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Kinovorschau : Die Geister, die sie riefen

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Requiem: Eine wahre Geschichte über Exorzismus Bild: X Verleih

Von Epilepsie zu Exorzismus sind es bei Hans-Christian Schmidt viele kleine Schritte, aus der Neuen Welt nach England für Pocahontas einige große. Außerdem in dieser Woche neu im Kino: Philip Seymour Hoffman als Truman Capote.

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          Von Epilepsie zu Exorzismus sind es bei Hans-Christian Schmidt viele kleine Schritte, aus der Neuen Welt nach England für Pocahontas einige große. Außerdem in dieser Woche neu im Kino: Philip Seymour Hoffman als Truman Capote.

          Requiem

          Drama, Deutschland 2005.

          Oscarfavorit: Philip Seymour Hoffman als Truman Capote

          In den siebziger Jahren, als Dogmatiker und Lebensreformer die Universitäten bevölkerten, kam Michaela Klingler aus der schwäbischen Provinz nach Tübingen. Sie war religiös, sie kam aus einem in seiner strengen Fürsorglichkeit erdrückenden Elternhaus, sie litt an Epilepsie, und bald glaubte sie, Stimmen zu hören. Ihr Leben begann ihr zu entgleiten, und am Ende, nach einem Fall von Exorzismus, starb sie an Entkräftung. Der Regisseur Hans-Christian Schmid hat aus einem realen Fall ein „Requiem“ gemacht, einen großartigen Film und zugleich einen Film wie ein Albtraum, weil man zusehen muß, wie alle helfen wollen und alle dabei das Falsche tun, bis eine Persönlichkeit zerstört ist. Schmid weiß, was man zeigen muß, und vor allem, was man nicht zeigen muß. Und er hat in Sandra Hüller eine junge Hauptdarstellerin ausgewählt, die völlig verdient den Darstellerinnenpreis der Berlinale gewonnen hat.

          Capote

          Drama, Vereinigte Staaten 2005.

          Der Film „Capote“ ist Oscar-Favorit dank der Einmannshow des Schauspielers Philip Seymour Hoffman. Regisseur Bennett Miller erzählt, wie der Schriftsteller Truman Capote 1959, auf der Höhe seines Ruhms, auf eine Zeitungsmeldung stieß. In der Ermordung einer vierköpfigen Familie im ländlichen Kansas witterte er den Stoff für eine neue literarische Form, den sogenannten Tatsachenroman, den er mit „Kaltblütig“ dann 1966 tatsächlich veröffentlichte.

          Capote erkennt in einem der beiden Mörder einen Seelenverwandten: ein vernachlässigtes, anerkennungssüchtiges Kind wie er selbst, dem er verfällt, weil er der Idee des Romans verfallen ist, den er schreiben will. Seine Prominenz verschafft ihm Zugang zur Zelle, er sorgt für juristische Unterstützung der beiden Täter und wirbt um diesen Perry Smith, bis der ihm die Ereignisse der Mordnacht en detail schildert. Doch erst der Tod der Angeklagten kann sein Buch zum Leben erwecken.

          Kein Science Fiction

          Drama, Deutschland 2003.

          Regisseur Franz Müller hat für sein Kinodebüt nichts dem Zufall überlassen wollen. Vor drei Jahren entstand seine Charakterstudie als Abschlußarbeit an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Gemeinsam mit seinen Hauptdarstellern entwickelte er die Geschichte um Jörg (Arved Birnbaum), einen frustrierten Unternehmer aus den neuen Bundesländern, und Marius (Jan Henrik Stahlberg), der ein Motivationsseminar leitet.

          Vehement versucht Marius, Jörg die Prinzipien seiner Mental-Syntax-Theorie schmackhaft zu machen. Bei einem konkreten Umsetzungsversuch dieses Programms finden Jörg und er sich plötzlich in einem Zeit-Raum-Bereich wieder, der fernab von der restlichen Welt ist.

          The New World

          Historienfilm, Vereinigte Staaten 2005.

          „The New World“ erzählt die Geschichte einer unmöglichen Liebe, einer Liebe, die es wohl nicht einmal gab. Die Begegnung von Pocahontas, der Powhatan-Prinzessin, und dem britischen Captain John Smith (Colin Farrell) ist ein Evergreen der amerikanischen Populärmythologie. Daß man jenseits der nicht sehr zuverlässigen Aufzeichnungen von Smith kaum historisch Gesichertes weiß, nutzt Regisseur Terrence Malick für sich.

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