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Kinovorschau : Französinnen im Abseits der Schildkrötenfertilität

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Die Geschichte um die 30jährige Senada (Labina Mitewska), inszeniert von Regisseur Christian Wagner („Ghetto-Kids“), beschreibt, wie schwer tiefe seelische Wunden heilen und wie hartnäckig unverarbeitete Konflikte menschliches Handeln bestimmen können. Die im heutigen Sarajevo lebende Senada denkt neun Jahre nach dem Krieg immer noch an ihre Tochter Aida, die sie im Chaos des Kriegsgeschehens verloren hatte.

Als sie in einer deutschen Zeitung ein Foto sieht, glaubt Senada, Aida zu erkennen und setzt alles daran, nach Deutschland zu gelangen. Sie schafft es, illegal einzureisen, und erfährt schnell den Wohnsitz ihrer Tochter. Die heißt inzwischen Kristina und lebt glücklich bei ihren Adoptiveltern in Ulm, ohne von ihrer wahren Identität auch nur zu ahnen. Senada will um jeden Preis ihre Tochter zurückbekommen und setzt dafür alle Mittel ein. Katrin Sass spielt die zwischen Adoptiveltern und leiblicher Mutter vermittelnde Angestellte des Jugendamts.

Pakt des Schweigens - Das zweite Leben des Erich Priebke

Dokumentarfilm, Deutschland 2006.

Mitte des vorigen Jahrhunderts tauchte SS-Hauptsturmführer Erich Priebke in der argentinischen Kleinstadt Bariloche unter. Er war unter anderem für die Hinrichtung von 335 Zivilisten in den ardeatinischen Höhlen in Italien 1944 verantwortlich.

In seiner Dokumentation zeichnet der in Bariloche aufgewachsene Regisseur Carlos Echeverría das erschreckende Bild des Systems nach, in dem Priebke, anfänglich ausgestattet mit einer neuen Identität, wieder zu Macht und Ansehen gelangt. Erst 1994 wurde Priebke enttarnt und der italienischen Justiz übergeben, die ihn zu 15 Jahren Haft verurteilte.

Schiri im Abseits

Drama, Deutschland 2006.

Der Kinofilm „Schiri im Abseits“ ist das Debüt von Regisseur Lutz Schebesta. Obwohl die Geschichte vom Fall des früheren Fußball-Schiedsrichters Robert Hoyzer inspiriert ist, kann er ohne rechtliche Auseinandersetzungen anlaufen.

Der Liebeskrimi handelt von einem korrupten Fußballschiedsrichter namens Frank Weber (Alexander Hanfland), der sich immer tiefer in Wettmanipulationen verstrickt, um Geld für seine in Finanznöte geratene Geliebte Jessica (Melanie Vollmar) aufzutreiben.

Das koloniale Mißverständnis

Dokumentarfilm, Frankreich 2005.

Als Mitte des 19. Jahrhunderts deutsche Kolonialisten den Südwesten Afrikas inspizieren, stoßen sie auf eine eingeborene, zum Teil bereits christianisierte Einwohnerschaft, die Eigentum nicht kennt und den Fremden freundlich erlaubt, auf ihrem Grund mitzuwohnen.

Regisseur Jean-Marie Teno zeigt in seiner Dokumentation das Ergebnis der Gastfreundlichkeit: weiße Landnahme, Ausbeutung und Entmündigung der einheimischen Bevölkerung, sowie einen planvollen Völkermord aufgrund des Widerstands.

John & Jane

Dokumentarfilm, Indien 2005.

Callcenter gleich Unterschicht - die Rechnung gilt nicht für Bombay. Wer in Ohio per 1-800-Nummer Schnäppchen jägt, landet unwissentlich in Indien.

Zwischen Hindi-Tradition und Weltmarkt loten die Callcenter-Agenten ihre Identität aus, Schwindelgefühle inbegriffen. Der Dokumentarfilm „John & Jane“ von Regisseur Ashim Ahluwalia nimmt die Globalisierung sportlich.

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