https://www.faz.net/-gqz-plwq

Kinovorschau : Fette Jahre, frohes Fest

  • Aktualisiert am

Sonderzug zum Weihnachtsmann: Szene aus „Polarexpreß” Bild: dpa

Das Adventsgeklingel in den deutschen Kinos wird lauter. Außerdem von Donnerstag an zu sehen: eine Entführung und ihre Opfer, eine Schatzsuche und ihre Helden sowie zwei Dokumentarfilme aus Lateinamerika.

          „Bad Santa“ war erst der Anfang. Mit einem Trickfilm, der sich der Schauspielkunst Tom Hanks' bedient, und einer Weihnachtsausstattungskomödie stimmen zwei weitere Filme in das Adventsgeklingel der deutschen Kinos ein. Außerdem ab Donnerstag zu sehen: Eine Entführung und ihre Opfer, eine Schatzsuche und ihre Helden sowie zwei Dokumentarfilme aus Lateinamerika.

          Der Polarexpreß

          Trickfilm, Vereinigte Staaten 2004

          Hans Weingartners Erziehungsberechtigte

          Als der achtjährige Weihnachtszweifler nach allerlei Turbulenzen dem leibhaftigen Santa Claus gegenübersteht, drückt der ihm eine kleine Glocke in die Hand und sagt: „Denk' immer daran, der wahre Geist der Weihnacht wohnt in deinem Herzen.“ Die Eltern hatten schon gedacht, daß der Junge dieses Jahr nicht versuchen würde, wach zu bleiben, um auf den Weihnachtsmann zu warten. Aber wie soll man auch schlafen, wenn ein Partyzug mit Überlänge lautstark direkt vor der Haustür hält? Was soll man auch machen, wenn ein entfernt an Tom Hanks erinnernder Zugbegleiter fragt, ob man mitkommt? Einsteigen natürlich. Die Reise ist kurzweilig, amüsant und mitunter auch abenteuerlich. Tom Hanks hat dabei nicht nur dem Schaffner, sondern auch noch dem Achtjährigen, dessen Vater, einem Geist und dem Weihnachtsmann selbst seine Bewegungen geliehen, die gefilmt, digitalisiert und auf die Figuren übertragen wurden. Am Nordpol selbst erwartet den Helden des Trickfilms übrigens ein gigantisches Fest, das mit dem „wahren Geist der Weihnacht“ nach alteuropäischem Verständnis freilich nicht allzuviel zu tun hat. Aber der wohnt ja auch in deinem Herzen.

          Die fetten Jahre sind vorbei

          Drama, Deutschland / Österreich 2004.

          Freundschaft, Liebe und Revolution - das sind die Themen in Hans Weingartners Film „Die fetten Jahre sind vorbei“: Peter (Stipe Erceg) und Jan (Daniel Brühl) brechen gemeinsam in Berliner Luxusvillen ein, aber nicht um zu stehlen, sondern um Chaos in die Ordnung der Wohlhabenden zu bringen. Sie stellen die Möbel um, werfen das Meißener Porzellan in die Toilette und hinterlassen einen Mahnbrief („Sie haben zuviel Geld“), den sie als „Die Erziehungsberechtigten“ unterzeichnen.

          Als Jule (Julia Jentsch), Peters Freundin, in die Wohnung der Erzieher zieht, kommt das Chaos auch zu ihnen, denn Jule verliebt sich in Jan. Weil das Mädchen bei einem reichen Mann Schulden hat, suchen die beiden dessen Villa heim, aber als sie zum zweiten Mal in dem Haus am Wannsee sind, kommt Hardenberg (Burghart Klaußner) zur Tür herein. Jetzt hat das Trio den Klassenfeind, den es heimlich treffen wollte, am Hals. Die Weltverbesserer entführen den Millionär in eine Almhütte und lernen, daß auch Hardenberg in Wahrheit ein linkes Herz hat, Joints raucht und sich gern an seine WG-Zeit erinnert.

          Suite Havanna

          Dokumentarfilm, Kuba 2003.

          Aus kleinen Szenen, Gesten, Begegnungen und Klängen hat der kubanische Regisseur Fernando Pérez ein filmisches Porträt seiner Heimatstadt Havanna komponiert, in dem Verfall und Lebenskraft dieser Stadt, Alltag und Ausbruch ihrer Bewohner ihren Platz finden.

          „Suite Havanna“ kommt ohne Dialoge aus und erzählt dennoch von Menschen, deren Lebenswege sich kreuzen: vom Gleisarbeiter Heriberto, der gern Musiker wäre, vom Arzt Juan Carlos, der Clown spielt, von einem emeritierten Marxismus-Professor, dessen Frau mit dem Straßenverkauf von Erdnüssen die gemeinsame Rente aufbessert.

          Das Vermächtnis der Tempelritter

          Schatzgräberfilm, Vereinigte Staaten, 2004.

          Wo sich in diesem Film nicht alles heimliche Hinweise auf einen sagenhaften Schatz verborgen haben: in der Antarktis, auf Dollarscheinen, auf der Rückseite der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung. Es ist aber auch ein dolles Ding: Altägyptisches Gold, über Rom und durch Freimaurer auf großer Fahrt in die Vereinigten Staaten gelangt, wird seit deren Gründung von der als sonderlich geltenden Familie Gates gesucht.

          Der jüngste Sproß heißt mit Vornamen passenderweise Benjamin Franklin, wird von Nicholas Cage gespielt und bestreitet, unterstützt von einer Begleitblondine (Diane Kruger) und seinem Übervater (Jon Voight), um eben diesen Schatz ein genretypisches Wettrennen.

          Allende - Der letzte Tag des Salvador Allende

          Dokumentarfilm, Deutschland 2004.

          Drei Jahre ist der chilenische Präsident Salvador Allende im Amt, als am 11. September 1973 der Militärputsch unter General Pinochet losbricht. Mit einigen Getreuen verschanzt sich Allende in seinem Palast, wendet sich in einer Radioansprache ein letztes Mal an die Bevölkerung und nimmt sich das Leben, als das Militär stürmt.

          Der Dokumentarfilmer Michael Trabitzsch hat mit den Weggefährten Allendes gesprochen, zum Teil bislang unveröffentlichtes Archivmaterial ausgewertet und daraus das Porträt eines beeindruckenden Politikers komponiert.

          Verrückte Weihnachten

          Komödie, Vereinigte Staaten 2004.

          Damit geht es schon los: Die ganz normale Familie hört in dieser Weihnachtskomödie nach einem Buch von John Grisham auf den Namen Krank. Sie lebt in einem ganz normalen amerikanischen Vorort, in dem alljährlich der ganz normale Wettstreit um die aufwendigste Außenbeleuchtung zur Adventszeit tobt. Das Ehepaar Krank (Tim Allen und Jamie Lee Curtis) allerdings will diesmal nicht mitmachen, sondern stattdessen in die Karibik reisen, ist doch Töchterchen Blair (Julie Gonzalo) ohnedies gerade mit dem Friedenscorps in Peru.

          Zuerst wird es eng für die Kranks, weil die Nachbarschaft natürlich nicht zulassen kann, daß in einem Haus der Straße zum Fest der Liebe alles dunkel bleibt, und den Eheleuten heftig zusetzt. Und dann wird es eng für die Kranks, weil die Tochter im letzten Augenblick aus Miami anruft und doch noch zum Fest nach Hause kommen will. Es bleiben 24 Stunden, um das übliche Brimborium zu veranstalten.

          Weitere Themen

          Russischer Ort streitet über Stalin-Statue Video-Seite öffnen

          Aufstellen oder nicht? : Russischer Ort streitet über Stalin-Statue

          Seitdem in der russischen Ortschaft Kusa eine alte Stalin-Statue in einem Teich entdeckt wurde, spaltet sie das Städtchen. Soll sie am alten Ort wieder aufgestellt werden, wie das der kommunistische Aktivist Stanislaw Stafejew fordert? Oder sollte sie lieber ins Museum?

          Jetzt retten Haustiere die Welt

          Kinocharts : Jetzt retten Haustiere die Welt

          „Pets 2“ verdrängt den neuen „Spider-Man“ und landet wieder auf Platz eins der deutschen Kinocharts. In Nordamerika hat der Superheld noch einen sicheren Stand.

          Topmeldungen

          Wird er der nächste Tory-Vorsitzende? Boris Johnson bei einem Fototermin in einer Baumschule

          Wahl zum Tory-Parteichef : „Boris gewinnt ja sowieso“

          Die 160.000 Mitglieder der Konservativen Partei wählen gerade den nächsten britischen Premierminister. Sie sind alt, melancholisch und ein bisschen rebellisch – und sehnen sich nach der guten alten Zeit.
          Von ihren Soldaten hat sie sich verabschiedet. Was folgt für Ursula von der Leyen (CDU)?

          FAZ Plus Artikel: Ursula von der Leyen : Wenn Weber es kann

          Ursula von der Leyens Rücktritt ist ein geschickter Zug. Doch wird es für sie reichen? Die SPD erweist sich weiter als führungs- und orientierungslos.
          Roger Federer nach seiner Niederlage am Sonntag in Wimbledon

          Tennis-Ikone : Wie Roger Federer zum erfolgreichen Unternehmer wurde

          Roger Federer zählt zu den Spitzenverdienern in der Welt. Daran ändert auch die Niederlage in Wimbledon nichts: Denn so erfolgreich wie auf dem Platz ist der Schweizer auch in geschäftlichen Dingen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.