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Maria Schell : Der Weltstar von der Kärntner Alm

  • Aktualisiert am

Maximilian und Maria Schell Bild: dpa

Die Frau, die gut sein wollte: Maria Schell war weit mehr als nur das „Seelchen“ des deutschen Kinos. Ihr Bruder Maximilian Schell spricht über Maria und die soeben eröffnete Ausstellung im Deutschen Filmmuseum Frankfurt.

          6 Min.

          Ein Weltstar von der Kärntner Alm: Das Deutsche Filmmuseum Frankfurt zeichnet in einer aufwendigen Ausstellung Leben und Werk der Schweizer Schauspielerin Maria Schell (1926 bis 2005) nach. Ihr Bruder Maximilian hat dafür ein Jahr nach dem Tod der Schwester deren umfangreichen Nachlass zur Verfügung gestellt: Hunderte von Fotografien dokumentieren Schells Weltkarriere, handschriftliche Notizen in Drehbüchern zeigen, mit welcher Radikalität sie sich in ihren jeweiligen Rollen „verströmte“, in René Clements „Gervaise“, Viscontis „Weiße Nächte“ oder „Brüder Karamasov“ von Richard Brooks. Zu zeigen, dass Maria Schell mehr als das „Seelchen“ war, als das sie im deutschen Nachkriegskino vermarktet wurde, liegt nicht nur Schells Familie am Herzen, die die Eröffnung zu einem regelrechten Familientreffen nutzte. Die üppig gestaltete Schau, in deren Begleitprogramm auch noch einmal die Filmreihe „Traumfrauen der Fünfziger“ laufen wird, ist bis zum 17. Juni zu sehen. Bruder Maximilian (geboren 1930) hat 2002 den Film „Meine Schwester Maria“ gedreht. Zwischen Zitroneneis, Opernbesuch und klingelnden Telefonen sprach er nun über den Mythos Maria Schell.

          Sie leben heute in Wien - und mehrere Monate auf dieser legendären Alm. Wie ist es heute dort? Ihre Schwester hat ja da ein Haus gebaut?

          Das hat sie sehr gut gemacht - es passt zu dem Bauernhaus. Und die Hütte, in der ich jetzt lebe, war ja früher die Badstubn. Die musste laut Kaiserin Maria Theresia hundert Meter vom Haupthaus entfernt sein. Mein Urgroßvater, der war Polizeipräsident in Wien, hat die Jagd gepachtet bis zur steirischen Grenze. Der hat das gemietet, dann gekauft. Da ist alles voll Tradition. Voll von diesem im Grunde großartigen österreichischen Kulturadel. Das finde ich auch sehr schön. Besser als Proleten.

          Maximilian und Maria Schell Bilderstrecke
          Maria Schell : Der Weltstar von der Kärntner Alm

          Ist es nun verwaist da oben?

          Immer wenn jemand stirbt, hinterlässt er eine Leere, vor allem, wenn man sich gut verstanden hat. Der Tod ist ja auch so etwas Merkwürdiges. Er hat was Endgültiges für die, die zurückbleiben. Aber ob es so endgültig ist? Keiner weiß, wie es nach dem Tod aussieht.

          Aber mit so einer Ausstellung wird die Leere ja in gewisser Weise auch gefüllt.

          Oliver, mein Neffe, hat das meiste gemacht. Ich hab' den Nachlass einfach zur Verfügung gestellt.

          Wie ist diese Schau für Sie persönlich?

          Ich kenn' das ja alles. Ob das da oben im Haus ist oder jetzt in sehr liebevoller Weise ausgestellt wird - für mich ist's ja nichts Neues. Obwohl ... Goethe hat ja mal gesagt, dass seine Werke Bruchstücke einer großen Konfession sind. Ich würde sagen, das ist auch ein schöner Ausdruck für eine solche Ausstellung. Ich habe das ja alles irgendwie miterlebt, von Jugend an. Ich hab miterlebt, wie die Maria eine echte Schauspielerin geworden ist, die mehr wusste, als nur das Talent zu haben.

          Wann ist sie das geworden?

          Bei der „Letzten Brücke“, meiner Ansicht nach. Sie hat unheimlich stark gearbeitet. Sie war sehr beeindruckend - soweit man das von einer Schwester sagen kann. Und ihre Psychogramme einer Rolle sind erstaunlich. Was sie alles für sich entworfen und ausgedacht hat! Als sie die „Ratten“ spielte, das war ganz ungewöhnlich. Oder als sie die Gervaise spielte, das war fabelhaft. Das ist auch gegen den Strom gewesen. In Deutschland kam der Film überhaupt nicht an. Aber Zola würde hier auch nicht ankommen. Courts-Mahler vielleicht. Gehen Sie mal auf die Straße und fragen die Leute, wer Zola ist.

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