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Kino : „Sophie Scholl“: Deutsche Hoffnung auf den Oscar

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„Glückstrunken”: „Sophie Scholl”-Regisseur Marc Rothemund Bild: ddp

Wird es wieder einmal einen Oscar für einen deutschen Film geben? „Sophie Scholl - Die letzten Tage“ wurde für den begehrtesten Filmpreis der Welt nominiert. Großer Favorit ist aber der Western „Brokeback Mountain“ mit acht Nominierungen. FAZ.NET-Spezial mit Bildergalerie.

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          Oscar-Hoffnungen in Deutschland: Das NS-Widerstandsdrama „Sophie Scholl - Die letzten Tage“ ist Anwärter auf einen der begehrtesten Filmpreise der Welt. Neben dem Film von Marc Rothemund sind drei weitere deutsche Produktionen oder Beiträge mit starker deutscher Beteiligung im Rennen.

          Top-Favorit in der Oscar-Nacht zum 6. März ist „Brokeback Mountain“ - die Geschichte zweier schwuler Cowboys. Der Film, der schon vor zwei Wochen vier Golden Globes gewann, ist in acht Kategorien in der engeren Auswahl, darunter als bester Film, für die beste Regie (Ang Lee) und den besten Hauptdarsteller (Heath Ledger). Die Oscar-Statuetten werden in diesem Jahr zum 78. Mal von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) vergeben.

          „Sophie Scholl - Die letzten Tage“ (Video-Filmkritik: „Sophie Scholl - Die letzten Tage“) wurde am Dienstag in Los Angeles in der Kategorie für den besten nicht-englischsprachigen Film ebenso nominiert wie die von Frankreich eingereichte Koproduktion „Merry Christmas“ (Joyeux Noël), die von Deutschland mitfinanziert wurde. Um die Trophäe in dieser Sparte konkurriert auch der palästinensische Film „Paradise Now“, der zum Teil mit deutschen Geldern finanziert wurde. Außerdem hofft die Absolventin der Hamburger Filmhochschule, Ulrike Grote, für ihren Kurzfilm „Ausreißer“ (The Runaway) auf einen klassischen Oscar. Sie hatte schon im vergangenen Jahr dafür den Studenten-Oscar gewonnen.

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          Kino : „Sophie Scholl“: Deutsche Hoffnung auf den Oscar

          Rothemund ist „glückstrunken“

          In einer ersten Reaktion sagte Marc Rothemund, er sei „glückstrunken“ über die Oscar-Chancen für seinen Film. „Bei uns fliegen die Champagnerkorken. So viele Leute haben so hart an 'Sophie Scholl' gearbeitet. Dies ist eine unglaubliche Belohnung für sie alle.“ Drehbuchautor und Koproduzent Fred Breinersdorfer bezeichnete den Film als Würdigung des deutschen Widerstands gegen das nationalsozialische Regime. „Wir sind alle aus dem Häuschen“, sagte er.

          Rothemunds Film zeichnet die letzten sechs Tage im Leben der Widerstandskämpferin Sophie Scholl vor ihrer Hinrichtung durch die Nazis nach. Die langen Dialoge sind überwiegend wörtlich aus den Prozeßakten übernommen. In der Titelrolle ist Julia Jentsch zu sehen, die dafür bereits mit dem Europäischen Filmpreis ausgezeichnet wurde.

          Mit „Sophie Scholl“ konkurriert die 18 Millionen Euro teure französisch-deutsch-englisch-belgisch-rumänische Koproduktion „Joyeux Noël“ über eine Weihnachtsnacht an der Frontlinie im Ersten Weltkrieg. Auch dieser Film entstand mit deutscher Beteiligung und wurde unter anderem vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert. In wichtigen Rollen treten Diane Kruger, Benno Fürmann und Daniel Brühl auf.

          Auch im vergangenen Jahr hatten die Oscar-Juroren einen deutschen Beitrag nominiert, den Hitler-Film „Der Untergang“ von Oliver Hirschbiegel. Er war dann bei der Preisverleihung aber leer ausgegangen. Dennoch werteten Branchenkenner die jüngsten Nominierungen als deutliches Zeichen für einen zunehmenden internationalen Erfolg deutscher Filme. Den letzten Oscar für eine deutsche Produktion holte im Jahr 2002 Caroline Link mit ihrem Streifen „Nirgendwo in Afrika“.

          Wer kann „Brokeback Mountain“ gefährden?

          Im Rennen um den Oscar für den besten Film bekommt „Brokeback Mountain“, der am 9. März in den deutschen Kinos anläuft, Konkurrenz durch „Capote“ über den Schriftsteller Truman Capote, das Gesellschaftsdrama „L.A. Crash“, George Clooneys „Good Night, and Good Luck“ über die Kommunistenverfolgung im Amerika der fünfziger Jahre und Steven Spielbergs „München“ über die Terroranschläge bei den Olympischen Spielen 1972. Etwas überraschend fehlt in der Kategorie „Bester Film“ die hoch gehandelte Verfilmung des Lebens von Johnny Cash, „Walk the Linie“.

          Gleich mehrere Chancen auf eine der begehrten Auszeichnung hat George Clooney. Er wurde am Dienstag als bester Nebendarsteller für seine Rolle als CIA-Agent in dem Thriller „Syriana“ sowie als bester Regisseur und Drehbuchschreiber für „Good Night, and Good Luck“ nominiert. „Good Night, and Good Luck“ gehört neben „Crash“ und „Memoirs of a Geisha“ zu den drei Filmen, die mit jeweils sechs Nominierungen „Brokeback Mountain“ im Rennen um die meisten Auszeichnungen besonders dicht auf den Fersen sind. Spielbergs Thriller über die Jagd auf die palästinensischen Attentäter von München, der auf ein geteiltes Echo stieß, wurde in immerhin fünf Kategorien berücksichtigt, darunter beste Regie. Peter Jacksons spektakuläres „King Kong“-Remake floppte dagegen - der Streifen kann sich nur noch Hoffnungen auf einen Oscar in einer technischen Kategorie machen.

          Hoffman und Huffman nominiert

          Als Favorit in der Kategorie „Bester Hauptdarsteller“ gilt in diesem Jahr Philip Seymour Hoffman, der für seine Darstellung des Schriftstellers Truman Capote nominiert ist. Seine Konkurrenten sind der Johnny-Cash-Darsteller Joaquim Phoenix („Walk the Line“), der „Brokeback Mountain“-Star Heath Ledger, Terrence Howard („Hustle & Flow“) sowie David Strathairn („Good Night, and Good Luck“) berücksichtigt.

          Als Favoritinnen in der Sparte „Beste Hauptdarstellerin“ werden die schon mit einem Golden Globe prämierte Reese Witherspoon und Felicity Huffman gehandelt. Witherspoon spielt in „Walk the Line“ die Sängerin June Carter, Johnnys Ehefrau; Huffman glänzt in „Transamerica“ als Transsexuelle. Ebenfalls im Rennen sind die schon mit einem Oscar ausgezeichneten Judi Dench und Charlize Theron sowie Keira Knightley.

          Die Oscar-Nominierungen in den wichtigsten Kategorien:

          Bester Film:
          „Brokeback Mountain“
          „Capote“
          „L.A. Crash“
          „Good Night, and Good Luck“
          „München“

          Bester Hauptdarsteller
          Philip Seymour Hoffman („Capote“)
          Terrence Howard („Hustle & Flow“)
          Heath Ledger („Brokeback Mountain“)
          Joaquin Phoenix („Walk the Line“)
          David Strathairn („Good Night, and Good Luck“)

          Beste Hauptdarstellerin
          Judi Dench („Mrs. Henderson Presents“)
          Felicity Huffman („Transamerica“)
          Keira Knightley („Stolz und Vorurteil“)
          Charlize Theron („Kaltes Land“)
          Reese Witherspoon („Walk the Line“)

          Bester Nebendarsteller
          George Clooney („Syriana“)
          Matt Dillon („L.A. Crash“)
          Paul Giamatti („Das Comeback“)
          Jake Gyllenhaal („Brokeback Mountain“)
          William Hurt („A History of Violence“)

          Beste Nebendarstellerin
          Amy Adams („Junebug“)
          Catherine Keener („Capote“)
          Frances McDormand („Kaltes Land“)
          Rachel Weisz („Der ewige Gärtner“)
          Michelle Williams („Brokeback Mountain“)

          Bester Regisseur
          Ang Lee („Brokeback Mountain“)
          Bennett Miller („Capote“)
          Paul Haggis („L.A. Crash“)
          George Clooney („Good Night, and Good Luck“)
          Steven Spielberg („München“)

          Bester ausländischer Film
          „Sophie Scholl - Die letzten Tage“ (Deutschland)
          „Don't Tell“ (Italien)
          „Joyeux Noel“ (Französische Koproduktion mit mehreren deutschen Schauspielern)
          „Paradise Now“ (Palästinensergebiete)
          „Tsotsi“ (Südafrika)

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