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Kinovorschau : Generationenkämpfe

  • Aktualisiert am

Hilary Swank und Clint Eastwood in „Million Dollar Baby” Bild: AP

Ein Trainerveteran schickt eine junge Boxerin in den Ring, ein alternder Tennisprofi verliebt sich in einen Jungstar, ein Mann um die Fünfzig bekommt einen Boß, der sein Sohn sein könnte: Die Kinostarts der Woche.

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          Ein Trainerveteran schickt eine junge Boxerin in den Ring, ein alternder Tennisprofi verliebt sich in einen Jungstar, ein Mann um die Fünfzig bekommt einen Boß, der sein Sohn sein könnte: Die Kinostarts der Woche.

          Der Clown

          Action, Deutschland 2005

          Amerika lauscht „Kinsey” (Liam Neeson)

          Die von RTL bekannte Actionserie um den Eliteagenten Max Zander (Sven Martinek) hat den Sprung auf die große Leinwand geschafft. Unter der Regie Hermann Johas jagt Zander einen Gangster (Götz Otto), der die Golderserven des Landes klauen will.

          Kinsey

          Drama, Vereinigte Staaten 2004

          Mit der Veröffentlichung seiner Studie über das „sexuelle Verhalten des Mannes“ im Jahr 1948 erschütterte der Sexualforscher Alfred Kinsey das Moralempfinden der Amerikaner gewaltig, zerrte an ihren Verklemmungen und entlarvte ihr frommes Selbstbild als großen Selbstbetrug.

          Bill Condon und seinem Hauptdarsteller Liam Neeson ist es gemeinsam mit einem bemerkenswerten Darstellerensemble, aus dem Laura Linney als Kinseys Ehefrau und Mitarbeiterin herausragt, gelungen, die Ambivalenz der Folgen sichtbar zu machen, welche die Veröffentlichung von Kinseys Studie nach sich zog: einerseits die ungeheuerliche Befreiung, die den Beginn der gesellschaftlichen Akzeptanz verschiedener sexueller Orientierungen und Praktiken markierte, anderseits aber auch die neuen Normen einer so sexgesättigten Atmosphäre, daß organisierte Promiskuität alltäglich wurde und monogame Beziehungen in den Ruch des Hinterwäldlerischen und Unaufgeklärten gerieten.

          Million Dollar Baby

          Drama, Vereinigte Staaten 2004

          Clint Eastwoods mit vier Oscars ausgezeichneter Film erzählt von zwei alten Männern, einer jungen Frau, vom Boxring und dem Glück, zu leben. Der Film verläßt sich mit einer Großzügigkeit und Gelassenheit auf die Kraft seiner Geschichte und die Fähigkeiten seiner Schauspieler, die alles andere als selbstverständlich sind. Er hat eine simple, klare Form: Der ehemalige Boxer Scrap (Morgan Freeman) erzählt die Geschichte aus dem Off; sie ist adressiert an die Tochter des Boxtrainers Frank (Eastwood), die seit Jahren nichts mehr von ihm wissen will.

          Die junge Maggie (Hilary Swank) hat im Boxen zum ersten Mal in ihrem Leben etwas gefunden; sie läßt sich nicht abwimmeln von Frank, der keine Frauen trainieren will. „Million Dollar Baby“ ist ein Film für Erwachsene. Er ist auf der Höhe eines moralischen Konflikts, er interessiert sich mehr für die Aporien als für Lösungen, und er will niemandem eine Meinung aufdrängen, weil er Respekt vor seinen Charakteren und vor der Urteilsfähigkeit seines Publikums hat.

          The Nomi Song

          Dokumentarfilm, Deutschland 2004

          Der in Bayern geborene Klaus Nomi wurde als Countertenor zum Liebling der New Yorker Avantgarde der Siebziger. Andrew Horn erzählt die Geschichte des Künstlers, der 1983 an Aids starb.

          Three Rooms of Melancholia

          Dokumentation, Finnland/Deutschland/Dänemark/Schweden 2004.

          Die finnische Filmemacherin Pirjo Honkasalo beleuchtet das Schicksal der Kinder, die unter dem Tschetschenienkrieg leiden - ob in einer Kadettenschule oder in einem Flüchtlingslager.

          Miss Undercover 2

          Actionkomödie, Vereinigte Staaten 2005

          2001 gab Sandra Bullock schon einmal die FBI-Agentin Gracie, die aufgrund ihrer Idealmaße als Kandidatin zur von Terroristen bedrohten „Miss United States“-Wahl geschickt wurde: eine Mischung aus Action, Slapstick, Komödie und Drama. Nun schickt Regisseur John Pasquin Sandra Bullock ein weiteres Mal auf den Laufsteg - allerdings ist Gracie nach ihrem ersten erfolgreichen Einsatz inzwischen eine Medienberühmtheit geworden, so daß der Auftritt „undercover“ immer schwieriger wird.

          Auch Schildkröten können fliegen

          Drama, Irak/Iran 2004.

          Der iranische Regisseur Bahman Ghobadi erhielt im vergangenen Jahr für seinen Film den Hauptpreis beim Festival von San Sebastián. Er erzählt von der schwächsten vorstellbaren Gruppe überhaupt, kurdischen Waisenkindern in einem irakischen Dorf nahe der Grenze zu Iran und der Türkei unmittelbar vor den ersten Angriffen amerikanischer Bomber. Die Kinder, viele von ihnen verstümmelt, suchen Landminen, um sie zu verkaufen. Das ist die Gefahr von unten. Und oben am Himmel dröhnt die neueste Kriegstechnologie. Ghobadis konzentrierter, am Neorealismus geschulter Stil beeindruckte das Publikum in San Sebastián tief.

          Reine Chefsache

          Tragikomödie, Vereinigte Staaten 2004.

          Der 51jährige Dan bekommt einen Vorgesetzten, der sein eigener Sohn sein könnte. Er versucht sich an die neue Situation zu gewöhnen, bis der junge Chef beginnt, mit Dans Tochter zu flirten.

          Paul Weitz hat eine sehr unterhaltsame, ziemlich verlogene Komödie gedreht um einen jungen corporate superstar, der aufsteigt und fällt: routinierte Komik, sarkastische, aber nicht zu bösartige Beobachtungen aus der Welt globaler Konzerne. Mit Dennis Quaid, Topher Grace und Scarlett Johansson.

          Wimbledon - Spiel, Satz und... Liebe

          Komödie, Vereinigte Staaten 2004.

          Der alternde Tennisprofi Peter (Paul Bettany) will zum Abschluß seiner Karriere endlich das Turnier in Wimbledon gewinnen. Während er sich von Runde zu Runde kämpft, verliebt er sich in den Tennisjungstar Lizzie (Kirsten Dunst). Bei den Tennisszenen setzte Regisseur Richard Loncraine auf digitale Technik - und zeigte ungewollt, daß sie sportliche Technik nicht ersetzen kann. Allzu deutlich schlagen die Darsteller Luftlöcher, in die der Ball digital eingefügt wurde.

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