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Kinovorschau : Zwischen den Fronten

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Eran Riklis ist eine Seltenheit: ein israelischer Regisseur, der sich einfühlsam und nahezu ohne paternalistische Überheblichkeit mit den Nöten der arabischen Bevölkerung in den besetzten Gebieten beschäftigt. Zu den Stärken der israelisch-französisch-deutschen Koproduktion gehört, neben den beachtlichen schauspielerischen Leistungen, daß sie die Ernsthaftigkeit des Sujets nicht an die teilweise durchaus komischen Situationen verspielt.

Die Tiefseetaucher

Abenteuerkomödie, Vereinigte Staaten / Italien 2004

Steve Zissou (Bill Murray) ist eine ziemlich grobe Parodie des Meeresforschers Jacques-Yves Cousteau, und bei einem Bootstrip vor der afrikanischen Küste müssen Zissou, sein Sohn Ned (Owen Wilsen), die Reporterin Jane (Cate Blanchett) und andere schräge Vögel allerlei Slapstick-Abenteuer bestehen, bis es am Ende zu einem echten Todesfall kommt.

Wie schon in „Die Royal Tenenbaums“ folgt Regisseur Wes Anderson wieder keiner strikten dramaturgischen Chronologie, sondern konfrontiert den Zuschauer ständig mit neuen Handlungssträngen, plötzlich auftauchenden Konflikten und fantastischen Ereignissen: mit Krisen, Eifersuchtsszenen und erschütternden Erkenntnissen, mit unberechenbaren philippinischen Piraten, geringelten Seepferdchen, leuchtenden Quallen und bonbonfarbenen Zuckerkrebsen. So wird „Die Tiefseetaucher“ zu einer Mischung aus Drama und Groteske. Und bleibt ein 20-Millionen-Dollar-Scherz.

Willenbrock

Drama, Deutschland 2004

Bernd Willenbrock ist ein Gewinner im neuen Deutschland. Wo andere grau sehen, sah er die Welt stets farbiger und hat jetzt alles: ein Haus in der Stadt, ein Wochenendhaus auf dem Land, ein großes Auto, eine Ehefrau, die er liebt, eine oder zwei Geliebte, mit denen er eine Menge Spaß hat, und sein Geschäft als Gebrauchtwagenhändler läuft gut. Dann aber wird seine Firma und sein Wochenendhaus überfallen, Willenbrock verletzt und seine Frau traumatisiert. Die Verdächtigen werden straffrei abgeschoben, und Willenbrock sieht sie wenige Tage später in Magdeburg in einer Autoschlange wieder. Eine Umworbene läßt ihn abblitzen, seine Frau verläßt ihn.

„Willenbrock“ ist eine Studie darüber, wie ein Leben auseinanderfällt. Wie Sicherheiten sich auflösen. Wie Selbstwußtsein zerbröselt. Ein Fall schleichender Deprimierung, die auch den Zuschauer ergreift. Die Vorlage zu dieser ersten Literaturverfilmung Andreas Dresens stammt von Christoph Hein. Mit Axel Prahl, Inka Friedrich, Anne Ratte-Polle u.a.

Boogeyman - Der schwarze Mann

Horrorfilm, Vereinigte Staaten 2005

Das Monster im Schrank, für den achtjährigen Tim ist es Realität geworden. Oder hat er sich nur zusammenphantasiert, daß sein Vater im Schrank verschwunden ist, um damit klarzukommen, daß der die Familie verlassen hat? Jahre später ist aus Tim ein attraktiver junger Mann mit einer hübschen blonden Verlobten geworden, der sein Leben um seine Angst herum gebaut hat: keine Schränke, keine dunklen Ecken, kein Platz für das Böse. Doch seine mühsam konstruierte Welt gerät aus den Fugen, als er ein Wochenende im Haus von Jessicas Eltern verbringen soll. Die Nacht wird zum Horror, und am Ende klingelt das Handy: Seine Mutter, von der er inzwischen ziemlich entfremdet ist, stirbt. Seine Therapeutin rät ihm, sich seinen Ängsten zu stellen und eine Nacht in dem furchteinflößenden Elternhaus zu verbringen.

„Boogeyman“ läßt offen, ob Tim tatsächlich von dunklen Mächten bedroht wird und in tödlicher Gefahr schwebt - oder ob er im Wahn seiner Ängste langsam, aber sicher den Verstand verliert. Er zeigt, mit welch einfachen Mitteln ein Horrorfilm funktionieren kann.

Darwins Albtraum

Dokumentarfilm, Österreich / Frankreich / Belgien 2004

Die Fischindustrie am Victoriasee im Herzen Afrikas lebt fast ausschließlich vom Verkauf des begehrten
Victoriabarsches. Eine ökologisch und politisch verhängnisvolle Entwicklung. Die Erlöse aus dem Verkauf des Edelfisches, der alle andere Fischarten längst ausgerottet hat, fließen zumeist in den Waffenhandel. Hubert Sauper deckt in seiner aufwühlenden Dokumentation einen todbringenden Kreislauf auf. Sein spannender, verstörender Film wurde mit dem Europäischen Filmpreis als bester Dokumentarfilm 2004 ausgezeichnet.

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