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„Knight of Cups“ im Kino : Komm und sieh die Wunder der Welt

Ekstase und Kontrollverlust prägen Terrence Malicks neuen Film „Knight of Cups“. Nicht nur die Hauptfiguren werden von ihnen beherrscht, sondern auch die Kamera.

          2 Min.

          Der Film ist ein Monolog, das ist sein Haken und seine Stärke. Denn das Kino des Terrence Malick war im Grunde immer schon monologisch, nur hat sich Malick bislang noch bemüht, das zu verbergen, indem er das Selbstgespräch, das der Kern seiner Geschichten war, auf mehrere Personen verteilte. Hier nicht mehr. Es redet nur noch einer. Und wenn doch einmal jemand anderes zu Wort kommt, dann klingt es wie eine Stimme aus dem Schattenreich, ein Murmeln hinter Glas. Und ein Schattenreich ist es, in dem der Film spielt, Los Angeles, Las Vegas, die Metropolen der Unwirklichkeit.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Der Mann, der spricht, ist Rick (Christian Bale), ein Drehbuchautor mittleren Alters. Es heißt, er sei in einer Krise. Aber so, wie er sich anhört, hat er nie etwas anderes gekannt. Sein Vater (Brian Dennehy) ist ein dirty old man, sein jüngerer Bruder ein Clochard, ein zweiter Bruder hat sich vor Jahren umgebracht. Und seine Drehbücher scheinen zu nichts zu führen, obwohl ein Produzent einmal zu Rick sagt, er werde ihn reich machen. Dafür bekommt Rick die glitzerndsten Frauen von Hollywood, Fotomodelle (Freida Pinto), Tänzerinnen (Teresa Palmer) und eine verheiratete Schöne (Natalie Portman), die ihn verlässt, als sie schwanger wird. Er hangelt sich von einer zur anderen, und zwischendurch flüchtet er zu seiner Exfrau (Cate Blanchett), einer Chirurgin. Aber nichts kann ihn halten. „Du liebst nicht“, sagt eine der Frauen zu ihm. „Du suchst nur das Liebeserlebnis.“

          Der Protagonist im Glashaus

          Rick ist die Aktualisierung einer Figur, die spätestens seit Wilders „Sunset Boulevard“ zum Grundbestand des amerikanischen Kinos und auch schon, bei Robert Altman in „The Player“, als Mordopfer aufgetreten ist. Aber nie war sie so endlos einsam wie bei Malick. Ein Raubüberfall, ein Erdbeben, eine Hollywoodparty mit Antonio Banderas und Ryan O’Neal – keine Erfahrung dringt zu Rick in sein Glashaus durch. Dafür stürzt sich die Kamera Emmanuel Lubezkis in einen Rausch aus Farben, Bewegungen, Momenten der Ekstase und der Agonie. Sie füllt die Leinwand mit den Wundern der Welt, Landschaften, Körpern, Meereswogen.

          Trailer : Knight of Cups

          Und dann, auf einmal, ist Rick erlöst, sein Sinnsucher-Monolog wird zum Lobgesang. „Jeder Mann. Jede Frau. Ein Lotse. Ein Gott.“ Das ist die Behauptung des Films. Sie stimmt nicht, sie kann nicht stimmen, denn das Kino ist keine Kirche, es erteilt keine Absolution, es schärft nur den Blick für die Fragen des Seins.

          Etwas ist durchgegangen mit Malick bei diesem Projekt, für das er Platon und die Bibel aus dem Regal geholt und die Mystik der Tarotkarten bemüht hat, ein Kontrollverlust, der seinen Erzählerblick aus der Kurve getragen hat. Und doch gibt es Bilder darin, für die man das ganze storygetriebene Gegenwartskino stehenlassen würde, Augenblicke überirdischer Schönheit. Eine Sternschnuppe, ein Irrlicht, das ist „Knight of Cups“.

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