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Kinovorschau : Mal eben auf einen Mojito nach Kuba

  • Aktualisiert am

„Männer voran!”: Mit Kettensägen gegen die Dorfdepression Bild: dpa

Im Harz kämpfen junge Männer noch mit Kettensägen, aber „Miami Vice“ geht mit der Zeit: Sonny und Rico tauschen Krokodil und weiße Anzüge gegen Armani und Ziegenbärtchen. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Jürgen Vogel gibt Einblicke in die düstere Seele eines Ex-Knackis.

          Im Harz kämpfen junge Männer noch mit Kettensägen, aber „Miami Vice“ geht mit der Zeit: Sonny und Rico tauschen Krokodil und weiße Anzüge gegen Armani und Ziegenbärtchen. Außerdem von Donnerstag an im Kino: Jürgen Vogel gibt Einblicke in die düstere Seele eines Ex-Knackis.

          Die Könige der Nutzholzgewinnung

          Komödie, Deutschland 2006.

          Wo sind die Flamingos hin? Colin Farrell und Jamie Foxx in „Miami Vice”

          Krischan (Bjarne Mädel) kehrt nach Jahren in sein Heimatdorf Wipfel im Ostharz zurück, wo es Ortsnamen wie „Elend“ und „Sorge“ gibt. In Wipfel, wo er einen Holzfällerwettbewerb nach kanadischem Vorbild veranstalten will, sieht inzwischen alles noch trüber aus als einst. Seine ehemaligen Waldarbeiterkollegen sind seit Jahren arbeitslos und in Apathie versunken. Sie vegetieren als trübsinniger Hausmann dahin oder leben unter dem Dach ihrer tyrannischen Mutter. Außerdem haben sie noch die Schulden aus einem gescheiterten Imbiß-Unternehmen am Hals, mit denen Krischan sie sitzengelassen hat. Regisseur Matthias Keilich zeigt, wie der Rückkehrer seine Kollegen aus der Lethargie herausholt und die Kerle, die einst Bäume gefällt haben und nun selbst gefällte Mannsbilder sind, motiviert, wieder das alte Werkzeug in die Hand zu nehmen.

          Miami Vice

          Action, Vereinigte Staaten 2006.

          Die beiden Cops hören auf dieselben Namen wie vor zwanzig Jahren, als Michael Mann die legendäre Serie aus den Achtzigern produzierte. Doch Regisseur Mann („Heat“, „Collateral“) läßt Sonny Crockett (Colin Farrell) und Ricardo Tubbs (Jamie Foxx), die beiden Drogenfahnder aus Miami, jetzt auch auf Kuba, Haiti, in Paraguay und in Kolumbien Speedboat fahren, schießen und ermitteln. Außer, daß Colin Farrell einen Schnäuzer trägt, wie sie Pornodarsteller in den Siebzigern schmückten, ist der „Miami Vice“-Dresscode, welcher die männliche Ästhetik der beiden vergangenen Jahrzehnte prägte, Armanianzügen und Ziegenbärtchen gewichen.

          Die unverwechselbaren Michael-Mann-Momente wie das Glühen der Lichter von Miami und Manns Arbeit mit Farben und Musik wirken wichtiger als die zahlreichen Undercoveraktionen der beiden Cops im Kampf gegen Drogenhandel. Sonnys Flirt mit Gangsterbraut Isabella (Gong Li) zeigt die Verschmelzung von Privat- und Arbeitsleben - er rast mit ihr per Speedboat für einen Mojito eben mal nach Kuba. Erst im Abspann ist der Titel „Miami Vice“ in blaßblauer Neonschrift zu sehen und man ist erleichtert, daß Mann vom alten Look der Serie nichts gerettet hat.

          Der freie Wille

          Drama, Deutschland 2006.

          Theo (Jürgen Vogel), der neun Jahre im Maßregelvollzug verbracht hat, lernt in der Freiheit Netti (Sabine Timoteo) kennen, die keine Männer mag. Doch der als therapiert geltende Triebtäter kämpft fortwährend gegen sich selbst und die weiblichen Reize an, denen er im täglichen Leben ausgesetzt ist.

          Der Film von Regisseur Matthias Glasner („Fandango“), an dem der Hauptdarsteller Jürgen Vogel auch als Mitproduzent und Koautor des Drehbuchs beteiligt war, weckt kein Mitleid, er buhlt nicht um Sympathie, er will den Hauptdarsteller auch nicht verstehen, und schon gar nicht will er in Fernsehspielmanier eine Diskussion darüber entfachen, ob denn Triebtäter nun therapiefähig seien. Mögen kann man diesen Film nicht, man wird sich auch nicht gut unterhalten in diesen 163 Minuten. Was er einem abverlangt, das sind Geduld und Respekt.

          Monster House

          Trickfilm, Vereinigte Staaten 2006.

          Mit „Monster House“ liefert Gil Kenan sein Regiedebüt ab, für das er als Produzenten die Oscar-Preisträger Steven Spielberg und Robert Zemeckis gewinnen konnte. In der animierten Horrorkomödie geht es um drei Kinder und ihren Kampf gegen ein verzaubertes Haus. Die Eltern des zwölfjährigen DJ sind übers Wochenende verreist, dafür darf sein Kumpel Chowder bei ihm übernachten.

          Im Laufe der Nacht beobachten die Jungs, daß etwas mit dem Haus auf der anderen Straßenseite nicht stimmt. Mr. Nebbercracker jagt jeden davon, der auf das Grundstück will, und im Umfeld des Hauses verschwinden Spielzeug und Haustiere. Mit Freundin Jenny wollen die Freunde dem Geheimnis auf die Spur kommen. Die animierten Figuren sind den Schauspielern nachempfunden, Steve Buscemi stand Modell für den grantigen Nachbarn und leiht seinem digitalen Abbild in der Originalversion seine Stimme.

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