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Lieblingsfilme : Wer hat die zehn besten Filme gesehen?

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Warum ich letztlich auf Jean Renoirs „La règle du jeu“ verzichtete und auch auf Louis Malles „Fahrstuhl zum Schafott“, dessen musikalisches Thema von Miles Davis heute noch spätnachts immer wieder einmal durch meine Wohnung schwebt und rast und sich dann in einer Ecke niederlässt, während das Gesicht von Jeanne Moreau sich aus dem Dunkel schält, ihr großer Mund unter dem frisierten Haar - ich weiß es nicht. Zehn Filme sind nicht viel, und nach vier Jahrzehnten als Filmeschauerin kommen mehr Lieblingsfilme zusammen, als in diese Zahl passen. Auch Hitchcock fiel heraus und Melville, dessen Filme ich in letzter Zeit begeistert wiedergesehen habe, Fellini, den ich immer bewunderte, aber der mir auch etwas fernblieb.

Selbst auf „Stalker“ habe ich am Ende verzichtet - mein Begleiter an jenem Abend erinnerte sich, ihn in Mexiko in der Cinemathèque gesehen zu haben und danach benommen durch die Stadt gewandert zu sein, während ich ihn in Frankfurt im Filmmuseum kennenlernte und damals dachte, ich könne nie wieder in einem Film aus Hollywood glücklich sein. Das stellte sich bald, nämlich in der folgenden John-Ford-Retrospektive, als falsch heraus.

Die Begeisterung für „Stalker“ ließ mich damals etwas anderes vorübergehend in den Staub treten, eine Haltung, die ich heute verachte, und vielleicht liegt es daran, dass mir der Film etwas entrückt ist. Als wir schon auf der Straße standen, brachte mein Freund noch Jim Jarmusch ins Gespräch. „Im Ernst, Jarmusch?“, fragte ich, und er meinte, er erinnere sich, wie er damals, in den achtziger Jahren, viele Male hintereinander „Stranger than Paradise“ gesehen hatte, das müsse doch etwas bedeuten. Wir kamen schnell überein, was immer es sei, es bedeute nicht, dass dieser Film auf meine Liste gehöre.

Als am nächsten Morgen das Restaurant eine E-Mail schickte mit der Bitte, unseren Besuch zu bewerten, gab ich die höchstmögliche Anzahl von Sternen fürs Essen und für die Bedienung, die Atmosphäre bekam ein Kreuz bei „inspirational“.

Und dies ist die Liste, die ich einige Tage später abschickte:

Der Leopard (Luchino Visconti, 1963)

L’Avventura (Michelangelo

Antonioni, 1960)

Der General (Buster Keaton, 1926)

Kagemusha ( Akira Kurosawa, 1980)

Nacht und Nebel (Alain Resnais, 1955)

Die roten Schuhe (Michael Powell und Emeric Pressburger, 1948)

The Searchers - Der schwarze Falke (John Ford, 1956)

Manche mögen’s heiß ( Billy

Wilder, 1959)

2001: Odyssee im Weltraum ( Stanley Kubrick, 1968)

Tropical Malady ( Apichatpong

Weerasethalkul (2004).

Am Ende fehlt also tatsächlich ein Film von Martin Scorsese, und einen deutschen habe ich einfach vergessen. Ich hätte wahrscheinlich „Kagemusha“ für „M - Eine Stadt sucht einen Mörder“ von Fritz Lang hergegeben. Aus den neunziger und zu meiner eigenen Verblüffung auch aus den siebziger Jahren, die ich für eines der besten Filmjahrzehnte überhaupt halte, ist kein Film dabei. Und auch „Double Indemnity - Frau ohne Gewissen“ schaffte es nicht unter meine ersten zehn. Deshalb will ich wenigstens noch mal den Ko-Autor dieses genialsten Drehbuchs aller Zeiten zu Wort kommen lassen. Chandler meinte, Kalifornien sei ein „Warenhaus-Staat. Das meiste von allem und das Beste von nichts.“ Er hatte meistens recht und seine Sätze sind von ätzender Schönheit. Aber an jenem Abend hätte ich ihm unbedingt widersprochen.

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