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Filmkritik „Adam und Evelyn“ : Als die DDR verschwand

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Goldsteins andere DDR

Für Andreas Goldstein, der im Jahr der Wende fünfundzwanzig Jahre alt wurde, ist „Adam und Evelyn“ der erste abendfüllende Spielfilm. Da hat also jemand sich möglicherweise Zeit genommen – die Gemächlichkeit und Bedächtigkeit, die ein wichtiges Charakteristikum von Adam ist, muss man aber nicht individuell dem Regisseur zuschreiben.

Es reicht die Feststellung, dass der Film „Adam und Evelyn“ zu Beginn dieses Jubeljahres bestens an der Zeit ist, weil er ein wenig später dran ist. In wenigen Wochen wird Goldstein zudem mit „Der Funktionär“ auch noch seinen Dokumentarfilm über seinen Vater Klaus Gysi in die Kinos bringen, eine Archiv- und Montagearbeit über eine andere DDR, von der „Adam und Evelyn“ nur sehr implizit spricht. Es ist die DDR der Funktionäre, die möglicherweise die Sache mit dem Sozialismus (oder mit dem Paradies) nicht auf die Reihe bekommen haben. Die Mauer war dafür das Sinnbild: einen idealen Garten darf man nicht einzäunen.

In jedem Fall fällt es auf, dass sich seit einer Weile die Kinder der Generation Ulbricht verstärkt zu Wort melden: für Thomas Brasch hat das Annkatrin Hendel mit ihrem Familienfilm über die Braschs übernommen (und der Maler Florian Havemann, der für seinen schon verstorbenen Freund spricht); von Thomas Heise, dem Sohn des Philosophen Wolfgang Heise, kann man ein gewichtiges Statement erwarten, wenn er den Familienfilm fertigstellt, an dem er gerade arbeitet. Mit Andreas Goldstein (und seiner Partnerin Jakobine Motz, die für Drehbuchberatung, Kamera und Schnitt bei „Adam und Evelyn“ zuständig war) kommt nun aber noch ein neues Moment hinzu.

Zeit nehmen für die konkrete Utopie

Denn die Fahrt in den Westen, mit einem Oldtimer und einer Schildkröte im Gepäck, kann man als eine Betrachtung über Angelegenheiten sehen, für die damals, in den grundstürzenden Wochen bis zur Wiedervereinigung, keine Zeit war. Das deutsche Kino hat sich diese Zeit auch nie genommen, sondern hat die DDR mit Komödien („Goodbye, Lenin“) und Serien („Weißensee“) ungefähr so übernommen, wie die Treuhand die Ökonomie des Arbeiter-und-Bauern-Staats abgewickelt hat.

Adam ist keiner, der irgendein Rad einer Geschichte zurückdrehen will, oder wenn, dann am ehesten von der Geschichte aus der Bibel, denn es würde ihm nicht einleuchten, dass ein Biss in einen Apfel zum Staubfressen führen muss (bei ihm wäre die einschlägige Frucht eher die Quitte, und in die kann man sowieso nicht so einfach hineinbeißen). Aber Adam bringt noch retrospektiv etwas in den Geschichtsverlauf, das man als kritische Potenz begreifen könnte, wäre es im Film konkret nicht einfach die schöne Widerständigkeit des Körpers des österreichischen Schauspielers Florian Teichtmeister.

Im Grunde führt „Adam und Evelyn“ einmal im Kreis – und zweimal um die Ecke, aus der real existierenden DDR in eine DDR zurück, die in jeder Hinsicht abzuwickeln war – nur nicht in Hinsicht auf die Menschen, die in ihr gelebt haben, und in Hinsicht auf die rätselhaften Hoffnungen, die einmal an der Idee von Sozialismus hingen. „Adam ist genügsam“, heißt es an einer Stelle. „Das Haus, der Garten, die Nachbarn. Er hat nur einen Luxus: die Arbeit.“ Deutschland kann man zum Beginn dieses Europa- und Ostwahljahrs keinen besseren Film wünschen als die als „Männer- und Frauengeschichte“ tiefstapelnde konkrete Utopie „Adam und Evelyn“.

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