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Kinofilm „Australia" : Mann und Frau am Ende der Welt

Schnulze Down Under: Viehtreiber Drover (Hugh Jackman) und Lady Sarah Ashley (Nicole Kidman) Bild: picture-alliance/ dpa

Satire auf die besseren Kreise, deftige Saloon-Komödie und Kriegsfilm: In „Australia“ geht es nicht um das Land Down Under. Sondern um nicht weniger als ein gigantisches Kinoepos, das vor allem dazu gut ist, zu beweisen, dass so etwas heute noch geht.

          Eine Lady weiß nie, was sie möglicherweise brauchen könnte - diesem Leitspruch entsprechend sieht das Gepäck aus, mit dem sich Nicole Kidman als Lady Sarah Ashely in England auf den Weg macht, um ihren Mann zu suchen, der, wie sie vermutet, in Australien nicht nur eine Farm aufbaut, sondern auch eine andere Frau gefunden hat.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

          Als sie in Australien ankommt, ist ihr Mann tot. Wenn sie das nächste Mal packt, diesmal zum Viehtreiben quer über den Kontinent, sind von den zahlreichen Koffern und Hutschachteln immer noch eine Menge übrig. Erst wenn ihr dämmert, dass all das, was sie da mit sich rumschleppt, ihr den Weg ins Herz des Viehtreibers Drover (Hugh Jackman) verstellt, begnügt sie sich, wie alle Cowboys und -girls, mit der Satteltasche.

          Hier geht es nicht um Australien

          Buz Luhrmanns Film „Australia“ hat in Anspruch, Länge und Breite etwa die Dimension des Titelkontinents, und immer wieder einmal auch den Reiz, den eine Schnulze in den Landschaften am Ende der Welt entwickeln kann - vor allem wenn die Kamera (geführt von Mandy Walker) so wagemutig zwischen Pferdeherden tanzt, sich hoch aufschwingt über die Prärie oder hinabsaust in Täler und sich nicht scheut, hinaufzublicken in den Sternenhimmel, wenn zwei sich küssen, oder die Regentropfen auf einem schönen braunen Kindergesicht zu zählen.

          Dieses Kindergesicht kommt ins Spiel, weil Luhrmann mit seinem großen Epos von einem unwahrscheinlichen Paar und vom Viehtrieb, der vom Zweiten Weltkrieg vorübergehend unterbrochen wird, auch die Geschichte der verlorenen Generation erzählt, jener halb schwarzen, halb weißen Aboriginal-Kinder, die noch bis in die siebziger Jahre hinein von der Regierung aus ihren Familien gerissen und in Missionsstationen zwangseingewiesen wurden und von denen Philip Noyce in seinem Film „Rabbitt Proof Fence“ erzählt hatte.

          So ist alles beisammen, die Satire auf die besseren Kreise, die deftige Saloon-Komödie, Western, Kriegs- und Familienfilm, und all das überhöht von leicht zu entziffernden Verweisen auf die Filmgeschichte, auf „Vom Winde verweht“, „Red River“ und „Der Zauberer von Oz“, so dass wir am Ende wissen: Hier geht es nicht um Australien. Hier geht es um nicht weniger als ein gigantisches Kinoepos, das vor allem dazu gut ist, zu beweisen, dass so was heute noch geht.

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