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„Ein königlicher Tausch“ im Kino : Prinzessin, wechsel dich

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Frankreich im Jahr 1721: Eine königliche Doppelhochzeit soll den Frieden mit Spanien und in Europa besiegeln. Ob das alle Beteiligten freut? Filmszene aus „Ein königlicher Tausch“ Bild: Alamode Film

Paarpolitiken vor dem technischen Zeitalter: Marc Dugain zeigt in seinem Historienfilm „Ein königlicher Tausch“ das frühe achtzehnte Jahrhundert als prachtvolles Gefängnis.

          Im 18. Jahrhundert gab es in Europa schon eine Art Tinder. Die heutige, digitale Applikation für die zügige Partnerwahl hatte eine sehr exklusive Vorform in Ölbildern, die jungen Menschen besonderer Herkunft vorgelegt wurden: Voilà, das ist Louise-Élisabeth d’Orléans, sie ist zwölf Jahre alt, älteste Tochter des regierenden Königs von Frankreich. Der junge Mann, der in diesem Moment einen ersten, flüchtigen Eindruck von künftigen Freuden bekam, hatte allerdings nur theoretisch die Wahl, nach links zu wischen, also eine Absage zu erteilen. Dazu war der Prinz von Asturien, ein Bourbone namens Luis oder Louis, je nach präferierter Sprache, viel zu stark in die dynastischen Machtverhältnisse im gerade noch vormodernen Europa eingebunden.

          Don Luis war 1721 eine der begehrtesten Partien in einem Zusammenhang, der bis heute große Faszination ausübt: die Heiratspolitik der ersten Häuser. Dieser Tage hängt kaum mehr etwas davon ab, wenn sich der englische Prinz Harry für eine amerikanische Schauspielerin niederen Standes (dafür aber hoher Popularität) entscheidet, und vermutlich wäre alternativ nicht einmal mit einer Traumhochzeit zwischen Haus Windsor und Familie Schaumburg-Lippe der Brexit zu verhindern gewesen.

          Vor dreihundert Jahren hingegen gab es zwischen zwei anderen europäischen Mächten, zwischen Frankreich und Spanien, so viele Zerwürfnisse, entstanden aus engen familiären Verwandtschaftsbeziehungen und denkbaren transnationalen Thronansprüchen, dass eine Doppelhochzeit für Ruhe sorgen sollte. Von dieser Konstellation erzählt der Film „Ein königlicher Tausch“ (wieder einmal ist der Originaltitel klarer: „L’échange des princesses“, der Tausch der Prinzessinnen) von Marc Dugain. Grundlage ist ein historischer Roman von Chantal Thomas, die unter anderem mit einem Buch über die Vorleserin von Marie-Antoinette bekannt wurde. „Leb wohl, meine Königin“ wurde von Benoit Jacquot mit Diane Kruger und Lea Seydoux in den Hauptrollen auch sehr erfolgreich verfilmt.

          Vier adlige Kinder

          „Ein königlicher Tausch“ zählt zu dem Typus von Historienfilmen, die über die Fremdheit früherer Zustände auf eine Gegenwart zielen, die dadurch ebenfalls unvertraut werden könnte – im idealen Fall tauchen so wieder einmal Fragen politischer Repräsentanz und diplomatischer Strategien auf. Und zwar ganz einfach dadurch, dass man sich über die Zustände damals wundert. Marc Dugain schildert das frühe 18. Jahrhundert vor allem als ein prachtvolles Gefängnis. Für die Fürstenmenschen wird alles getan, um ihnen das Leben genüsslich und verträglich zu machen – ein Bild für die einschlägige Komplexität ist der Abort, der einer ersten Dame schon untergeschoben wird, während sie noch an den köstlichen Bissen kaut, die zum Mahl gereicht wurden.

          Das Leben vor dem technischen Zeitalter ist geprägt von Kausalitäten und Zusammenhängen, die noch viel undurchschaubarer sind als uncharmante Verdauungssysteme. Philipp V., der König von Spanien, fürchtet sich vor den Strafen im Jenseits und behandelt sich vorsorglich mit der Rute. Die größte Bedrohung aber gerade auch für den Umgang in den ersten Häusern sind übertragbare Krankheiten. Die Pocken kennen keine Standesgrenzen. Dynastien aber sind endlich, die Personalreserven müssen klug genützt und sorgfältig geschützt werden.

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