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„An Elephant Sitting Still“ : Hallo, sind Sie zufällig die chinesische Gesellschaft?

  • -Aktualisiert am

Selbst wenn die Regierung die Wand polstert: An der Ecke stehen und auf die Zukunft warten ist auch in China kein Vergnügen. Bild: Arsenal Institut für Film und Videokunst

Vier Stunden Filmkunst als Nachlass: Noch ehe sein einziger Film ins Kino kam, beging der sozialkritische Regisseur Hu Bo Suizid. „An Elephant Sitting Still“ zeigt Menschen, die nicht ins Bild der Supermacht passen.

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          Die chinesische Stadt Manjur liegt in einem der entlegenen Winkel dieser Welt. Nicht weit von hier treffen die Grenzen von Russland, der Mongolei und der Volksrepublik China aufeinander. Der Oligarch Michail Chodorkowskij saß in dieser Gegend auf der russischen Seite einen wesentlichen Teil seiner Haft ab. Warum, um alles in der Welt, sollte jemand nach Manjur wollen?

          In dem chinesischen Film „An Elephant Sitting Still“ von Hu Bo läuft vielleicht auch deswegen alles auf Manjur hinaus, weil die andere Richtung, die aus dem harten Norden des Landes in die Hauptstadt oder gar in die Boom-Regionen im Süden, geradezu außerirdisch abstrus erscheint. Vier Figuren laufen einander hier im Verlauf einer Erzählung, die einen langen Tag umfasst, immer wieder über den Weg. Sie kommen alle aus der gleichen Welt: aus einer dieser Betonburgen, in die Menschen in China auf einer der ersten Stufen des gigantischen Fortschrittsexperiments zogen. Gegenüber den dörflichen Behausungen mit unmittelbar angrenzendem Schweinekoben, wie man sie aus anderen Filmen über Gegenden wie diese in China kennt, sind diese Wohnungen eine Verbesserung. Aber in der einen ist das Klo undicht, und in der anderen stört der alte Vater, in einer dritten wird eine Ehe gebrochen, in fast allen stinkt es bei offenem Fenster, weil der Müll nicht weggebracht wird. Der Schüler Bu, seine Mitschülerin und Freundin Ling, der Halbstarke Cheng und der alte Herr Wang, auf diese Menschen beginnt sich das Geschehen allmählich ein wenig stärker zu konzentrieren, doch ganz offensichtlich geht es Hu Bo um die Gesellschaft an sich. Es ist eine Gesellschaft, die durch herkömmliche Beziehungen ausgemacht wird, und (noch) nicht durch Menschen, die einander als technologisch integrierte Sozialkreditnehmer gegenüberstehen.

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