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„Maggie“ mit Schwarzenegger : Jetzt ist er also doch Schauspieler geworden

Wenn es um die Familie geht, fackelt er nicht lange: Wade Vogel (Arnold Schwarzenegger) gibt Feuer. Bild: Splendid Film

Arnold Schwarzenegger spielt in „Maggie“ besser denn je: Der hilflose Vater und mürrische Farmer Wade Vogel ist die Rolle seines Lebens. Leider kommt der Zombiefilm bei uns nicht ins Kino, sondern nur auf DVD.

          4 Min.

          Trüb murmelt das todkranke Mädchen Maggie Vogel: „I’don‘t feel well“, es geht mir nicht gut. Die Schauspielerin Abigail Breslin spricht den Satz einerseits so verzagt, als bäte sie damit um Verzeihung, andererseits aber auch als eine Art Echo des ebenfalls sehr höflichen ersten Satzes, mit dem sich das menschengemachte Ungeheuer in Mary Shelleys Roman „Frankenstein“ von 1813 das erste Mal Gehör verschafft: „Pardon this intrusion“, entschuldigen Sie bitte die Störung.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          Maggies klägliche Würde weckt starke fürsorgliche Instinkte; noch die kleinsten Gesten, die knappsten sprachlichen oder mimischen Mitteilungen ihres Vaters Wade folgen daher dem dringenden Wunsch, die Tochter zu beschützen. Man sieht es an der skeptischen Falte zwischen den Augenbrauen, dem mürrischen Patriarchenstolz im Blick, der ganzen angespannten, brüchigen Männlichkeit – dieser Mensch ist ein Noah, der seine arme Arche aus leider ziemlich morschen Brettern bauen muss, aber die nötigen Nägel zwischen den Zähnen sammelt, damit keiner verlorengeht.

          Mehr Statur als alle Actiongummigötter

          Diesen Wade Vogel spielt in der horrormedizinischen Familientragödie „Maggie“ der weltbekannte Körperbrocken Arnold Schwarzenegger. Man hat ihn noch nie besser spielen gesehen. Wie er da schweigt und brütet, wenn er gegen die Müdigkeit des Sämanns ankämpft, der seine eigene Ernte abfackeln muss, wie er am Steuer seines Trucks seine Erschöpfung durch ein ganz leichtes Tatternicken verrät, wie ihm vor Hilflosigkeit Tränen in die Augen schießen oder wie er bei der Selbstverteidigung kurzatmig pfeift, überzeugt er wohl selbst das misstrauischste Publikum von einer sehr einfachen Wahrheit: Ein richtiger Schauspieler, was immer das sei, war Schwarzenegger wahrscheinlich schon immer, man hat ihm bisher nur stets zu viel Platz zum Chargieren und Rangieren gelassen, als dass er sich je auf das Wesentliche einer Figur hätte konzentrieren müssen – „wesentlich“, nicht „innerlich“: Schauspielerei ist aus künstlichen Stilmerkmalen der kontrollierten Selbstentblößung ausgedachter Leidenschaften gemacht, nicht aus angewandten psychologischen Erkenntnissen über wirkliche Menschen.

          Der wütende Körperbrocken bei der Arbeit.
          Der wütende Körperbrocken bei der Arbeit. : Bild: Splendid Film

          In „Maggie“ wird Schwarzeneggers massive Körperlichkeit – nicht zum ersten Mal, aber doch endlich angemessen genau gefilmt – zur goldrichtigen Metapher für die Hartnäckigkeit menschlicher Stärken, Schwächen, Intimitäten und unüberbrückbaren Distanzen selbst bei größtmöglicher Nähe einander aufrichtig zugeneigter, aber vom Grauen entzweiter Gestalten: So schwer wie diese Knochen ist das Leben. Selbst Schwarzeneggers penetrantestes Markenzeichen, der nie abgelegte österreichische Akzent, wird mit einem Mal zum einleuchtenden Farmerdialekt: „Schie’s mei dohter“, sie ist meine Tochter, erklärt er einem Ordnungshüter, der ihn von der Angehörigen trennen will, für die er sich zusammenreißt (und damit in anderthalb Stunden mehr Statur gewinnt, als alle Actiongummigötter je besaßen, die er verkörpern durfte).

          Scheinbare Normalität im Zombiefilm „Maggie“.
          Scheinbare Normalität im Zombiefilm „Maggie“. : Bild: Splendid Film

          Ein Fenster ins Fremdeste, also ins Wahre

          „Maggie“ ist das Spielfilmdebüt des Regisseurs Henry Hobson – ein Zombiefilm, sagt das Etikett, und zweifellos einer, der seine Genreverpflichtungen ernst nimmt. Mit dem derzeitigen Boom der schlurfenden Innereienfresser hat er aber in der Hauptsache, im Atmosphärischen nämlich, nicht mehr gemein als die vertrackte interplanetarische Identitätssuche „Another Earth“ (2011) von Mike Cahill mit „Star Wars“ (1977) von George Lucas oder die als Biestschocker aufgemachte scharfe Kritik des nordamerikanischen Neo-Retro-Kolonialismus „Monsters“ (2010) von Gareth Edwards mit dem wuchtigen Remake „Godzilla“ (2014) desselben Regisseurs.

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