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Schauspielerin Marie Versini : Für immer Nscho-tschi

Idol einer Generation: Marie Versini in „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ von 1966 Bild: Allstar/Rialto

Sie trat in mehr als zwanzig Filmen auf, aber ihre Rolle in „Winnetou 1“ wurde ihr zum Schicksal. Als Häuptlingstochter Nscho-tschi bezauberte sie eine ganze Generation. Jetzt ist Marie Versini einundachtzigjährig gestorben.

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          „Ich war Winnetous Schwester“ heißt ihre Autobiographie, und damit hat Marie Versini in vier Worten ihre Karriere zusammengefasst. In Paris geboren und am Conservatoire als Schauspielerin ausgebildet, stand sie schon mit achtzehn Jahren neben Dirk Bogarde in einer Verfilmung von Di­ckens’ „Tale of Two Cities“ vor der Kamera. Dann aber ging sie nach Deutschland, und als Horst Wendlandt, der Produzent der Winnetou-Filme, sie in Rolf Thieles Kostümkomödie „Das schwarz-weiß-rote Himmelbett“ als Partnerin von Thomas Fritsch entdeckte, gab er ihr die Rolle, die ihr Le­ben prägen sollte.

          Andreas Kilb
          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Als Apachin Nscho-tschi in „Winnetou 1“ wurde Versini zum Vorbild einer ganzen Generation von Mädchen und zum Jun­gen­schwarm der sechziger Jahre. Neben Pierre Brice als Winnetou und Lex Barker als Old Shatterhand gab sie das unverdorbene, keusch glühende Naturkind, das sich seiner Neigung zu dem weißen Fremdling allmählich bewusst wird. All ihren „wilden, ungezügelten und in gewisser Weise 'schamlosen' Trieben“ habe sie freien Lauf gelassen, schrieb Marie Versini in ihrer Autobiographie.

          Sie trat in vier weiteren Karl-May-Filmen auf

          Der Ruhm, den ihr die Rolle der Nscho-tschi verschaffte, wurde nur dadurch getrübt, dass die Schwester des Apachenhäuptlings am Ende des Films durch Mörderhand sterben musste. Ihre Wiederkehr aus dem Reich der Leinwandtoten in „Winnetou und sein Freund Old Firehand“ war danach nur eine Frage der Zeit. Zwar trat sie im gleichen Jahr 1966 auch als Résistance-Kämpferin neben Jean-Paul Belmondo in René Cléments „Brennt Paris?“ auf, aber ihre schauspielerische Laufbahn stand weiter im Bann des kriselnden deutschen Kinos. Außer in den beiden Winnetou-Epen war sie noch in drei weiteren Karl-May-Verfilmungen aus der Kara-ben-Nemsi-Serie zu sehen, „Der Schut“ (1964), „Durchs wilde Kurdistan“ und „Im Reiche des silbernen Löwen“ (beide 1965). In dem Thriller „Die 13 Sklavinnen des Dr. Fu Man Chu“ spielte sie die Tochter eines entführten Wissenschaftlers, und in der Spionageschnulze „Liebesnächte in der Taiga“ verkörperte sie eine russische Polizeikommissarin, die sich in einen amerikanischen Agenten verliebt.

          Danach ging das Karriereglück der Marie Versini zur Neige. In der BBC-Krimiserie „Paul Temple“ hatte sie einen Gastauftritt, und in den siebziger Jahren war sie gelegentlich in deutschen Fernsehfilmen zu sehen. Nach 1979 zog sie sich mit ihrem Mann, dem Schriftsteller und Regisseur Pierre Viallet, in ihr Haus auf der Île de Ré zurück. Bei zwei Romanen Viallets firmierte sie als Ko-Autorin. 2014 holte sie der Regisseur Philipp Stölzl für seinen Nostalgie-Dreiteiler „Winnetou - Der Mythos lebt“ ein letztes Mal vor die Kamera. Jetzt ist Marie Versini einundachtzigjährig in dem kleinen Ort Guingamp in der Bretagne gestorben.

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