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„Looper“ im Kino : Selbstmord als Auftrag

Wer sich selbst abknallen will, muss vor allem zielen können: Bruce Willis in „Looper“. Bild: dpa

Zeitreisethriller der immerhin ungewöhnlichen Art: Rian Johnson vergießt in „Looper“ viel Blut, vergibt manche Möglichkeiten, hat aber auch ein paar gute Ideen.

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          Der Lärm ist gewaltig, was nur zum Teil daran liegt, dass die Auftragsmörder, die dem Film von Rian Johnson den Titel geben, mit abgesägten Flinten ihre Arbeit tun. Den Rest des Lärms bringen der Soundtrack und die anderen Handfeuerwaffen dazu, die immer wieder für lange Sequenzen zum Einsatz kommen.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Auch mit Blut wird nicht gespart - umso erstaunlicher, dass „Looper“, der sich vom „Blade Runner“ zum einen oder anderen Bild inspirieren ließ, im letzten Drittel auf dem Land ankommt: auf einer Farm, die von Emily Blunt und ihrem kleinen Sohn bewohnt wird. Emily Blunt kann Holz hacken wie keine zweite. Ihr Sohn kann etwas, auf das Oskar Matzerath neidisch wäre

          Zeitreiseumwege zum Mord

          “Looper“ ist ein Zeitreisefilm, man muss also mit einiger Treuherzigkeit an die Geschichte herangehen, die hier erzählt wird. In der Ist-Zeit des Films, das ist das Jahr 2042, ist die Zeitreise noch gar nicht möglich, dreißig Jahre später aber wohl. Dreißig Jahre später wiederum ist es für Gangster nötig (warum eigentlich?), sich mit Hilfe dieser Technik ihrer Gegner zu entledigen. Also schicken die Gangsterbosse in einem rührend wacklig aussehenden Bollerwagen alle, die sie loswerden wollen, in die Vergangenheit, um sie dort von den „Looper“ genannten Killern erledigen zu lassen.

          Allerdings kommen die Opfer nicht im Bollerwagen, sondern landen irgendwie aus dem Nichts punktgenau und auf die Sekunde zur verabredeten Zeit auf einer Plastikplane. Sie haben einen Sack über dem Kopf und gefesselte Hände. Der Looper gibt seinen lauten Schuss ab, wickelt die Toten in die Plane, entsorgt sie und geht tanzen. Wobei eine Droge hilft, die ins Auge geträufelt wird.

          Im zweiten Futur

          Schade, dass Johnson aus dieser Idee nicht mehr gemacht hat - hinein in ein visuelles Delirium. Johnson bringt brav nur eine Nutte ins Spiel. Im Kino ist die berühmteste Zeitreisen-Geschichte wahrscheinlich „The Terminator“, und die zentrale Idee übernimmt Johnson für seinen „Looper“: dass ein Kind gefunden und getötet werden muss, weil es in der Zukunft für eine Menge Ärger sorgen wird.

          m Unterschied zum „Terminator“ aber, in dem das Kind im Laufe der Fortsetzungen zum Anführer der Rebellen gegen eine totalitäre Maschinenmacht heranwächst, was diese ganz am Anfang bereits pränatal zu unterbinden sucht, wird in „Looper“ das Kind gesucht, das später einmal ein blutrünstiger Mafiaboss geworden sein wird.

          Er gegen sich

          Gesegnet sei das zweite Futur, das es erlaubt, für nicht genau zu verstehende fiktive Konstellationen wenigstens die grammatikalisch korrekte Form zu finden. Die interessanteste hier ist die Begegnung des von Joseph Gordon-Levitt gespielten Looper Joe mit seinem von Bruce Willis gespielten älteren Ich. Der fliegt ihm nämlich aus der Zukunft vor die Füße, kann aber vor dem finalen Schuss fliehen, weil Joe mit dem Abfeuern zögert.

          Diese Begegnung über ein Leben hinweg hat Potential - das Johnson allerdings teilweise dadurch entschärft, dass er Gordon-Levitt mit einer massiven Prothetik ausstattet (Stirn, Nase, Kinn mindestens), die ihn Bruce Willis aber nicht viel ähnlicher machen. Und die idiosynkratisch hochgezogenen Brauen, der leicht schiefe Mund, die zusammengekniffenen Augen, die Willis im Lauf seiner Karriere zu Markenzeichen gemacht hat, sie sehen bei Gordon-Levitt fast etwas kasperlhaft aus. Dabei ist er doch aus eigenen Stücken ein fabelhafter Schauspieler.

          Mit all dem Krach, den Hängepartien, der falschen Nase und dem vielen Blut versöhnt das Ende - ganz eigen, klug und überraschend.

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