https://www.faz.net/-gqz-ntvw
 

Kommentar : Ausgepreist

  • Aktualisiert am

Soll die wichtigste Filmauszeichnung des Landes unter staatlicher oder privater Aufsicht vergeben werden? Die deutsche Kinobranche diskutiert über die Gründung einer Deutschen Filmakademie.

          2 Min.

          Die Sache hat leise angefangen. Jetzt ist sie laut geworden. Der Streit um den Bundesfilmpreis und die Deutsche Filmakademie wird zum Streit um den deutschen Film. Worum geht es? Christina Weiss, Kulturstaatsministerin im Kanzleramt, möchte die zu ihrem Ressort gehörende Vergabe der Bundesfilmpreise einer Deutschen Filmakademie übertragen, die sich aus allen bisherigen Preisträgern sowie der Crème der hiesigen Filmbranche zusammensetzen würde. Die Akademie ist noch nicht gegründet; ihr wichtigster Zweck wäre die Verleihung ebenjener mit insgesamt drei Millionen Euro dotierten Preise.

          Nun regt sich gegen die Pläne der Ministerin, die von Anfang an nicht unumstritten waren (F.A.Z. vom 8. Februar), Widerstand aus der Branche selbst, am deutlichsten in Form von zwei offenen Briefen, die Frau Weiss in dieser Woche erhalten hat. Der erste, der von namhaften Filmleuten wie Peter Lilienthal, Hans-Christian Schmid, Christian Petzold und Andres Veiel unterschrieben wurde, prangert die Umwidmung der Filmpreise zur "Marketingveranstaltung für den Mainstream" an. Der zweite, zu dessen Unterzeichnern immerhin Eva Mattes, Hanna Schygulla und Angelica Domröse gehören, schlägt noch härtere Töne an: "Verwüstung der deutschen Filmkunst", "Gefahr lobbyistischer Verabredungen" und dergleichen mehr.

          Richtungsentscheidung

          Es geht um eine Richtungsentscheidung: Soll die wichtigste Filmauszeichnung des Landes unter staatlicher oder privater Aufsicht vergeben werden? Leider sind die Fronten durchaus nicht so klar, wie die beiden Briefe suggerieren. Denn etliche ihrer Unterzeichner wären als ehemalige Bundesfilmpreisträger automatisch Mitglieder einer künftigen Filmakademie und könnten auch dort die Wüste fruchtbar machen. Andererseits denkt die Gegenpartei der Akademiegründer, voran die Produzenten Bernd Eichinger und Ulrich Felsberg und der Regisseur Helmut Dietl, durchaus nicht so marktwirtschaftlich, wie man erwarten könnte. Die Filmakademisten möchten den Bundesfilmpreis, aber mit dem Geld der Ministerin. Anders als in Frankreich oder Amerika, wo die Césars und die Oscars undotiert sind, sollen die staatlichen Prämien unter privater Aufsicht weiterfließen.

          Es ist die für das deutsche Kulturwesen insgesamt so charakteristische Mischung aus Subventionsmentalität, Kunstgeschrei und inszenierter Weltläufigkeit, mit der auch diese Debatte betrieben wird. Die einen wollen das Geld für die kleinen, die anderen für die großen, erfolgreichen Filme, die einen reden vom "geistigen Gut", die anderen von "Imagegewinn" und Internationalität. Die einzige, die bei dem Geschacher wirklich etwas verlieren dürfte, ist die Ministerin - nämlich einige Nerven und vielleicht auch ein paar hunderttausend Euro, mit denen die gekränkten Seelen dies- und jenseits der Kunstfilmgrenze sich werden trösten lassen. Eines immerhin ist klar: Mit den "paritätisch besetzten", sprich: nach Partei-, Kirchen- und Branchenproporz bestückten Bundesfilmpreisjurys wird endlich Schluß sein. Das fordern selbst die Unterzeichner der Protestbriefe. Eine unabhängige Jury, berufen von einer Filmakademie, die staatliche Preissummen vergibt: So könnte die kleindeutsche Lösung aussehen, auf die man sich am Ende einigen wird.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Grund für geringes Angebot? Brand in Gazprom-Anlage in Westsibirien im August

          Energiepreise : Russlands riskantes Spiel mit Erdgas

          Hält Gazprom bewusst Erdgas zurück, um die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 durchzusetzen? Der Kreml selbst nährt diese Vermutung. In Deutschland haben erste Versorger bereits Preiserhöhungen angekündigt.
          Wird nun nicht mehr ausgeliefert: Ein französisches Jagd-U-Boot der Barracuda-Klasse in der Version für Australien

          Australiens Rüstungsgeschäft : Lärmende deutsche U-Boote

          Frankreich hat einst Deutschland beim australischen U-Boot-Auftrag ausgestochen. Über die Geschichte des größten Rüstungsauftrags in Australiens Geschichte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.