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Kino : Um Schnee von oben bittend

Erst kommt der Regen, dann kommt der Segen: Szene aus Marcus Rosenmüllers neuem Film. Bild: Constantin Film

Marcus Rosenmüller nimmt mit „Wer’s glaubt, wird selig“ einen starken Anlauf in Richtung Papstkomödie. Aber dann verläppert sich sein Film weit vor dem Ziel.

          Innozenz XIII. war nicht gut auf die Jesuiten zu sprechen. 1723 schrieb er einen Brief an den Ordensoberen Michele Tamburini, in dem er mit der Aufhebung des Ordens drohte. Der Papst starb im Frühjahr des folgenden Jahres, den Jesuiten blieben noch fünfzig Jahre. Einen Namensnachfolger hat Innozenz bis heute auf dem Papstthron nicht gefunden.

          Hannes Hintermeier

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für „Neue Sachbücher“.

          Auf der Leinwand immerhin gibt es jetzt einen Oberhirten, der als stiller Beichtvater Innozenz XIV. in einem heruntergekommenen bayerischen Wirtshaus herumsitzt und sich anhört, was ihm der aus Norddeutschland zugereiste Wirt Georg (Christian Ulmen) eine Nacht lang zu erzählen hat.

          Ein abstürzendes Kruzifix als Wunderwaffe

          Das ist der Rahmen, den Marcus H. Rosenmüller als Erzählklammer um seinem neuen Film „Wer’s glaubt, wird selig“ gezimmert hat. Es geht darin um das Dorf Hollerbach, das kein Wintersportort mehr sein kann, weil sich die Schneegrenze infolge des Klimawandels in höhere Gefilde zurückgezogen hat. Als die wahnsinnig katholische Vorbesitzerin des Wirtshauses (Hannelore Elsner als faltig-fanatische Bet-Megäre) von einem Kruzifix erschlagen wird, das ihre Tochter Emilie (Marie Leuenberger) und Schwiegersohn Georg durch Kopulationsschwingungen im Nachbarzimmer zum Absturz brachten, ist die Chance gekommen, ein Wunderverfahren beim Vatikan anzustrengen.

          Als Entsandter der dörflichen Verschwörer stolpert Georg in Rom in die Privatkapelle des Papstes. Und fragt den Pontifex in gedehntem Hamburger Deutsch: „Sie beten viel, ne?“ - „Gewiss. Und du?“ - „Geht.“ Der Papst lässt sich vom Bericht über die ach so heilige Daisy erweichen und schickt einen Ermittler (Fahri Yardim in der Doppelrolle des trotteligen Monsignore und seines nach dem Weibe lechzenden Bruders). Daheim in Hollerbach ahnt Emilie von alldem nichts, noch weiß sie, dass Mutti in der Gefriertruhe des Wirtshauses zur vorletzten Ruhe gebettet wurde.

          Braunschlag trifft Hollerbach: Simon Schwarz als Dorfpolizist

          Und so beginnt eine Verwechslungsklamotte, beschleunigt durch die Heimkehr der verlorenen Schwester Evi (Lisa Maria Potthoff), die sich als Pornodarstellerin einen Ruf erarbeitet hat und Opfer und Sünde für „bigottes Gesülze“ hält. Die Inszenierung zweier Wunder misslingt gründlich, Dorfpolizist Hartl (Simon Schwarz) bezahlt dafür beinahe mit seinem Leben.

          Braunschlag trifft Hollerbach: Simon Schwarz ist derzeit auch in dem Achtteiler „Braunschlag“ des Wiener Regisseurs David Schalko zu sehen, und dort beweist er, dass er noch viel mehr kann. Dass Marcus H. Rosenmüllers Film im gleichen Jahr ins Kino kommt, zeigt, wie stark das Thema im neuen Heimatfilm im Schwange ist. Auch bei Schalko geht es um ein Dorf, auch dort soll ein Wunder die marode Gemeinde retten.

          Rund wird die Geschichte am Ende nicht

          Aber wo „Braunschlag“ seinen Figuren Raum und der Geschichte Lakonie vergönnt, kennt Rosenmüller nur inszenatorischen Übereifer für sein nicht durchgehend zündendes Gag-Feuerwerk. Den nun bereits in einem Dutzend Filmen als Handschrift etablierten Genre-Mix aus Bauerntheater, romantischer Komödie, Slapstick und Traumsequenz garniert sein Haus-und-Hof-Komponist Gerd Baumann mit reichlich Melos.

          Dem Film gelingen ein paar sehr komische und einige berührende Momente, aber rund wird die Geschichte am Ende nicht - vielleicht, weil Rosenmüller sich mit der Frage nach der Rolle des Glaubens für ein gelingendes Leben ein bisschen viel vorgenommen hat. Nikolaus Paryla ist als nachdenklicher und schweigsamer Papst die leuchtende Nabe in einem Karussell von Sinnsuchern, die sich bis auf weiteres an den Gottesbeweis des schwerverletzten Hartl halten: „Wenn das Universum existiert, muss auch Gott existieren.“

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