmert zu haben. Ein tragendes Element des Films sind Szenen, in denen bekannte Kunsthistoriker Gemälde interpretieren: als Vorausahnung des Nationalsozialismus etwa (Uwe M. Schneede, der ehemalige Direktor der Hamburger Kunsthalle), als Allegorie der künstlerischen Schaffenskraft (Didier Ottinger, der Chefkurator des Centre Pompidou) oder als verrätseltes Gleichnis, das immer wieder neue Deutungen herausfordert (Ann Temkin, die Chefkuratorin des Museums of Modern Art in New York).

          Dramaturgisch heißt das: Bei jedem Bild erfährt der Zuschauer aufs Neue, warum es sich um ein absolutes Meisterwerk handelt. Und Bild für Bild haben die Kunsthistoriker sogar recht. Nur: Das Ganze hat dadurch den Spannungsbogen einer Beerdigungsfeier, auf der ein Redner nach dem anderen den Verstorbenen erwartungsgemäß lobt. Der Film hat keine Frage, kein Geheimnis, keinen Wendepunkt. Kurzum: Er hat keine eigene Logik, er darf nur illustrieren. Sicher, der Zuschauer kann hier einiges über Beckmann lernen. Aber mitgerissen wird er nie.

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