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„The First Avenger: Civil War“ : Augen auf bei der Berufswahl

Jetzt aber schnell: Anthony Mackie (l.) als „Falcon“, Paul Rudd als „Ant-Man“, Jeremy Renner als „Hawkeye“, Chris Evans als „Captain America“, Elizabeth Olson als „Scarlet Witch“ und Sebastian Stan als „Winter Soldier“ in einer Szene aus „The First Avenger: Civil War“ Bild: dpa

In „The First Avenger: Civil War“ stellen sich die Superhelden der Doppelmoral des eigenen Landes und kämpfen gegeneinander: Ein Politthriller, der Captain America und Kollegen aus ernstlicher Gefahr rettet.

          4 Min.

          Als Superheld hat man’s schwer. Man rettet ständig die Welt, und sie dankt es einem nicht. Das ist ein Topos der Comicgeschichte seit den sechziger Jahren, als Stan Lee und Jack Kirby den langweilig gewordenen Typus des ewigen Siegers dadurch abrüsteten, dass sie ihn zu einer psychologisch labilen Figur machten, die unter Selbstzweifeln und Ausgrenzung leidet. Das brachte nicht nur das ganze Genre zurück in die Erfolgsspur, sondern machte auch anderweitig Schule: Als das Kino zur Jahrtausendwende systematisch begann, sich diese uramerikanischen, aber weltweit vermarktbaren Popkultur-Idole anzueignen, hielt es sich gar nicht erst mit den geradlinigen Heldengeschichten aus der Frühzeit auf, sondern griff gleich auf die gebrochenen Heroen jenes sogenannten „Silver Age“ zurück, in dem vor allem der Marvel-Verlag eine ganze Reihe moderner Mythen hervorgebracht hatte.

          Andreas Platthaus

          Verantwortlicher Redakteur für Literatur und literarisches Leben.

          Genannt seien nur die X-Men, die Fantastischen Vier, der Unglaubliche Hulk, Iron Man, Thor, Spider-Man und als Krönung des Ganzen die nach dem Vorbild der im Konkurrenzverlag DC erschienenen Justice League zusammengestellten Avengers, eine sechsköpfige Truppe, die sich aus bereits in Einzelserien bewährten Superhelden zusammensetzte. Nicht nur individuelle Kräfte und Befähigungen ergänzten sich da, sondern auch ihre jeweiligen Neurosen. Das war noch besser fürs Geschäft.

          Nach zwei Zyklen folgt Marvel's neuester Streich

          Marvel versteht es wie kein zweiter Verlag – und eigentlich gibt es nur einen zweiten, nämlich DC mit unter anderen Superman, Batman, Wonder Woman –, ihre Figuren in immer neuen Konstellationen zusammen oder gegeneinander aufzubringen. Und da das mittlerweile von Disney übernommene Haus auch eine eigene Filmproduktion betreibt, übertrug es dieses Comic-Modell der langsamen, in endlosen Fortsetzungen und Überschneidungen von Heftserien präsentierten Entwicklung eines Stoffs auch aufs Kino, obwohl Spielfilme mit ihrer begrenzten Dauer und dem produktionsbedingt riesigen Abstand zu einer etwaigen Fortsetzung gar nicht dafür geeignet erschienen.

          Kinotrailer : „The First Avenger: Civil War“

          Marvel bewies das Gegenteil, als sich das Unternehmen zur Vorbereitung des ersten „Avengers“-Films, der 2012 in die Kinos kam, ein halbes Jahrzehnt Zeit nahm, die nicht nur in diese Produktion gesteckt wurde, sondern auch in fünf weitere Filme, mit denen die Figuren – und vor allem deren Hauptdarsteller – erst einmal für ein neues Publikum etabliert wurden. Das gelang besonders gut mit Robert Downey Jr. als Iron Man, der heute als populärster Hollywood-Filmstar gilt. Rund um die 2015 fertiggestellte Fortsetzung der „Avengers“ wurde dann dasselbe Spiel betrieben, nur brauchte Marvel für die sechs Filme des zweiten Zyklus diesmal nur drei Jahre.

          Vom Soldat unter den Superhelden zum Veteranen

          Nun beginnt Phase drei, und den Auftakt macht jener Marvel-Held, der keine Schöpfung der sechziger Jahre war, obwohl auch er von Jack Kirby erfunden wurde, aber schon 1941. Im damaligen Moment der historischen Verunsicherung kurz vor dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg konnten die Vereinigten Staaten keinen anderen Superhelden besser brauchen als diesen Captain America, dessen Mission nicht Rache oder Friedenssehnsucht war, sondern die aktive Verteidigung seines Landes. Ob es gegen die Nazis ging oder gegen die Japaner, später auch gegen die Kommunisten – die klassische patriotische Formulierung „My country, right or wrong“ galt auch und gerade für Captain America. Er ist der Soldat unter den Superhelden.

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