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Kino : Wie Cannes Berlin die Schau stiehlt

  • -Aktualisiert am

Gern zu Gast: Sean Penn in Cannes (Bild von 2004) Bild: AFP

Sean Penn wird Jury-Präsident bei den Filmfestspielen in Cannes. Das ist ein Coup, der Berlin alt aussehen lässt. Dort schmückt sich die Berlinale mit einem Präsidenten, der seine besten Tage hinter sich hat.

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          Sean Penn wird Jury-Präsident bei den Filmfestspielen in Cannes. Das ist ein Coup, weil Penn mit „Into the Wild“ gerade einen sehr guten Film herausgebracht hat und, wenn die Academy nicht pennt, möglicherweise als Oscar-Preisträger an die Croisette reisen kann. Obwohl es noch viereinhalb Monate sind bis zum Beginn des Festivals an der Côte d'Azur, stellte sich mit der Nachricht der beabsichtigte Effekt sofort ein: Wann geht's endlich los?

          Eigentlich allerdings sollten derzeit die Berliner Filmfestspiele ihre Schatten vorauswerfen, wie man so sagt. Sie beginnen in fünf Wochen, und wenigstens in dieser letzten Zeit vor Eröffnung müssten die Nachrichten aus Berlin glühen. Dort heißt der Jury-Präsident Constantin Costa-Gavras. Das ist weniger ein Coup als eine Ehrerbietung, die Kinobesucher unter vierzig vermutlich nicht einmal richtig werden würdigen können. Denn die Art von Kino, für die Costa-Gavras steht, hat ihre Zeit gehabt, und die ist vorbei.

          Kunst und Kritik

          Wer der Jury vorsitzt, sagt natürlich noch überhaupt nichts aus über die Qualität der Filme, die es zu jurieren gilt, oder über den Erfolg eines Festivals. Aber ein Zeichen ist es schon, wenn in Berlin einem Filmemacher das letzte Wort über den Wettbewerb gegeben wird, von dem Berlinale-Chef Dieter Kosslick sagt, seine Arbeit vereine „Gesellschaftskritik und große Kunst“ - ohne allerdings hinzuzufügen, dass, wenn es denn je so war, diese Vereinigung ihre dicksten Früchte zwischen 1965 und 1981 trug.

          Wenn in Cannes ins selbe Amt dann ein Mann gewählt wird, der darüber spricht, wie sehr sich das Kino verjüngt habe und dass Cannes in den vergangenen Jahren der Ort gewesen sei, an dem neue Wellen und junge Regisseure aus der ganzen Welt zu entdecken waren, und der noch dazu selbst Filme macht und in solchen spielt, in denen diese Entwicklung zu sehen ist, lässt der Vergleich Berlin ziemlich alt aussehen.

          Sollte jetzt noch die Nachricht kommen, dass Steven Spielbergs Fortsetzung seiner „Indiana Jones“-Saga in Cannes Premiere feiert, während die Berlinale mit Doris Dörries letztem Film von sich reden macht, müssen wir Trost in der Gewissheit suchen, dass kaum etwas so kalt gegessen wird, wie es auf der Menükarte aussieht.

          Verena Lueken

          Redakteurin im Feuilleton.

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