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Schauspieler Mandy Patinkin : Seltener Lehrheld

Schauspieler Mandy Patinkin Bild: picture alliance

Mit dem Schwert, unter der Gummimaske oder an der Tafel mit den Fotos von Mordopfern: Mandy Patinkin ist ein Schauspieler, der alles erklären kann. Eine Würdigung zum Siebzigsten.

          2 Min.

          Ein Held erklärt nichts, ein Held handelt. Aber Mandy Patinkin als Schwertkämpfer Iñigo Montoya weist in Rob Reiners Film „The Princess Bride“ (1987) den Kollegen Wallace Shawn in der Rolle des Gauners Vizzini , der soeben wieder einmal das Wort „Inconceivable!“(also: „unvorstellbar!“) als Ausdruck seiner Verärgerung gebraucht hat, trotzdem ebenso sanft wie hilfreich zurecht: „You keep using that word. I do not think it means what you think it means.“

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Die Ermahnung ist im Internet inzwischen selbst ein geflügeltes Wort geworden, häufig geteilt, wie eine andere Szene desselben Films, in der Patinkin dem erstaunten Christopher Guest, der den schurkischen Graf Rugen spielt, geradeaus mitteilt, warum er sich mit ihm schlägt: Er, der Angreifer, heiße Iñigo Montoya, der Graf habe seinen Vater getötet und möge sich daher aufs Sterben vorbereiten. Am Rand des Zusammenbruchs wiederholt Montoya die Erklärung mehrmals, mit immer festerer Stimme, bis der Graf es nicht mehr hören will. Muss er nicht, denn Montoya tötet ihn.

          „You keep using that word“: Mandy Patinkin als Schwertkämpfer Íñigo Montoya
          „You keep using that word“: Mandy Patinkin als Schwertkämpfer Íñigo Montoya : Bild: picture alliance

          Mit dieser Performance hatte sich Patinkin so überzeugend ins Didaktische eingearbeitet, dass Graham Baker ihn ein Jahr später in „Alien Nation“ als außerirdischen Migranten mit dem schönen Namen „Sam Francisco“ auftreten ließ, der einem von James Caan dargestellten Polizisten Toleranz und Vielfalt beibringt, zwei Werte, die damals für die Sicherheitsbehörden der USA noch Neuigkeiten waren, inzwischen aber in der Personalabteilung zum guten Ton gehören.

          Gleichermaßen päd­agogisch, aber immer mit listigem Glitzern im dunklen Blick, mit einnehmend selbstsicherer Stimme und unmissverständlichen Gesten der Gliederung des Mitgeteilten, ging es für Patinkin fortan weiter, als hätte ihn Hollywood in ein extra seinetwegen instituiertes Lehramt hineinverbeamtet: Als Kriminalpsychopathologe in den ersten drei Staffeln der Serie „Criminal Minds“ geriet ihm jede Ermittlung früher oder später zur ebenso erhellenden wie packenden Vorlesung für die Kolleginnen und Kollegen vom FBI (selbst sein Abschied aus der Show, deren Star er von 2005 bis 2007 war, gibt Unterricht im würdevollen Ausscheiden; ein guter Lehrer macht andere mit den Techniken des Lernens so vertraut, dass sie auch ohne ihn weiterkommen); und in „Homeland“ (2011 bis 2020) half er in der Glanzrolle des erfahrenen Spions Saul Berenson der von Claire Danes gespielten Agentin Carrie Mathison dabei, zu erkennen, dass ihre Instinkte viel besser funktionieren, als sie selbst meist wahrhaben will.

          In einer Ära, die Qualitätsunterschiede des Wissens und Urteilens allerwege wegnivelliert oder gleich leugnet, ist jeder derartige Lehrkraftakt im Unterhaltungswesen ein Hoffnungszeichen. Heute wird Mandy Patinkin, Film- und Fernsehprofessor honoris causa, siebzig Jahre alt.

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