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Kinovorschau : Zwischen Verlangen und Vernichtung

  • Aktualisiert am

Julia Roberts in „Hautnah” Bild: AP

Julia Roberts und Jude Law bekämpfen einander mit den tödlichsten aller Waffen: mit Worten. Außerdem vom Donnerstag an im Kino: Wong Kar-wais „2046“, Oliver Stones Castro-Porträt und das Nazi-Drama „Napola“.

          Julia Roberts und Jude Law bekämpfen einander mit den tödlichsten aller Waffen: mit Worten. Außerdem vom Donnerstag an im Kino: Wong Kar-wais „2046“, Oliver Stones Castro-Porträt und das Nazi-Drama „Napola“.

          Die chaotische Armee - Die chaotische Klasse 2

          Komödie, Türkei 2004.

          Nur ein Bild der Phantasie? Zhang Ziyi mit Tony Leung in „2046”

          Eigentlich nicht der zweite, sondern bereits der achte Teil einer türkischen Komödienreihe, die im Jahr 1975 startete. Diesmal wird der Schulleiter Bedri mitsamt seiner ganzen Klasse in die Armee einberufen. Regie: Ferdi Egilmez, mit Hulya Avsar, Mehmet Ali Alabora und Halit Akçatepe.

          2046

          Drama, Hongkong / Frankreich / Italien / China / Deutschland 2004.

          Der Autor Chow Mo-Man (Tony Leung) sitzt im Zimmer 2047 eines Hotels im Hongkong der sechziger Jahre, schreibt an einer Liebesgeschichte in ferner Zukunft (im Jahr 2046, übrigens das Jahr, in dem Hongkong seinen Sonderstatus verlieren wird) und erinnert sich in traumhaften, verschachtelten Rückblenden an seine eigenen Amouren. Wong Kar-wais „2046“ ist eine Mischung aus wenig Science-fiction und viel Sixties, aus Bellinis „Norma“und Nat King Cole, aus Melodram und Maskenspiel - und mit Sicherheit einer der schönsten Filme dieses Jahres. In den Rollen der Geliebten haben alle Schönen des chinesischen Kinos ihren Auftritt: Gong Li, Zhang Ziyi, Maggie Cheung, Faye Wong und Carina Lau.

          Comandante

          Porträt, Vereinigte Staaten / Spanien 2003.

          Große Gestalten der Geschichte, die sich einer eindeutigen Bewertung entziehen, haben es Oliver Stone angetan. Der amerikanische Regisseur, dessen Historienfilm „Alexander“ bereits in den deutschen Kinos läuft, ist nach Kuba gereist, um Fidel Castro zu treffen. Viele Stunden müssen die beiden geredet haben. Stone erspart Castro alle unangenehmen Fragen, und Castro bestreitet, daß in seinem Land gefoltert wird.

          Der große Kommunikator aus der Karibik entfaltet sein schauspielerisches Talent und gibt sich so, wie er gesehen werden will. So hat er dem Regisseur die Regie aus der Hand genommen und erlaubt sich sogar einige amüsante Anmerkungen, wenn er sich selber fragt, ob es denn auch gute Diktatoren gebe und was er denn für einer sei. Entstanden ist ein Gesprächsfilm, ergänzt durch kubanische Alltagsszenen, das Porträt eines auch im Alter noch charismatischen Führers, eines Politikers, der genau abwägt, was er sagt und was er zeigt.

          Der Fakir

          Abenteuer, Dänemark / Deutschland 2004.

          Kinderfilm mit Moritz Bleibtreu, der den in einem Kugelschreiber eingesperrten Geist eines Fakirs spielt. Endlich befreit, hilft der Fakir einem Zwillingspaar dabei, einen Schatz zu finden und ihn gegen Gauner zu verteidigen. Peter Flinth verfilmte Bjarne Reuters Roman „Ein Fakir für alle Kinder“ mit Sidse Babett Knudsen, Julie Zangenberg und Aksel Leth.

          First Daughter - Date mit Hindernissen

          Komödie, Vereinigte Staaten 2004.

          Samantha Mackenzie ist die Tochter des amerikanischen Präsidenten und führt ein Leben im Goldenen Käfig. Als sie ein Studium an der Westküste beginnt, begegnet sie dem Kommilitonen James, an dessen Seite sie sich erstmals ganz normal fühlt. Komödie des Schauspielers und Regisseurs Forest Whitaker mit Katie Holmes, Marc Blucas und Michael Keaton.

          Drowning Ghost

          Horror, Schweden 2004.

          Eine Studentin untersucht eine hundert Jahre alte Mordserie an einer schwedischen Universität - und scheint durch ihre Recherchen das Unheil abermals heraufzubeschwören. Regie Mikael Hafstrom, mit Rebecka Hemse, Jesper Salen und Jennie Ulving.

          Hautnah

          Drama / Komödie, Vereinigte Staaten 2004.

          In Edward Albees „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“ ist es ein alterndes Akademikerpaar, das sich vor den Augen der entsetzten Nachbarn gegenseitig bekämpft. Mike Nichols' Verfilmung des Bühnenstücks ist mit fünf Oscars ausgezeichnet worden. Jetzt hat sich der Regisseur abermals ein Theaterstück zur Vorlage gewählt, und wieder sind es vier Personen, die zwischen Liebe und Haß, Verlangen und Vernichtung ihre Klingen kreuzen.

          „Ohne Wahrheit sind wir bloß Tiere“, sagt einer der Akteure in diesem erotischen Quartett, und deshalb belügen und betrügen sie dann einander, als hätten sie alle Nietzsches Text „Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne“ gelesen. Sie, das sind Julia Roberts, der derzeit vielbeschäftigte Jude Law, Clive Owen und vor allem die atemberaubende Natalie Portmann: eine Fotografin, ein Journalist, ein Dermatologe und eine Stripperin. Mike Nichols' Film ist eine Adaption des Stücks von Patrick Marber, und wenn der Film auch die Statik der Bühne und die Theatralik der Dialoge nie ganz abschütteln kann, so hat er doch ein unheimliches Gespür dafür, daß Worte die tödlichsten aller Waffen sind.

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