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Marianne Hoppe : Knäbin, Königin, Knacksdame

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Zentralfigur der Zeitgeschichte: Die Karriere der legendären Schauspielerin Marianne Hoppe überspannte die Weimarer Republik, das „Dritte Reich“, die Bundesrepublik. Das Theatermuseum in München hat diesen Bogen raus.

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          Den Anfang macht das Ende: Eine Figurine, gesichtslos, bekrönt, empfängt die Besucher im Münchner Theatermuseum am Hofgarten. Von den Schultern fällt, halb Mantel, halb Umhang, ein weicher Wollstoff, dessen Orange gegen ein schwarzgraues Trikot und weite gleichfarbene Hosen flammt. Man erinnert sich sofort: Marianne Hoppe, einundachtzigjährig, in ihrer letzten Riesenrolle als Lear. Bob Wilsons Frankfurter Inszenierung von 1989 unterwarf die Tragödie dem Hang des Regisseurs zu autistischer Stilisierung, Posen und Lichteffekten. Auch für Marianne Hoppe, sonst eine geradezu fanatisch werktreue Spielerin, schien die Handlung nur Beiwerk. Was ihren Lear trotzdem erschütternd machte, waren die Monologe des alten Königs, die sie als quälendes bohrendes Nachdenken über menschliches Wesen sprach.

          Seit je war die Hoppe auf der Bühne das personifizierte Wort, schien, wie es in München zahllose Kritiken und Rollenfotos bezeugen, selbst im Spielrausch dem Gesagten nachzusinnen. Das ermöglichte es schon 1931 der Anfängerin, in Frankfurts Neuem Theater um 20 Uhr eine unschuldige Wendla in Wedekinds „Frühlings Erwachen“ zu sein und um Mitternacht die verderbte Diseuse des Kabaretts „Porza“; so wie sie in ihren reiferen Jahren mühelos den Bogen zwischen Ionescos versteinerter Königin Margarete, der mütterlichen Margarete von Parma Schillers und Eugéne Scribes abgebrühter Herzogin von Marlborough bewältigte.

          Das helle saubere Herz

          Ein Glückwunschtelegramm, das Gustaf Gründgens ihr 1941 zur Premiere von Schillers „Turandot“ sandte, gibt der Ausstellung den Titel: „Erst Schönheit, dann Klugheit und dann das helle saubere Herz“. Der Satz bringt auf den Punkt, was die Hoppe zum Idol hatte werden lassen: Ihre Schönheit, das zeigt in München vor allem das wunderbare, im Stil der Neuen Sachlichkeit gemalte Porträt des Malers Werner Fechner von 1927, hatte androgyne Züge. Der Weimarer Republik war sie der Inbegriff der faszinierenden „Knäbin“, mit der sie sogar noch in den Anfangsjahren des „Dritten Reichs“ mit dem Film „Schwarzer Jäger Johanna“ (1934) zum Filmstar avancierte. Den endgültigen Durchbruch aber erreichte sie, als es im selben Jahr nur minimaler Retuschen bedurfte, um sie als Elke Volkerts in der Verfilmung des „Schimmelreiters“ zum Ideal des sauberen blonden Mädels zu stilisieren.

          „Endstation Sehnsucht” (1949/50) in Berlin am Schlosspark-Theater

          Obwohl die Schauspielerin bald darauf am Berliner Staatstheater als „amazonisch-kriegerische“ Jungfrau von Orleans erschütterte, unter Gründgens in der Fontane-Verfilmung „Der Schritt vom Wege“ eine zwiegesichtige Effi Briest bot oder 1943 in Sudermanns „Johannisfeuer“ als verkniffene Magd Marikke brillierte, die für eine Triebnacht ihren Begierden freien Lauf lässt - Marianne Hoppes Ruhm ging auf in der Gloriole des Arierwahns.

          Was die frühen Jahre angeht, so lassen verblasste Fotografien und ausgebleichte Plakate das Charisma der Schauspielerin allenfalls ahnen. Fassbar wird es erst, wenn es um ihren Aufstieg zum Filmstar geht: Monitore, auf denen man Ausschnitte einiger ihrer berühmten Filme sehen kann, vergegenwärtigen die eigenartige Mischung aus Verhaltenheit und Präsenz, mit der sie das Publikum fesselte. Das gilt erst recht für die großen Bühnenrollen ihrer späteren Jahre.

          Zentralfigur der Zeitgeschichte

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