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Kinovorschau : Der ferngesteuerte Vizepräsident

  • Aktualisiert am

Eva Birthistle und Atta Yaqub in „Just a Kiss” Bild: dpa/dpaweb

Eine irisch-pakistanische Liebe, eine amerikanische Wahlverschwörung, ein Märchen im deutsch-polnischen Grenzland und ein Dialogdrama aus düsteren Zeiten: die neuen Kinofilme, die am Donnerstag starten.

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          Eine irisch-pakistanische Liebe, eine amerikanische Wahlverschwörung, ein Märchen im deutsch-polnischen Grenzland und ein Dialogdrama aus düsteren Zeiten: die Filmstarts der Woche.

          Just a Kiss

          Drama, Großbritannien/Belgien/Italien/ Deutschland/Spanien 2004.

          Denzel Washington in „Der Manchurian Kandidat”
          Denzel Washington in „Der Manchurian Kandidat” : Bild: dpa

          Im Grunde hat sich das Kino des Briten Ken Loach seit Jahrzehnten nicht verändert. Und doch schaut man es sich immer wieder gerne an. Denn es ist die Essenz des menschlichen Lebens in der Gesellschaft, die Loach da einfängt, und wenn man alles abzieht, was im Kino an Stil, Rhythmus, Musikalität, Kunstverstand, Pomp und Pose die Leinwand füllt, bleiben solche Geschichten übrig: ein junger Pakistaner in Glasgow, der in ein paar Wochen seine ihm unbekannte Cousine in Pakistan heiraten soll, eine irische Musiklehrerin, eine Liebe zwischen den beiden, zwei Religionen, zwei Begriffe von Familie, Liebe, Schicksal und das Drama, das sich daraus entwickelt. Mit Eva Birthistle, Atta Yaqub u.a.

          Der Manchurian Kandidat

          Thriller, Vereinigte Staaten 2004.

          "Der Manchurian Kandidat" ist ein Remake. Nicht irgendeines Films. "The Manchurian Candidate" aus dem Jahr 1962, der in Deutschland "Botschafter der Angst" hieß, ist ein Klassiker. Vierzig Jahre später kommt die Gefahr nicht von den extremen Rändern, sondern aus der Mitte der Gesellschaft. "Manchurian" steht nicht mehr für die Mandschurei, wo Sowjets und Chinesen gemeinsam amerikanische Soldaten einer Gehirnwäsche unterzogen; "Manchurian" ist der Name eines Konzerns, der dank eines implantierten Chips den ersten ferngesteuerten Vizepräsidenten ins Weiße Haus bringen will. Im Vergleich zum Original ist Demmes Version deutlich ernsthafter und humorloser. Mit Denzel Washington, Meryl Streep und Liev Schreiber.

          Milchwald

          Drama, Deutschland 2003.

          Zwei Schulkinder werden von ihrer ungeduldigen Stiefmutter auf einer Landstraße in der deutsch-polnischen Grenzregion ausgesetzt. Die Frau folgt nur einem Impuls, sie kehrt bald um, um die Kinder zu suchen. Die sind allerdings mittlerweile, ganz wie Hänsel und Gretel, in einem Feld verschwunden - und bald darauf im tiefen Wald. Dann bricht die Dunkelheit herein. Die nächtliche Begegnung der Kinder mit einem polnischen Mann, der seinen Kleinbus auf einer Forststraße geparkt hat, ist mit der Klarheit erzählt und inszeniert, die wie im Märchen selbst die merkwürdigsten Vorgänge völlig selbstverständlich erscheinen läßt. Mit Judith Engel, Horst-Günter Marx, Sophie Conrad u.a.

          Der neunte Tag

          Drama, Deutschland/Luxemburg 2004.

          Im Winter 1942 wird der Luxemburger Abbé Henri Kremer für neun Tage aus dem "Pfarrerblock" des Konzentrationslagers Dachau, wo er mit Hunderten anderer Geistlicher aus ganz Europa einsitzt, in seine Heimat entlassen. Dort, im örtlichen Hauptquartier der Besatzer, versucht der Gestapochef Gebhardt, Kremer auf seine Seite zu ziehen, um mit seiner Hilfe den Bischof von Luxemburg für die Kirchenpolitik Hitlers zu gewinnen. Beide stehen unter Druck: Gebhardt, weil er beim Scheitern seiner Mission in ein Vernichtungslager im Osten versetzt werden soll, Kremer, weil er die Rückkehr in die Hölle von Dachau ebenso fürchtet wie die Erschießung seiner Luxemburger Mitgefangenen, die ihm sein Gegenüber für den Fall seiner Flucht androht. „Der neunte Tag“ ist ein Dialogfilm. Was man über das Duell von Kremer und Gebhardt hinaus sieht -, das Lager, die Heimatstadt, die Geschwister, den Bischof, den Gauleiter - akzentuiert den Zweikampf, statt von ihm abzulenken. Mit August Diehl, Bibiana Beglau und Ulrich Matthes.

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