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Matt Damon im Interview : Bourne? Ein Hundert-Millionen-Studentenfilm

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Nur Paul Greengrass, der Regisseur des „Bourne Ultimatum“, wusste genau, was er tat. Sein Star Matt Damon dagegen hatte meistens keine Ahnung, was sie da eigentlich drehten. Ein Interview über Frust und Befriedigung eines Schauspielers.

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          Nur Paul Greengrass, der Regisseur des „Bourne Ultimatum“, wusste genau, was er tat. Sein Star Matt Damon dagegen hatte meistens keine Ahnung, was sie da eigentlich drehten. Ein Interview über Frust und Befriedigung eines Schauspielers.

          Wenn man Sie bei den Dreharbeiten zu Martin Scorseses Film „The Departed“ beobachtete und später den Film im Kino sah, konnte man trotz des rasanten Schnitts ziemlich genau wiedererkennen, was man damals beim Entstehen des Films gesehen hatte. Bei „The Bourne Ultimatum“ wäre das vermutlich anders. Hatten Sie, als Sie drehten, irgendeine Ahnung, was Sie da eigentlich drehten und wie der fertige Film einmal aussehen würde?

          Na ja, wie der Film im Großen und Ganzen aussehen würde und was für eine Ästhetik das sein würde, das wussten wir schon: Er würde eben ähnlich aussehen wie „The Bourne Supremacy“. Aber es gab viele Tage, an denen ich nicht hätte sagen können, an welcher Stelle des Films wir eigentlich sind, wohin ich gerade gehe oder woher ich komme, was ich hier tue, was ich dort will.

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          Aber irgendetwas muss Ihnen Paul Greengrass, der Regisseur, doch gesagt haben, womit Sie arbeiten konnten?

          Paul Greengrass sagte: Du gehst da- oder dorthin, und dann läufst du einfach mit der größtmöglichen Intensität von A nach B. Auf diese Weise haben wir viele Tage Arbeit hinter uns gebracht. Wenn man den Film heute anschaut, sieht alles völlig kohärent aus, aber das zusammenzubekommen war sehr harte Arbeit. Ich hatte zwar eine ungefähre, allgemeine Idee davon, was in einer Szene passierte, die gerade dran war, aber dann mussten wir diese Szene an verschiedenen Orten aus verschiedenen Winkeln immer wieder filmen, ohne zu wissen, wo sie hingehört. Zum Beispiel wusste ich, dass ich eine Szene mit Joan Allen haben würde, abgesehen von der am Telefon aus dem zweiten Teil, die wir im dritten wiederholt haben. Wir haben einige Szenen gefilmt, und am Ende gibt es ja wirklich einen kurzen Moment mit uns beiden zusammen. Aber es war schon komisch: Wir wussten nur, dass es eine solche Szene geben musste, aber nicht, wo sie hingehört und wie sie aussehen würde. Eigentlich ist „The Bourne Ultimatum“ ein Hundert-Millionen-Dollar-Studentenfilm. Wirklich.

          Ist das nicht immens schwierig: Sie spielen eine Figur, die nicht weiß, wer sie ist. Sie drehen mit einem Regisseur, der Ihnen nicht sagen kann, in welcher Szene Sie gerade unterwegs sind, woher Sie kommen oder wohin Sie gehen, warum Sie gerade tun, was Sie tun, oder in welchem Kontext?

          Tatsächlich ist das der schwierigste Film, den ich je gedreht habe. Wir mussten uns überlegen, was wir eigentlich wollen. Im ersten Teil der Trilogie versucht Bourne herauszufinden, wer er ist. Im zweiten rächt er den Mord an seiner Freundin. Wir konnten ihn im dritten Teil nicht wieder gegen einen äußeren Feind kämpfen lassen, das hatten wir ja schon im zweiten. Was also treibt ihn an? Wir mussten etwas finden, das ihn an den Anfang zurückführt, etwas, das mit seiner Identitätssuche zu tun hat. Und das ist so ziemlich alles, was ich wusste. Ich kannte keine Details. Ich wusste nur ganz allgemein, dass ich auf der Suche nach dem Mann war, der Bourne zu einer Killermaschine gemacht hatte. Aber ich wusste nicht, ob das bedeutet, dass ich nach Paris gehe und einen Waffenhändler treffe, was wir gedreht haben, zweimal sogar mit zwei verschiedenen Schauspielern und an zwei verschiedenen Orten, aber dann nicht verwendet haben. Heute hat der Film eine ganz geradlinige, viel direktere Handlung als die anderen, der man leicht folgen kann. Aber dorthin zu kommen war extrem schwierig.

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