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Robert Zemeckis wird siebzig : Der schönste Trick heißt Blick

Guckt gut: Regisseur Robert Zemeckis Bild: Reuters

Er hat Klassiker wie „Forrest Gump“, „Zurück in die Zukunft“ und „Contact“ gedreht und ist dabei auch im Gigantischen beweglich geblieben: Dem Kinoregisseur Robert Zemeckis zum Siebzigsten.

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          Die kosmischen Nebel und Sternhaufen aus digitalem Strass, die Robert Zemeckis sich für den Film „Contact“ (1997) am Computer ausrechnen ließ, überzeugen kaum noch; man hat seither Kostspieligeres gesehen. Aber sobald die Kamera das fassungslose Gesicht zeigt, das Jodie Foster in der Szene macht, die uns diese fernen Farbfeuer vorführt, greift der Glaube ans Weltgeheimnis im Bild selbst nach dem härtesten Herz im Publikum.

          Dietmar Dath
          Redakteur im Feuilleton.

          So geht das alterungsanfälligen Effekten bei Zemeckis immer wieder: Die elektrischen Entladungen etwa, die das Reisen durch die Zeit in „Zurück in die Zukunft“ (1985) begleiten, kann heute die rückständigste Bildbearbeitungs-App kritzeln, aber das Augenaufreissen des jungen Michael J. Fox macht die transzendentale Klappkonstruktion dieser Komödie auch fast vierzig Jahre später so durchschlagend glaubhaft wie am allerersten Vorführtag. Wenn schließlich ein Trick, den heute kein Werbefilmchen geschenkt nehmen würde, Meryl Streep in „Der Tod steht ihr gut“ (1992) buchstäblich den Hals umdreht, funktioniert das nach drei Dekaden immer noch, weil die Schauspielerin es uns verkauft, als hinge ihr Leben dran.

          Ereignisse, die man nur im Kino erlebt

          Tricks sind bei Zemeckis nicht Stützen der Schauspielerei, sondern diese beglaubigt bei ihm alle technischen Illusionen. So filmt er am liebsten Zustände und Ereignisse, die man überhaupt nur im Kino erlebt, auch wenn der historisierbare Filmerzählraum dazu nicht unbedingt größer als das Home Office, der Supermarkt oder der Badestrand sein muss wie in „Forrest Gump“ (1994). Zur Not reicht für die Behauptung, man bekäme jetzt zu sehen, was man nie erleben wird, ein einziger Schauspieler, der einen Schiffbrüchigen spielt, und ein Volleyball, der ihm die ganze Menschheit ersetzen muss, wie in „Cast Away – Verschollen“ (2000), wo Tom Hanks dem toten Gegenstand mit jedem Blick mehr Seele einbrennt.

          Zemeckis hat ein Auge dafür, wie Leute schauen, wenn sie etwas entdecken, was Zemeckis sich für sie ausgedacht hat, damit sie es als eine eigenständige, fiktive Welt bewohnen – das Kopfinnere dieses Regisseurs muss ein Spiegelkabinett sein. Dass er einige Inszenierungsvorlieben mit seinem berühmteren (und ein paar Jährchen älteren) Förderer Steven Spielberg teilt, hat törichte Stimmen Bosheiten wie „Robert Zemeckis ist Spielberg für Arme“ meckern lassen. Es ließe sich aber fragen, ob es Abenteuergeschichten oder historischen Moralvorlesungen, wie Spielberg sie liebt, unbedingt immer gut tut, wenn man sie auf Hochglanzpapier druckt, oder ob sie auf ehrlichem Taschenbuchpapier nicht besser zur Geltung kommen. Ein Pomp, den Zemeckis nicht bezahlen kann, hat Spielbergs Beweglichkeit mitunter behindert.

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          Aber der Unterschied zwischen den beiden muss gar kein qualitativer sein. Es ist einfach einer der unterschiedlichen Wirkungskreise. Ein schön bemaltes Holzpferd macht ja auch sowohl auf der Kunstausstellung wie auf einem von vor Glück schreienden Kindern bevölkerten Karussell eine gute Figur. Zemeckis fühlt sich auf dem Jahrmarkt halt wohler, wo er deswegen inzwischen auch schon mehrere Generationen erfreut hat. Heute wird er siebzig Jahre alt.

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