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„The First Avenger: Civil War“ : Augen auf bei der Berufswahl

Wie passt er in die charakterlich erschütterte Phalanx seiner zwei Jahrzehnte später debütierenden Kollegen? Gar nicht, weshalb Kirby und Lee sich auch viel Zeit ließen, ehe sie den bereits 1954 als überlebt aus dem Verlagsprogramm genommenen Weltkriegsveteranen wiederbelebten. Dann aber, 1964, übernahm er sofort die Leitung der Avengers – nationale Autorität schleift sich in einem Vierteljahrhundert nicht ab, vor allem nicht angesichts eines neuen Moments der Verunsicherung, dem Vietnam-Krieg.

Die Entwicklungsgeschichte des Helden geht auf

In seinem ersten Kinoauftritt, 2011, wurde die Vorgeschichte des Captains im Zweiten Weltkrieg ausgiebig erzählt, damit die singuläre Bedeutung dieser Figur gegenüber den Kollegen klar wurde: heroisch durch und durch. Im „Avengers“-Film von 2012 musste sich Captain America dann erstmals mit den politisch wie privat motivierten Ambivalenzen seiner Berufsgruppe auseinandersetzen. Und der zweite Solofilm (2014) stellte den Soldaten vor die schwerste aller Prüfungen: die Doppelmoral des eigenen Landes.

Gegenüber dem durch seine tiefe Verwurzelung in der Vorgeschichte schwerfälligen ersten Teil entfachten die beiden regieführenden Brüder Anthony und Joe Russo in der Fortsetzung ein selbst für die ballistisch expliziten Superheldenfilme beeindruckendes Feuerwerk und schafften es überdies, neben all den Schläger- und Schießereien noch eine Entwicklungsgeschichte ihres Helden zu erzählen, die jene Zweifel in ihm säte, die nun im dritten „Captain America“-Film (der nach der 2006/07 erschienenen Comicvorlage den Titel „Civil War“ trägt) nicht nur aufgehen, sondern auch die schönsten Blüten treiben.

Jeder gegen jeden, aber für das Vaterland

Dass die Russos wieder die Regie anvertraut bekamen, war erwartbar, und Chris Evans als Hauptdarsteller binden wie alle Akteure des Marvel-Superhelden-Franchise ohnehin langfristige Verträge. Diesmal hat man ihm jedoch ein Dutzend weiterer Superhelden an der eigenen und auf der Gegenseite beigesellt: Falcon, Scarlet Witch, Hawkeye, der Winter Soldier und Ant-Man kämpfen für den Captain, Iron Man, Black Widow, Black Panther, War Machine, Vision und Spider-Man gegen ihn.

Natürlich alle nur im Bemühen ums Beste für die Vereinigten Staaten und die ganze Welt, aber Captain America weiß eben schon um die Zwiespältigkeit unbedingter Vaterlandstreue, während Iron Man als Anführer der Gegenfraktion diese Lektion erst noch lernen muss. Für Robert Downey Jr. ist das wieder einmal eine Paraderolle.

Marvel macht es besser als DC

Die Gegenspieler der Helden, unter anderem dargestellt von Daniel Brühl, bleiben diesmal blass, doch der Film kann sich das leisten, weil die Guten selbst genug damit zu tun haben, einander zu bekämpfen. Wenn es nach zwei Dritteln der fast 150 Minuten zum Showdown auf einem Berliner Flugfeld kommt, dessen Verlauf leicht begreifbar macht, warum sich die Fertigstellung des Hauptstadtflughafens noch um Jahre verzögern dürfte, bieten die Russos ein Spektakel, das wie unmittelbar aus den Comics übernommen scheint.

Dass dabei der im „Ant-Man“-Film gerade erst bei Marvel eingeführte Slapstick-Humor nicht zu kurz kommt, dafür sorgt Ant-Man selbst, und auch Spider-Mans Gastauftritt trägt sehr zur Auflockerung des bislang üblichen Pathos bei. Scarlett Johansson als Black Widow und Elizabeth Olsen als Scarlett Witch bringen eine geistreich feminin-feministische Komponente in den Film ein, die man bei Wonder Womans Auftritt im jüngst gescheiterten „Batman v. Superman“-Film schmerzlich vermisste. Marvel macht seine Sache einfach besser als DC, und „Civil War“ zündet die dritte Stufe des „Avengers“-Vermarktungsprogramms auf verheißungsvolle Weise. Um die Welt geht es hier noch gar nicht, aber die Helden retten sich selbst aus der Gefahr der Stagnation. Danke dafür.

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