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Manoel de Oliveira zum Hundertsten : Besonderheiten eines alten Meisters

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Das Drehen des anderen: Manuel de Oliveira bei der Arbeit an seinem neuen Film Bild: REUTERS

Er begann in der Stummfilmzeit - und dreht immer noch. Die Auflagen der Filmindustrie hat er nie akzeptiert, ihre Funktion als Motor technischen Fortschritts dennoch geschätzt: dem großen portugiesischen Regisseur Manoel de Oliveira zum Hundertsten.

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          Im Dezember vor zwei Jahren lud mich eine portugiesische Kollegin zu einem Abendessen mit Manoel de Oliveira ein. Da die Wohnung der Kollegin sich im zweiten Stock eines Hauses ohne Aufzug befand und Oliveira damals schon achtundneunzig Jahre alt war, planten wir, ihn am Hauseingang abzuholen. Doch früher als erwartet schellte es an der Wohnungstür: Der Filmregisseur war ohne fremde Hilfe die steilen Treppen hochgestiegen. Nach dem Essen, bei dem er viel über das Entstehen seiner Filme erzählte, bestand Oliveira darauf, allein durch die frische Winterluft Lissabons nach Hause zu laufen.

          Einige Tage vor seinem hundertsten Geburtstag an diesem Donnerstag kündigte er in Madrid, wo die spanische Filmothek die meisten seiner Filme zeigte, sein neues Vorhaben an. „Besonderheiten eines blonden Mädchens“ soll dieser Film heißen, der sich auf eine Erzählung von Eça de Queiros gründet. Oliveira findet es nicht gut, wenn die Idee und das Drehbuch eines Films von dem Regisseur selbst stammen. Er hat sich die Themen seiner meisten Filme aus der portugiesischen und aus der Weltliteratur geholt, so von Paul Claudel für den Sieben-Stunden-Film „Der seidene Schuh“ und von Dante „Die Göttliche Komödie“. Mit den Dreharbeiten für den nächsten Film werde er bald beginnen. „Beim Drehen der Filme ruhe ich mich aus“, sagte Oliveira, der in Madrid zugab, sich manchmal müde zu fühlen. „In meinem Alter verwandeln sich die früheren Sicherheiten und Überzeugungen in Zweifel. Ich denke, es ist das Gleiche, an Gott zu glauben wie an die Wissenschaft und an die Intelligenz.“

          Stummfilm, Tonfilm, Farbfilm - und dazwischen Weinbau

          Manoel de Oliveira wurde am 11. Dezember 1908 als Sohn eines erfolgreichen Unternehmers in Porto geboren. Sein Vater nahm ihn mit in die Kinos, um Filme von Chaplin und Max Linder zu sehen. Die Familie schickte ihn auf eine Jesuitenschule in der spanischen Grenzstadt La Guardia. Mit zwanzig Jahren immatrikulierte sich Oliveira in einer Schule für Filmschauspieler. Er hätte gerne komische Rollen übernommen, bekam aber wegen seines Aussehens immer die des Galans angeboten. Am stärksten beeinflusste ihn Walter Ruttmanns „Berlin: Sinfonie der Großstadt“ (1927) bei der Vorbereitung seines ersten eigenen Dokumentarfilms, „Douro, faina fluvial“ (Arbeit am Fluss Douro), ein Werk über das Leben am großen Fluss seiner Heimatregion, der zunächst als Stummfilm, dann als Tonfilm gezeigt wurde und vor allem in Frankreich hervorragende Kritiken erhielt.

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          Manoel de Oliveira zum Hundertsten : Besonderheiten eines alten Meisters

          Die portugiesischen Kritiker, die sich noch jahrzehntelang mit ihrem bedeutendsten Filmregisseur schwertaten, hielten Oliveira auch bei späteren Filmen Handlungsarmut und das Insistieren auf Details vor. 1942 dreht er seinen ersten Spielfilm: „Aniki-Bóbó“. Schwierigkeiten, Geld für die Produktionskosten zu bekommen, und auch das der künstlerischen Kreativität nicht gerade günstige intellektuelle Klima während der portugiesischen Rechtsdiktatur ließen Oliveira die Filmarbeit für fünfzehn Jahre unterbrechen. Er wurde Winzer und kümmerte sich um die Erzeugung von Portwein aus den Reben der Weinberge seiner Familie am Douro-Fluss. Zwischendurch nahm er an einem Farbfilmkurs bei einer deutschen Fotofirma in Leverkusen teil.

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