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Kino : Stauffenbergs Sohn gegen Tom Cruise

  • Aktualisiert am

Stauffenberg-Bronzekopf in Stuttgart Bild: picture-alliance/ dpa

Der Sohn des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg will den Hollywood-Star Tom Cruise nicht in der Rolle seines Vaters sehen: „Er soll seine Finger von meinem Vater lassen“, so Berthold Schenk Graf von Stauffenberg in einem Interview.

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          Der Sohn des Hitler-Attentäters Claus Schenk Graf von Stauffenberg will Hollywood-Star Tom Cruise nicht in der Rolle seines Vaters sehen. „Er soll seine Finger von meinem Vater lassen“, sagte Berthold Schenk Graf von Stauffenberg der „Süddeutschen Zeitung“. „Er soll einen Berg besteigen oder in der Karibik surfen gehen. Es ist mir wurscht, solange er sich da raushält.“

          Die Dreharbeiten für den Film „Valkyrie“ sollen im Juli beginnen. Tom Cruise hat vor wenigen Tagen in Berlin die historischen Plätze besichtigt. Stauffenberg erklärte, er sage nicht, dass Cruise ein schlechter Schauspieler sei. Es sei ihm aber unsympathisch, dass ein bekennender Scientologe seinen Vater verkörpere. Zudem befürchte er, „dass da ein grauenvoller Kitsch rauskommt“. Juristische Schritte plane er aber nicht, sagte der pensionierte Generalmajor der Bundeswehr. Sein Vater sei nun einmal eine Person der Zeitgeschichte: „Verhindern kann ich diesen Film ohnehin nicht.“

          Herrenmenschen oder Bücklinge

          Zugleich kritisierte der Sohn des 1944 hingerichteten Widerstandskämpfers den Umgang mit der NS-Zeit in Deutschland: „Wir Deutsche sind nicht dazu in der Lage, mit unserer Geschichte angemessen umzugehen. Entweder wir treten als arrogante Herrenmenschen auf oder als devote und servile Bücklinge“, erklärte der 72-Jährige. „Früher durfte nur gesagt werden: Wir waren alle böse.“ Nun schlage das Pendel vielleicht ein bisschen zu weit in die andere Richtung aus, sagte Stauffenberg.

          Berthold Schenk Graf von Stauffenberg vor einer Gedenkstätte an der Wolfsschanze

          Sein Vater, Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg, hatte am 20. Juli 1944 versucht, Adolf Hitler mit einer Bombe zu töten. Das Attentat schlug fehl, Stauffenberg wurde wenig später erschossen. Am Mittwoch hatte bereits der Berliner SPD-Bundestagsabgeordnete Klaus Uwe Benneter den amerikanischen Schauspieler kritisiert. Scientologen wie Cruise seien nicht gesellschaftsfähig und hätte es nicht verdient, öffentlich als Helden und „coole Superstars“ bezeichnet zu werden, hatte der Justiziar der SPD-Bundestagsfraktion gesagt. Seine Darstellung als Stauffenberg sei ein Schlag ins Gesicht aller aufrechten Demokraten. Der deutsche Hollywood-Schauspieler Thomas Kretschmann hatte Cruise vorgeworfen, ihm die Rolle des deutschen Widerstandskämpfers weggenommen zu haben. Nachdem die von Cruise geleitete Produktionsfirma United Artists das Projekt übernommen habe, hatte er die Absage erhalten (siehe: Schauspielerstreit um Stauffenberg).

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