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Marianne Koch wird 90 : Ein inneres Leuchten und der Zauber der Unwiderstehlichkeit

Marianne Koch, 1956 Bild: bpk

Ihre Schönheit ist Gnade und Herausforderung, ihr Leben eine große Selbstbehauptung. Marianne Koch, Schauspielerin, Ärztin, Autorin, wird 90.

          2 Min.

          Große Schönheit ist vielleicht eine Gnade, ganz bestimmt aber eine Herausforderung und manchmal eine Lebensgefahr – und wie gut und tapfer die schöne Marianne Koch das alles bestanden hat: Das offenbart sich, zum Beispiel, dem naturgemäß retrospektiven Blick auf einen vergessenen amerikanischen Thriller, in dem sie nur eine Nebenrolle spielt. „Night People“ heißt der Film von 1954, und wenn er anfängt, steht Marianne Koch auf dem Kurfürstendamm vor einem Filmplakat, das für das Drama „Niagara“ wirbt: Marilyn Monroe steht da, blond, in einer roten Bluse; es war ihre erste große Rolle. Davor Marianne Koch, dunkelhaarig, in einer weißen Bluse – zwei sehr schöne Frauen in einem Bild. Marilyn Monroe, die nur fünf Jahre Ältere, starb, auch an ihrer Schönheit, vor 59 Jahren. Marianne Koch wird heute neunzig Jahre alt.

          Claudius Seidl
          Redakteur im Feuilleton.

          Sie war, als alles anfing, wie Marilyn ein Mädchen, das vaterlos aufwuchs und möglichst schnell etwas werden wollte. Sie studierte Medizin, sie wohnte im Münchner Vorort Geiselgasteig, gleich neben den Filmstudios, wo sie in den Semesterferien im Kopierwerk arbeitete. Und sie wurde entdeckt, weil anscheinend jemand sah, dass auch sie nicht nur eine Schönheit war, sondern dass sie etwas hatte, eine Präsenz, ein inneres Leuchten, eine Art, sich zu bewegen, die in der Verbindung mit der Emulsion des Films den Zauber der Unwiderstehlichkeit wirken ließen. Dass sie weder Schauspiel- noch Sprechunterricht genommen hatte, spielte da kaum eine Rolle.

          Mit Blicken die Seele berühren

          Man kann diese Wirkung noch immer spüren in Helmut Käutners „Ludwig II.“ (der leider hinter Luchino Viscontis Version der gleichen Geschichte ein wenig verblasst ist in der Erinnerung). Marianne Koch spielt die Prinzessin Sophie in Bayern, Ludwigs Verlobte, Sisis kleine Schwester, eine junge Frau, die an den Grenzen ihrer Rolle zerrt – und neben O. W. Fischer und Ruth Leuwerik, deren Glamour hier aus Wachs ist, bestenfalls aus Porzellan, scheint Marianne Koch sich in einem anderen Aggregatzustand zu bewegen, sinnlicher und zugleich so transparent, dass man meint, man könne mit Blicken ihre Seele berühren.

          Man muss die Filme jener Zeit gegen die Intentionen ihrer Schöpfer betrachten, dann sieht man, beispielsweise, in dem Film „Die Landärztin“ (in dem sie spielt, was sie später wurde), wie darin die Ablehnung, ja der Hass der alten Männer nicht nur der Frau gilt und der Schönheit, die sie unerreichbar macht. Es ist ihre Jugend, die Gnade der späten Geburt: Jahrgang 1931, Tochter des jüdischen Arztes Rudolf Schindler, der nach Amerika entkam. Die Männer fürchten nichts so sehr wie die Frage, wo sie waren, vor 15 Jahren.

          Man glaubt ihr jedes Wort

          Der Filmemacherin Evelyn Schels hat sie neulich erzählt, dass sie die Rolle in „Für eine Handvoll Dollar“ nicht annehmen wollte: zuviel Gemetzel, und der Held sei ja der schlimmste von allen. Sie hat es, wie wir wissen, doch getan; ihr Name stand genauso groß im Vorspann wie der von Clint Eastwood.

          Sie war kaum vierzig, als sie ein ganz neues Leben anfing. Sie schloss ihr Medizinstudium ab, eröffnete eine internistische Praxis. Und tat sich mit dem Schriftsteller Peter Hamm zusammen. Wer in München gelegentlich Theaterpremieren besuchte, dem mussten die beiden gleich auffallen; ein schönes Paar, und im Lächeln Marianne Kochs entdeckte man keinen Hauch des Bedauerns darüber, dass sie die Seiten gewechselt hatte. Und als sie, mit 68, die Kassenzulassung abgeben musste, fing sie an, Bücher zu schreiben, populärmedizinische Werke übers gute Leben und das bessere Altern. Man glaubt Frau Dr. Koch, wenn man sie nur vor Augen hat, jedes Wort.

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