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Film über Dalton Trumbo : Der berühmteste Kommunist Hollywoods

Einer von zehn: Dalton Turmbo (Bryan Cranston) verweigerte die Aussage vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe. Bild: dpa

Dalton Trumbo war ein Opfer der Kommunistenjagd in der Traumfabrik. Der Film „Trumbo“ erzählt seine Lebensgeschichte – und zeigt nur die gute Seite des linientreuen Regisseurs.

          Bryan Cranston hat keinen Oscar für „Trumbo“ bekommen. Dabei spielt er, der als Walter White in „Breaking Bad“ berühmt wurde, hier die Filmrolle seines Lebens. Nein: nicht seines Lebens. Eines Lebens. Des Lebens von Dalton Trumbo, Drehbuchautor von „Spartacus“, „Exodus“ und „Ein Herz und eine Krone“ („Roman Holiday“), der einer von zehn Regisseuren und Autoren war, die vor dem berüchtigten Komitee für unamerikanische Umtriebe die Aussage verweigerten, und einer von hundert Namen auf Hollywoods schwarzer Liste in den vierziger und fünfziger Jahren.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Vielleicht ist das die schwierigste Aufgabe im Kino: einen Mann zu spielen, der durch und durch gut ist. Denn so zeigt „Trumbo“ seinen Titelhelden – als treusorgenden Familienvater, loyalen Freund und rechtschaffenen Amerikaner, der halt nur das Pech hat, dort, wo andere ihre Briefmarkensammlung oder die Bibel aufbewahren, ein Parteibuch der amerikanischen Kommunisten zu hüten. Dass Dalton Trumbo nicht bloß ein Salonkommunist, sondern ein linientreuer Parteisoldat war, dass er den Pakt Stalins mit Hitler und die russische Atomrüstung verteidigte, erzählt der Film von Jay Roach („Austin Powers“) nicht, und auch für den langen und schmerzlichen Prozess, in dem sich Trumbo vor seinem Tod im Jahr 1976 von seinen einstigen Genossen löste, hat Roach keine Bilder. Ihm geht es vor allem darum, Trumbo als genialen Intellektuellen zu porträtieren, der gegen den Mainstream seiner Zeit rudert und dabei auch bereit ist, für seine Überzeugungen ins Gefängnis zu gehen. Damit bringt „Trumbo“ ein kompliziertes Thema auf einen einfachen, einen allzu simplen Nenner.

          Die Bösen, das sind in „Trumbo“ Leute wie John Wayne, Louis B. Mayer und die Kolumnistin Hedda Hopper (Helen Mirren), während ein anderer Teil des Establishments Trumbo wegen seiner Fähigkeiten als Autor schätzt und unterstützt – der Produzent Frank King (John Goodman) ebenso wie Otto Preminger (Christian Berkel) und Kirk Douglas (Dean O’Gorman). Die meisten dieser Figuren sind als Karikaturen angelegt, und es ist wirklich ein Vergnügen, Helen Mirren dabei zuzusehen, wie sie mit ihren Federhüten auf Kommunistenjagd geht, oder John Goodman, wie er einen Gesinnungsschnüffler der Schauspielergewerkschaft mit einem Baseballschläger aus seinem Büro vertreibt. Aber „Trumbo“ ist eben kein surreales Märchen der Coen-Brüder, sondern ein Film, der durch seine Erzählweise einen besonderen Wahrheitsanspruch erhebt. An diesem Anspruch gemessen, ist er missglückt.

          Bryan Cranston kann man dabei keinen Vorwurf machen. Er spielt den roten Riesen von Hollywood mit einer Lässigkeit, die ans Wunderbare grenzt, etwa wenn er das bekannte Foto nachstellt, das Trumbo mit Zigarettenspitze in der Badewanne bei der Arbeit an einem seiner Skripte zeigt. Aber anders als in „Breaking Bad“ macht Cranstons Figur in „Trumbo“ keine Entwicklung durch. Sie fliegt nicht aus der Kurve. Sie erstarrt zum Denkmal. Das ist schön anzusehen, doch es führt nicht weit. Seine Oscar-Nominierung hat Cranston sich dennoch redlich verdient. Und irgendwann wird er die Trophäe auch gewinnen. Für einen anderen Film.

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