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Kinofilm von Laurie Anderson : Was der Hund vom Adler lernt

Es gibt so viel zu entdecken: Laurie Andersons Hund Lolabelle in einer Szene aus „Heart of a Dog“. Bild: Arsenal

Laurie Anderson ist eine Geschichtenerzählerin, immer bereit zu staunen und uns staunen zu machen. Jetzt kommt „Heart of a Dog“ ins Kino, ihr hinreißender Liebes- und Trauerfilm.

          4 Min.

          Am späten Abend des 4. Januars diesen Jahres konnte man am New Yorker Times Square eine seltsame Szene beobachten. Da saßen, dick eingemummelt, einige hundert Menschen und drückten ihre Hunde an sich. Alle froren. Viele der Menschen trugen Kopfhörer, während vor ihnen die Performancekünstlerin Laurie Anderson stand, ihrerseits mit Kopfhörern unter ihrer roten Mütze, und ihre verkabelte winzige Geige zu elektronischen Klängen in sehr hohen Frequenzen spielte, die fürs menschliche Ohr ohne die Kopfhörer kaum mehr wahrnehmbar waren.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Sie spielte für die Hunde, darunter Hunde im Dienst der Homeland Security, die allerdings als Zuhörer geladen waren, nicht zum Arbeiten. Später liefen auf den elektronischen Anzeigetafeln über den Köpfen des Publikums und rund um es herum drei Minuten aus Laurie Andersons Film „Heart of a Dog“, der an diesem Donnerstag in unsere Kinos kommt: Blicke durch Autoscheiben, über die der Regen rinnt, dahinter ein altes Haus; Bilder eines Hundes, der in die Nacht jault. Schließlich bellten die Hunde, die zuvor ruhig in der New Yorker Nacht zugehört hatten, zum Applaus. Das Konzert war einmalig. Die Filmausschnitte gab es einen Monat lang jede Nacht.

          Kinotrailer : „Heart Of A Dog“

          Der Hund in dem Film heißt Lolabelle und ist ein Rat Terrier. Laurie Anderson und Lou Reed hielten ihn lange Jahre, bis er, noch zu Lebzeiten von Lou Reed, starb. Der Film beginnt mit einem Traum, den Laurie Anderson gezeichnet hat, und der davon handelt, wie sie Lolabelle gebiert – nachdem der ausgewachsene Terrier ihr vorher in den Bauch genäht worden war. Als der Doktor ihr das Bündel mit dem Neugeborenen übergibt und sagt, „it’s a girl!“, fühlt sie Freude und Schuld und begrüßt das Tier mit den Worten: „Hello, little bonehead, I’ll love you forever.“ Wie gesagt, als Comic gezeichnet. Eine bizarre, auch grausame Geschichte, die Laurie Anderson zu Erinnerungen an ihre Mutter führt. Als sie starb, sah die Mutter an der Decke des Krankenhauszimmers, in dem sie lag, Tiere herumlaufen, und sie sprach zärtlich mit ihnen und sagte ihre letzten Worte: „All you animals.“

          Wie wir uns Geschichten erzählen

          Unter den zahlreichen Gedankenspielen, die Laurie Anderson anstellt, ist auch dieses: Könnten Hunde sprechen, was würden sie auf ein Kommando ihrer Besitzer sagen? Der Schäferhund: „Consider it done!“ Der Pudel: „Please love me!“ Der Terrier: „Will it be fun?“

          Lolabelle war unter den zahlreichen Hunden und ihren Besitzern im New Yorker West Village, wo Laurie Anderson wohnt, eine Berühmtheit; sie konnte malen und bildhauern, und als sie blind wurde, lernte sie Keyboard spielen. So erzählt es Laurie Anderson in „Heart of a Dog“, und dazu sehen wir Homemovies von Lolabelle, wie sie ihre Pfoten in Gips drückt und mit den Krallen über Plastik kratzt, bevor sie zum Konzert mit Rhythmusbegleitung ansetzt.

          Im September stellte Laurie Anderson „,Heart of a Dog“ bei den Filmfestspielen in Venedig vor.
          Im September stellte Laurie Anderson „,Heart of a Dog“ bei den Filmfestspielen in Venedig vor. : Bild: dpa

          Aber es geht nicht nur um Lolabelle in diesem Film. Es geht auch um Überwachung und Erinnerungen ans Schlittschuhlaufen auf einem zugefrorenen See, um Datenspeicherung in kolossalen Gebäudekomplexen mitten in der Wüste, heute in Stahl und Beton in Utah, früher in den Pyramiden in Ägypten, darum, was wir sehen, wenn wir die Augen schließen und ob die hinter geschlossenen Lidern herumspringenden Farben und Formen eine Art Screensaver seien, vor allem dazu da, unser Gehirn am Einschlafen zu hindern. Es geht um die Mutter und darum, wie wir uns Geschichten erzählen und was wir auslassen und ob wir in der Lage sind, später das, was wir ausgelassen haben, aus unserem Vergessen wieder hervorzuholen.

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