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Lieblingsfilme : Wer hat die zehn besten Filme gesehen?

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Was graben wir aus, wenn wir an Filme zurückdenken? Bilder, eine Geschichte, Blicke, Stimmungen, Töne und Bewegungen? Oder die Person, die wir waren, als wir zum ersten Mal mit diesen Bildern, dieser Geschichte, diesen Tönen und Bewegungen in Berührung kamen? Eine Rolle spielt, wann und wo und mit wem und vor allem auch, wie oft wir einen Film gesehen haben. Vielleicht sind Kinoerfahrungen intensiver, existenzieller, wenn man jung ist und noch nicht so viel gesehen hat, was erklären mag, warum die Filme, die es schließlich auf die Liste schafften, fast alle älter sind als dreißig Jahre. Als wir das an jenem Abend feststellten, während wir in einem Nachtisch aus Mascarpone und wilden Beeren herumlöffelten, war es uns ein bisschen peinlich. Auch dass die Filmgeschichte fest in Männerhand ist, konnten wir an jenem Abend nicht ändern.

Jedenfalls überzeugten uns die Vorschläge aus näherer Zeit, die wir uns gegenseitig machten, nicht. Bis mir einer einfiel, den mein Freund gar nicht kannte: „Tropical Malady“ von Apichatpong Weerasethakul, dem Regisseur der Wunder aus Thailand. Der ein ganz physisches Kino macht, das voller Geister ist und uns in eine Welt führt, in der wir zuvor noch niemals unterwegs waren. Bei dem die Moderne gleich neben dem Dschungel liegt. „Tropical Malady“ stammt aus dem Jahr 2004, er ist der jüngste Film auf meiner Liste, chancenlos, wie ich glaube, auf der englischen, die das Magazin schließlich aus den Vorschlägen zahlreicher Kritiker zusammenstellen wird.

Irgend jemand hat mal gesagt, nur traurige Filme schrieben Filmgeschichte. Ist das so? Wie traurig ist „Manche mögen’s heiß“? Seine männlichen Idole haben nicht die Statur von Leibwächtern, sondern Frauenkleider an, um den gefährlichen Männern von Leibwächterstatur zu entgehen, und ihre Mentalität erinnert nicht einmal von fern an Hühnerwürger. Der Film beweist, dass sich im Kino durch die vermeintlich niedersten Formen von Klamotte und Volkstümlichkeit die tiefsten Wahrheiten ausdrücken lassen, über das Verhältnis der Geschlechter zum Beispiel oder die Bedeutung des Geldes in ihnen. Er gehört also unbedingt auf meine Liste. Es fiel uns auch kein anderer Film ein, über den wir auch beim zehnten Sehen immer wieder lachen konnten.

Und „The Searchers“ natürlich, wir saßen schließlich in Kalifornien, ganz am Rand der einstigen frontier, jener Grenze zwischen Wildnis und Zivilisation, für die John Ford in diesem Western das beste aller Bilder gefunden hat - die Schwelle zwischen drinnen und draußen, zwischen Heimat und weitem Land, über die John Wayne am Ende hinaustritt. Das ist pure Mythologie, die Essenz der Geschichte Amerikas, wie es selbst sie sieht, in einem einzigen Bild. Bisher aber fehlt „The Searchers“ auf vielen Bestenlisten. Auf meiner steht er.

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