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Kurzfilmtage Oberhausen Online : Wir wollen ein ganz neues Publikum erreichen

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Weltweite Übertragung: Der Leiter der Kurzfilmtage Oberhausen, Lars Henrik Gass, will dieses Jahr auch Menschen erreichen, die sonst nicht zur Veranstaltung gekommen wären. Bild: Kurzfilmtage / Daniel Gasenzer

Heute beginnen die Kurzfilmtage Oberhausen – online: Der Festivalleiter Lars Henrik Gass erläutert die Hintergründe zum Corona-Plan der Veranstaltung und vor welchen Herausforderungen Kinos jetzt stehen.

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          Herr Gass, vor zwei Monaten kam abrupt der Kinobetrieb zum Stillstand. Wann fassten Sie den Entschluss, die Kurzfilmtage Oberhausen dieses Jahr online abzuhalten?

          Einige Festivals mit Terminen Ende März oder im April wurden von der Entwicklung regelrecht überrollt. Wir zumindest hatten die Möglichkeit, überhaupt ein Szenario zu entwickeln, und begannen damit schon, bevor die Erlasse uns betroffen haben. Anfang März war die Filmauswahl abgeschlossen, und wir wussten auch, dass wir in der Lage wären, das Programm online zu zeigen. Die Herausforderung in der verbleibenden Zeit bestand dann darin, eine geeignete Streaming-Plattform aufzusetzen. Wir hatten neben diesem zeitlichen Vorlauf aber auch den Vorteil, dass wir schon seit längerer Zeit über Streaming konkret nachgedacht haben. Wir mussten also nicht bei null beginnen.

          Sie dachten schon vorher, unabhängig von der Corona-Krise, über solche Modelle nach?

          Wir betreiben schon seit einiger Zeit eine Verbund-Plattform mit mehreren anderen Filmfestivals zusammen, die wir fortlaufend weiterentwickeln, eine cloudbasierte Sichtungsplattform und Datenbank. Streaming war dabei Gegenstand der Planung, nur fehlten bislang Zeit und Geld dafür. Hinzu kamen Überlegungen, die Konvention der üblichen Veranstaltung zu überwinden, indem wir ein konsekutives Angebot machen, vergleichbar dem linearen Fernsehen. Auf unserer Website haben wir in Form eines Blogs schon Anfang April begonnen, Diskurse und den Prozess der Krise durch Filme und Gespräche zu dokumentieren. Die Option, einfach den Stecker zu ziehen, bestand für uns nicht. Wir waren einfach neugierig auf das Risiko und sahen uns auch in der Verantwortung für die Filmemacherinnen und Filmemacher, denn diese erwerben durch Festivalteilnahmen ja mitunter wichtige Referenzpunkte im Zusammenhang der Filmförderung.

          Die Kurzfilmtage hätten sich terminlich mit Cannes überschnitten. Hatten Sie dieses große Festival auch im Blick?

          Es war zu erwarten, dass Cannes und andere große Festivals doch relativ zögerlich agieren werden bei der Betrachtung der Frage, ob man auch online gehen kann. Kleinere Festivals wie zum Beispiel CPH:DOX in Dänemark haben hingegen überraschend innovativ reagiert. Ein gewisser Vorteil liegt natürlich in der Gattung des Films, den wir vertreten. Der Kurzfilm steht nicht so stark unter Druck durch Weltvertriebe und Verleiher, da wird online gelassener gesehen.

          Worauf kam es bei der konkreten Umsetzung des Online-Programms an?

          Bei rund sechshundert Filmen mussten wir uns jedes einzelne der 100 Programme anschauen, ob eine digitale Präsentation überhaupt Sinn ergibt. Der zweite Schritt betraf die rechtliche Frage. Es gab ein transparentes Verfahren der Rechteklärung; man kann ja nicht voraussetzen, dass alle für eine Online-Präsentation zu begeistern sind, vor allem weil wir kein Geoblocking wollten.

          Sie meinen den Umstand, dass Vorführungsrechte in der Regel für einzelne Länder vergeben werden.

          Genau. Wir bieten mehr als dreihundertfünfzig Filme in mehr als sechzig Programmen weltweit für achtundvierzig Stunden an. Wir wollen einmal exemplarisch ausprobieren, ob man ein Publikum erreichen kann, dem es normalerweise nicht möglich ist, die Veranstaltung zu besuchen. Wir möchten ein ganz neues Publikum erreichen. Geoblocking erzeugt ja nur Frust, wenn ständig ein Film nicht läuft.

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